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Die Ausstellung Große Oper - viel Theater? ist im Foyer des Düsseldorfer Opernhauses zu sehen. - Foto © O-Ton

Gesucht: Die Oper der Zukunft

Vom 3. Mai bis zum 14. Juli zeigt die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg die Ausstellung Große Oper – viel Theater? des Deutschen Archi­tek­tur­mu­seums Frankfurt im Düssel­dorfer Opernhaus. Vorge­stellt werden elf Baupro­jekte von europäi­schen Opern­häusern der jüngeren Vergan­genheit, begleitet wird die Ausstellung von einem Rahmen­pro­gramm, in dem Experten zum Opern­neubau zu Wort kommen.

Yorck Förster und Andrea Jürges verant­worten die Ausstellung. – Foto © O‑Ton

Das Auto ist in die Jahre gekommen, und die nächste größere Reparatur steht an. Lohnt sich das noch, oder sollte man das Geld nicht doch lieber schon in einen neuen Wagen stecken? Eine schwierige Entscheidung, bei der man das Gefühl nicht loswird, garan­tiert die falsche zu treffen. Und so richtig unwohl fühlt man sich, wenn man die Reparatur trotzdem noch zahlen muss, damit der Wagen fahrbereit bleibt. Eine alltäg­liche Situation, wie sie fast jeder kennt. Wenn man den Maßstab etwas verschiebt, landet man beim Düssel­dorfer Opernhaus.

Ende des 19. Jahrhun­derts als Stadt­theater erbaut, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder­auf­gebaut, ist das Opernhaus an der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf seit 1956 ununter­brochen in Betrieb. Immer mal wieder fielen kostspielige Repara­turen an, der Graben wurde erweitert, einen neuen Probensaal gab es auf dem Dach. Über die Jahre wurden so viele Millionen in ein akustisch wenig reizvolles Gebäude gesteckt. Von außen betrachtet, ein eher unschein­barer Zweckbau, ist das Opernhaus zwischen Hofgarten und Altstadt doch vielen Menschen in Düsseldorf ans Herz gewachsen. Und während sich die Innen­stadt immer wieder erneuert, das Schau­spielhaus in unmit­tel­barer Nähe demnächst wieder in neuem Glanz erwacht, stehen beim Opernhaus die nächsten Repara­turen an.

Erste Stimmen werden laut, die die weitere Existenz des Gebäudes in Frage stellen. Geblendet vom schönen neuen Schein der Elbphil­har­monie, fordert ein Politiker im Sommerloch einen Neubau im Hafen, weitab vom Stadtkern, dafür aber am Rhein gelegen. Der Oberbür­ger­meister, Thomas Geisel, kontert mit einer eigenen Idee. Die „Kultur­meile“ von Königs­allee bis zum Ehrenhof am Rhein müsse ausgebaut werden. Der Stadtrat beauf­tragt den Kultur­re­fe­renten, eine Übersicht über die anste­henden Sanie­rungs­kosten erstellen zu lassen. Das Ergebnis ist erschre­ckend. Um überhaupt den laufenden Betrieb zu gewähr­leisten, ist ein zweistel­liger Millio­nen­betrag erfor­derlich. Für die eigent­liche Sanierung wird ein mittlerer zweistel­liger Millio­nen­betrag zusätzlich geschätzt. Aber: Bei einem Neubau wird es sicher schnell dreistellig.

Vielfalt der Optionen

Damit ist eine Diskussion eröffnet, in der sich schnell die verschie­denen Inter­es­sen­ver­treter zu Wort melden. Die einen haben das wunderbare Filet­stück als Baugrund­stück für wirtschaftlich inter­es­sante Projekte im Blick. Eine Archi­tek­ten­gruppe sucht nach einer Kombi­nation, indem sie anstelle des Opern­hauses einen 140 Meter hohen Turm mit vielfacher Nutzung sieht. Auch wenn vom Erhalt des teilweise denkmal­ge­schützten Gebäudes ernsthaft keiner mehr spricht, gibt es letztlich doch vier Optionen, die im Raum stehen. Die Kernsa­nierung würde ein Stück Geschichte der Stadt bewahren helfen, aller­dings ein höchst mediokres in einem Gebäude, das laut Betreibern längst viel zu klein für einen modernen Opern­be­trieb sei. Ein Neubau an anderer Stelle ersparte zwar mögli­cher­weise eine Interims­spiel­stätte, risse aber die Oper aus der Mitte der Stadt­ge­sell­schaft. Ein Vielzweckturm könne, behaupten poten­zielle Inves­toren, kosten­neutral entstehen – dass die Oper darin schnell ihre Sicht­barkeit verlöre, dürfte ebenso klar sein wie die ästhe­ti­schen Gewinne in der Stadt­ent­wicklung fraglich sind. Bleibt Möglichkeit Nummer vier, zu der sich inzwi­schen auch General­intendant Christoph Meyer bekennt: Ein Neubau an gleicher Stelle, dann aber mit Öffnung zum Hofgarten hin. Das unter­striche auch die Idee des Oberbür­ger­meisters von der „Kultur­meile“. „Ein Opernhaus im Zentrum der Stadt, in dem Künste und das urbane Leben zusam­men­treffen können. Ein Haus, das sich schon durch seine Archi­tektur den Menschen und der Gesell­schaft öffnet. Die Oper der Zukunft als Ort der Parti­zi­pation und der Begegnung unter­schied­lichster Diszi­plinen“, umreißt Meyer seine Vision.

