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Die beiden probatesten Mittel in der Öffentlichkeitsarbeit sind Wettbewerbe und Preisverleihungen. Längst nicht alle Düsseldorfer Bürger sind von dem geplanten Neubau eines Opernhauses in ihrer Stadt überzeugt. Jetzt rufen die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg und ihre Partner einen „Kinder- und Jugendarchitekturwettbewerb für alle von 4 bis 18 Jahren“ aus. Ein solches Projekt, zumal in dieser Größenordnung, dürfte wohl in Deutschland einmalig sein.
Es war einmal, 2018, da hatte der ehemalige Oberbürgermeister Thomas Geisel eine Vision von einem „Blaugrünen Ring“ für die Landeshauptstadt Düsseldorf. Der sollte die Innenstadt vom Ehrenhof, der Kunstakademie bis zum früheren Ständehaus, den neuen Landtag mit den Parkanlagen, der Königsallee, der Oper, dem Schauspielhaus und dem Rheinufer verbinden. Eine mehr oder minder geschlossene Kulturmeile im Herzen der Stadt. Kultur sollte städtebaulich erlebbar gemacht werden. 2019 wurde gar noch ein Wettbewerb zur Verwirklichung veranstaltet. Inzwischen alles Makulatur. Denn der Plan hatte einen Schönheitsfehler: Er hätte das baufällige Opernhaus auf seinem Filetgrundstück am Rande der Altstadt belassen. Handstreichartig wurde 2024 ein Grundstück erworben, um das Opernhaus, wenn es denn neu gebaut wird, an den Rand der Innenstadt zu versetzen. Von Bürgerbeteiligung war da plötzlich ebenso wenig die Rede wie von einer Kulturmeile. Ja, manchmal muss man die Bürger zu ihrem Glück zwingen.
Der neue Standort solle, so war zu hören, den Stadtteil Pempelfort zwischen Oststraße und Wehrhahn wiederbeleben. Gleichzeitig wurde versprochen, die neue Oper mit einem direkten Zugang an die U‑Bahn anzuschließen und für Parkplätze unter dem neuen Gebäude zu sorgen. Es wird also kein Besucher gezwungen sein, auch nur einen Fuß auf die umgebenden Straßen zu setzen. Auch die Forderung, ein Haus der darstellenden Künste zu errichten, in dem auch die Theaterbetriebe und die so genannte Freie Szene hätten unterkommen können, wurde elegant umgangen. Nun sollen die Clara-Schumann-Musikschule und die Musik- sowie die Kinderbibliothek der Stadtbüchereien dort mit einziehen.
Der Unmut in der Stadt wächst. Das ist für jeden, der mit offenen Ohren durch die Stadt geht, erfahrbar, auch wenn die örtliche Presse sich in Schweigen hüllt. Grund genug für diejenigen, die am meisten von den neuen Entwicklungen profitieren, etwas zur Imagepflege zu unternehmen. Damit das neue Haus, das laut Planungen zur Spielzeit 2033⁄34 – ein überaus ambitioniertes Ziel – bezugsfertig sein soll, nicht ins Wanken gerät, ehe noch der Grundstein gelegt ist. Die Zeit drängt, denn der Architekturwettbewerb läuft, an dem 29 „renommierte, internationale Architekturbüros“ teilnehmen, um das „Opernhaus der Zukunft“ zu planen.
Und die Kommunikatoren haben sich etwas einfallen lassen. Unter dem Motto „Bau dein MusikschuleBibliothekOpernhaus der Zukunft!“ startet jetzt ein Architekturwettbewerb für Kinder und Jugendliche, selbstverständlich unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Stephan Keller. Kinder und Jugendliche von 4 bis 18 Jahren sind eingeladen, ihren Ideen Gestalt zu verleihen. Den Kindern und Jugendlichen ist es freigestellt, ob sie allein, in kleineren Gruppen oder im Verbund einer Schulklasse an den Entwürfen arbeiten und sie einreichen. Acht Partnerschulen und eine Partner-Kita der Jungen Oper am Rhein sind als Teilnehmer bereits eingestiegen, darunter kein Gymnasium, und kommen so als erste in den Genuss von Tandem-Workshops mit der Hochschule Düsseldorf – Peter Behrens School of Arts, Fachbereich Architektur. Außerdem bietet der Fachbereich Architektur weitere drei „Schüler-Labore“ zu bestimmten Themenschwerpunkten rund um den Bau eines solchen Großprojekts.
Alle dürfen alles
Der Aufwand, der für den Wettbewerb betrieben wird, ist enorm. Eine Netzseite informiert über den Wettbewerb und das damit verbundene, umfangreiche Rahmenprogramm, in dem Kinder und Jugendliche sich nach Anmeldung über Architektur‑, Software- und andere Fragen unterrichten lassen können. Am 1. September dieses Jahres müssen die Planungsentwürfe eingereicht worden sein. Anschließend befindet eine Jury über die Preisvergabe in vier Alterskategorien. Die Gewinner des Architekturwettbewerbs für Kinder und Jugendliche bekommen Gelegenheit, mit Vertretern des Siegerbüros des internationalen Architekturwettbewerbs ihre Ideen und Visionen zu diskutieren.
Offenbar glauben die Veranstalter, dass es eine Ehre sei, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen. Zumindest verzichten sie auf die Motivationskraft eines attraktiven Preises, wenn sie ankündigen: „Außerdem erwarten sie tolle Preise, unter anderem in Form besonderer Erlebnisse in und um Düsseldorf herum.“ Es wird nicht verraten, ob es sich dabei um eine Fahrt mit Sondersignalen im Polizeiauto über das Mörsenbroicher Ei, einen Eselsritt durch den Hofgarten oder einen kostenlosen Besuch des Aquazoos handelt. Ob die Veranstalter die Kinder und Jugendlichen ernstnehmen, darf man bezweifeln, wenn sich nicht einmal ein Hinweis auf die Urheberrechte der Teilnehmer findet. Gehen sie also davon aus, dass es keine Idee geben wird, die in die Arbeit der Erwachsenen einfließen wird?
Man kann so einiges an dem Wettbewerb kritisieren. Das darf aber nicht daran vorbeiführen, dass damit Zukunftsweisendes ins Leben gerufen wurde, das durchaus auf ähnliche Projekte in der Bundesrepublik übertragbar ist. Und von denen gibt es derzeit ja reichlich. Die Zielgruppe ist gut erkannt, die Kosten sind je nach Möglichkeit variabel zu gestalten, es gibt viel Anlass zu berichten und man kann sich den Anschein geben, an den Ansichten der Stadtgesellschaft interessiert zu sein.
Der Spaßfaktor ist darüber hinaus groß, wenn die Veranstalter den Wettbewerbsteilnehmern völlig freie Hand bei der Wahl der Materialien zur Erstellung ihrer Pläne lassen. Da kann wohl von der gekneteten Bühne bis zum 3D-Rendering-Modell der Rolltreppen alles dabei sein. Und wer weiß? Vielleicht gewinnt ja das Scherenschnittmodell, bei dem zu sehen ist, wie hunderte Schüler gerade in den 15. Stock fahren, um zum Gitarrenunterricht zu kommen.
Michael S. Zerban