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Das Düsseldorfer Balletthaus - Foto © O-Ton

Ulenspiegeltänze – 44 Duos

Die Ballett­freunde der Deutschen Oper am Rhein hatten zu einem Gespräch zwischen Martin Schläpfer und der Chefdra­ma­turgin des Balletts, Anne do Paço, im Düssel­dorfer Balletthaus einge­laden. Neben der Vorstellung zweier Neupro­duk­tionen blieb der Infor­ma­ti­ons­gehalt aller­dings eher spärlich.

Martin Schläpfer zeigt noch zwei Produk­tionen in Düsseldorf. – Foto © Gert Weigelt

Anderthalb Jahre bleibt Martin Schläpfer als Künst­le­ri­scher Direktor dem Ballett am Rhein noch treu, bevor er an der Wiener Staatsoper seine nächste Aufgabe stemmen wird. Heute liegen schon zehn erfolg­reiche Jahre in Düsseldorf und Duisburg zurück, wobei das Publikum die anspruchs­vollen und meist abstrakten Arbeiten Schläpfers mit ungebro­chener Aufge­schlos­senheit akzep­tiert und teilweise geradezu begeistert goutiert. Das gilt auch für Schläpfers jüngste und größte Heraus­for­derung mit Peter Tschai­kowskys Super-Hit Schwa­nensee, den Schläpfer in eine dunkle, alles andere als schwa­nen­weiße Welt tauchte. Dennoch sind alle 26 Auffüh­rungen restlos ausver­kauft, so dass die Choreo­grafie in der nächsten Spielzeit wieder aufge­nommen wird. Außerdem ist Schläpfers Choreo­grafie ab März als DVD erhältlich und eine Fernseh­über­tragung zu Weihnachten hat zusätzlich zu einer ungewöhnlich weiten Verbreitung der Arbeit geführt.

Ob ihm die Erfolge aus seinen Mainzer und Düsseldorf/​Duisburger Jahren in Wien treu bleiben, wird sich zeigen. In einem Choreo­gra­fen­ge­spräch der Ballett­freunde der Deutschen Oper am Rhein mit der leitenden Ballett-Drama­turgin Anna do Paço äußerte sich Schläpfer im Düssel­dorfer Balletthaus zu den Wiener Plänen und den bevor­stehen zwei Urauf­füh­rungen seiner neuen Stücke an der Rheinoper zurück­haltend. Die Wiener Heraus­for­derung nimmt Schläpfer mit großer Gelas­senheit an, hält sich mit konkreten Hinweisen jedoch noch bedeckt. Auf die Frage, ob er sich gerade in Hinsicht auf das Wiener Publikum weitere Handlungs­bal­lette in Anknüpfung an den Schwa­nensee vorstellen könnte, sagt er: „Das kann ich mir schon vorstellen, wenn es um Träume und Seelen­land­schaften geht. Ein Stück wie Proko­fieffs Romeo und Julia inter­es­siert mich dagegen nicht. Einer­seits, weil ich es selbst so oft getanzt habe und anderer­seits wegen des so endgül­tigen und eindeu­tigen Schlusses, mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Strawinskys Petruschka käme meinen Vorstel­lungen schon eher entgegen.“

Und hätte Schläpfers Schwa­nensee in Wien eine Chance? „Der Schwa­nensee steht nicht zur Debatte. In Wien steht noch Nurejews Choreo­grafie hoch im Kurs. Ich werde mit anderen Stücken meinen Weg gehen“, sagt der Choreograf.

Schläpfers Aversion gegen Proko­fieffs populäre Romeo-Version möchte er nicht als Affront gegen den von ihm hoch geschätzten Kompo­nisten verstanden wissen. Denn seiner nächsten eigenen Produktion, den Ulenspie­gel­tänzen, die im Programm b.38 ab Anfang Februar im Theater Duisburg gezeigt werden, liegt Proko­fieffs wenig gespielte siebte Symphonie zugrunde.

Der Wahl des Stücks ging, wie immer bei Schläpfer, eine intensive Ausein­an­der­setzung mit dem Kompo­nisten voraus. Nach seiner Ansicht hört man der Musik an, dass die siebte Symphonie in einer Zeit unter Stalins Damokles­schwert entstanden ist. Zerrissen zwischen den offizi­ellen Forde­rungen des sozia­lis­ti­schen Realismus, eigenen Zweifeln und innerer Ablehnung des Systems. In diesem Kontext ist auch Schläpfers Bild des Ulenspiegel zu sehen, den Schläpfer als hinter­gründige, schil­lernde und bizarr sarkas­tische Figur sieht. Ähnlich wie Daniel Kehlmann in seinem neuen Buch Tyll.

Andere Wege beschreitet Schläpfer mit seinem Ballett 44 Duos, das im Rahmen des Programms b.39 Anfang April im Düssel­dorfer Opernhaus aus der Taufe gehoben wird. 44 kurze, teilweise sehr kurze Duos für zwei Violinen, die Béla Bartók als Übungs­stücke mit fortschrei­tenden Schwie­rig­keits­graden konzi­piert hat und die in ihrer schlichten Knappheit einen denkbar schroffen Kontrast zu Monumen­tal­werken wie dem Schwa­nensee bilden. Gerade von der schlichten Machart der Stücke fühlt sich Schläpfer angezogen, wobei 44 Szenen eine besondere Heraus­for­derung an die Fantasie des Choreo­grafen stellen. Schläpfer nennt es „Rückkehr zum Einfachsten“. Ob und wie die 44 Episoden mitein­ander verbunden werden, darüber brütet Schläpfer noch.

Jeden­falls stehen den Ballett­freunden am Rhein mit den Ulenspie­gel­tänzen und den 44 Duos konzep­tionell sehr unter­schied­liche Werke bevor. Ob die Bewegungs­sprache Schläpfers, die in den letzten Produk­tionen mehr durch Wieder­ho­lungen als durch Neuerungen auffiel, dafür reichen kann, wird sich zeigen. Kritische Nachfragen zu diesem oder anderen Problemen des Balletts am Rhein wurden nicht gestellt. Die Ballett­freunde sehen ihre Aufgabe ohnehin eher in der Unter­stützung der Arbeit des Meisters, weniger in der kriti­schen Hinter­fragung. Auch die Frage, wie es mit dem Ballett nach dem Abgang Schläpfers weiter­gehen wird, spielte an dem Abend keine nennens­werte Bedeutung. Derzeit übernimmt ja bereits Ballett­di­rektor Remus Şucheană etliche Aufgaben des Künst­le­ri­schen Direktors. Die Ballett­freunde freuen sich derweil auf die nächsten Neuschöp­fungen Schläpfers in den verblei­benden anderthalb Spielzeiten.

Pedro Obiera

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