Den wichtigsten Grund­stein für eine sachliche Diskussion hat jetzt die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg selbst gelegt. Vom 3. Mai bis zum 14. Juli ist im Düssel­dorfer Opernhaus die Ausstellung Große Oper – viel Theater? zu erleben, die die Rheinoper vom Deutschen Archi­tek­tur­museum in Frankfurt übernommen hat. Hier haben die Stell­ver­tre­tende Museums­di­rek­torin Andrea Jürges und ihr Co-Kurator Yorck Förster Grund­risse, Fotografien und Basis­fakten von elf Sanie­rungs- und Neubau­pro­jekten von Opern­häusern im Europa der jüngeren Vergan­genheit zusam­men­ge­tragen und in einigen Punkten mitein­ander verglichen. Anhand dieser Beispiele können sich die Düssel­dorfer Bürger bei ihrem nächsten Opern­besuch oder bei spezi­ellen Führungen, zu denen man sich anmelden muss, ein eigenes Bild von den Anfor­de­rungen an eine Oper machen, die zukunfts­ori­en­tiert ausgelegt ist. Heraus­ragend ist hier das Beispiel der Oper in Oslo zu nennen. Ein Gebäude, das an eine Eisscholle erinnert und mehr Begeg­nungs­stätte als geschlos­sener Theater­be­trieb ist. Diesen Blick auf Europa ergänzt die Rheinoper um drei Diskus­si­ons­foren, bei denen Experten aus Europa im Hinblick auf das weitere Geschehen in Düsseldorf zu Wort kommen. „Wir stehen in Düsseldorf vor einer wichtigen kultur­po­li­ti­schen Entscheidung – soll die Oper saniert oder neu gebaut werden? Bei einer solch wichtigen Weichen­stellung halte ich es für geboten, dass wir möglichst viele Perspek­tiven auf dieses Thema beleuchten“, begrüßt Geisel ausdrücklich das kostenlose Infor­ma­ti­ons­an­gebot für die Düssel­dorfer Bürger.

Dass es lokale Tages­zei­tungen gibt, die immer mehr zur Boulevard-Bericht­erstattung neigen, um ihre verblie­benen Leser noch zu halten, ist ein offenes Geheimnis. Umso wichtiger ist es, den Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich fernab jeder Markt­schreierei und möglicher Inter­es­sens­lagen Infor­ma­tionen über Erfor­der­nisse und Perspek­tiven einer Sanierung respektive eines Neubaus zu verschaffen.

Als Christoph Meyer 2009 die Intendanz der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg antrat, wurde er nach eigener Erinnerung mit den Worten „Jetzt hast du ein neues, supertoll renoviertes Düssel­dorfer Opernhaus“ begrüßt. „Nach und nach stellte sich dann halt heraus, was da jetzt gut war an der Sanierung und was nicht“, sagt Meyer heute. Inzwi­schen sitzt er in einem maroden Opernhaus, während seine zweite Spiel­stätte, das Theater Duisburg, unter Wasser steht. Das hatte er sich auch mal anders vorge­stellt. Aber es hilft ja nicht. Der Blick geht nach vorn. „Mein Vertrag geht bis 2024. Wir müssen jetzt vorbe­reiten für die, die nach uns kommen. Und da muss man natürlich jede Sorgfalt anwenden, dass man da dem Nachfolger einen guten Weg bereitet“, sagt er. Zeit genug dafür hat der Intendant. Von der ersten Idee einer Sanierung oder eines Neubaus bis zur Eröff­nungs­auf­führung vergehen durch­schnittlich zwölf­einhalb Jahre, hat Andrea Jürges vom Deutschen Archi­tek­tur­museum gerechnet. Ausrei­chend Zeit also, gelassen nach einer vernünf­tigen Lösung für das Opernhaus der Zukunft in Düsseldorf zu suchen.

Michael S. Zerban

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