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Jugendsinfonieorchester - Foto © Susanne Diesner

Die schönste Verbindung zwischen Erbe und Zukunft

Vor 35 Jahren übernahm Ernst von Marschall das Jugend­sin­fo­nie­or­chester an der Musik­schule, ging damit vor 18 Jahren an die Tonhalle Düsseldorf und baute die Arbeit konti­nu­ierlich aus. Jetzt geht der Dirigent in den Ruhestand. Und freut sich, dass sein Werk von György Mészáros weiter­ge­führt wird. 

Ernst von Marschall – Foto © Susanne Diesner

Ernst von Marschall hat mit dem Jugend­or­chester-System an der Tonhalle etwas bundesweit Einma­liges geschaffen. Und – das ist genauso wichtig – er hat es 18 Jahre lang gehegt, gepflegt und wachsen lassen. Das ist eine Lebens­leistung. Mit György Mészáros übernimmt ein Künstler dieses System, der im Profi- wie im Nachwuchs-Bereich einen exzel­lenten Ruf genießt. Die Zustimmung während der Auswahl­phase war von allen Seiten so deutlich, dass wir uns ab jetzt auf die neuen Impulse von György Mészáros freuen“, beschreibt Michael Becker, Intendant der Düssel­dorfer Tonhalle, das Ergebnis jahrzehn­te­langer Arbeit.

Angefangen hat es 1989, als Ernst von Marschall an der Clara-Schumann-Musik­schule ein Jugend­sin­fo­nie­or­chester übernahm, das bereits 1967 als eines der ersten Jugend­or­chester Deutsch­lands in sinfo­ni­scher Besetzung von Victor Adams gegründet worden war. Ursprünglich stammt von Marschall aus Unteri­bental im Schwarzwald. Als er nach Freiburg kam, um wie sein Vater Jura zu studieren, nahm er – mehr aus Spaß – an einer Aufnah­me­prüfung an der Musik­hoch­schule teil und wurde angenommen. Also studierte er Violine in Freiburg, wechselte zum Melos-Quartett nach Stuttgart, um sich der Kammer­musik zu widmen, und erlernte schließlich das Dirigieren in Würzburg. „Ich bin offen­sichtlich ein ‚Entwickler-Typ‘, weniger ein ‚Bewahrer‘, und habe gerne in großen Zeitab­schnitten gedacht“, sagt von Marschall über sich selbst. 1995 entwarf er erstmals seine Vision von einem Jugend­sin­fo­nie­or­chester, die er ausgiebig mit dem damaligen Inten­danten der Tonhalle, Freimut Richter-Hansen, disku­tierte. Aber es sollte noch bis 2007, also bis zur Amtsüber­nahme von Michael Becker, dauern, bis seine Vision Wirklichkeit wurde und das Jugend­sin­fo­nie­or­chester an die Tonhalle wechselte. Damit freilich „entstanden große, neue Entwick­lungs­räume, die ich genutzt habe, und wir sehen heute in der Tonhalle ein mindestens europaweit einma­liges System“, blickt von Marschall nicht ohne Stolz auf sein Werk zurück.

Das „System“ ist insofern eindrucksvoll, als es bereits Kinder musika­lisch in einem Kinder­or­chester mit heute rund 50 Mitgliedern einbindet, übergangslos das U16-Orchester anschließt, in dem heute etwa 70 Teilnehmer im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren mitwirken, ehe sie sich durch ein Vorspiel für das eigent­liche Jugend­sin­fo­nie­or­chester bewerben, das derzeit um 100 Musiker im Alter von 15 bis 25 Jahren umfasst. Darunter sind zahlreiche Preis­träger und Bundes­sieger des Wettbe­werbs Jugend musiziert. Wöchent­liche Proben werden ergänzt durch intensive Proben­frei­zeiten in Jugend­her­bergen im Umland. Zusätzlich betreuen Mitglieder der Düssel­dorfer Sympho­niker die einzelnen Orches­ter­gruppen. So erarbeitet das Orchester in der Regel zwei bis drei Sinfo­nie­kon­zert­pro­gramme pro Saison, die in der Tonhalle und auf Orches­ter­reisen zur Aufführung kommen. In guter Erinnerung ist noch der letzte Auftritt in Zusam­men­arbeit mit dem Konzertchor Ratingen, bei dem das Orchester nicht nur glänzen, sondern anschließend auch nach Italien reisen konnte, um sich dort mit dem Brahms-Requiem feiern zu lassen.

35 Jahre Jugend­arbeit, davon 18 Jahre Aufbau­arbeit in der Tonhalle: Irgendwann muss der Staffelstab übergeben werden. Schließlich ist niemand unersetzlich, aber wer eine solche Leistung bringt, bleibt wenigstens in guter Erinnerung. Und je größer die Meriten, wie im Fall des Dirigenten von Marschall, desto schwie­riger ist die Frage der Nachfolge zu lösen.

Einstimmig angenommen

Györgi Mészáros – Foto © Atilla Varga

Anders als in anderen kultu­rellen Insti­tu­tionen der Stadt, wo gern mal „gekungelt“ wird, um „Chefdi­ri­genten“ zu finden, hat die Tonhalle die Position von Ernst von Marschall öffentlich ausge­schrieben. Mehr als 150 Bewer­bungen aus Europa, den USA und Asien wurden nach Angaben der Tonhalle in den vergan­genen Monaten gesichtet. Dreizehn Bewerber wurden zum Vorstel­lungs­ge­spräch einge­laden, fünf von ihnen absol­vierten Probe­dirigate. Das Ergebnis, zu dem neben der Geschäfts­führung der Tonhalle unter anderem auch Mitglieder der Düssel­dorfer Sympho­niker und des Jugend­sin­fo­nie­or­chesters fanden, überzeugt.

„Ich freue mich ganz besonders auf diese ehren­volle Aufgabe, denn meine bisherige Arbeit mit Kinder- und Jugend­or­chestern hat von mir immer die volle Bereit­schaft gefordert, mich musika­lisch-künst­le­risch und pädago­gisch mit allen Facetten des Orches­ter­spiels und des Dirigierens ausein­an­der­zu­setzen. Die Erfahrung ist unver­gesslich, wenn nach langer Proben­arbeit – was bei den Jugend­lichen eine vollständige Aufmerk­samkeit und Anstrengung fordert, wie kaum eine andere Beschäf­tigung – ein Konzert gut gelingt, und sie glücklich von der Bühne kommen“, sagt Györgi Mészáros. Der 40-jährige Pianist und Dirigent ist aktuell Erster Kapell­meister und stell­ver­tre­tender General­mu­sik­di­rektor am Landes­theater Detmold. In der Spielzeit 202122 bekleidete er dort kommis­sa­risch die Position des General­mu­sik­di­rektors. Die Förderung und Ausbildung des musika­li­schen Nachwuchses ist ein wesent­licher Teil seiner bishe­rigen dirigen­ti­schen Tätig­keiten. Neben seinem Lehrauftrag für Orches­ter­leitung an der Hochschule für Musik Detmold leitet er viele Projekte mit Kinder- und Jugend­or­chestern. Zudem ist er als Künst­le­ri­scher Leiter und Dirigent beim Kinder­or­chester NRW im Bereich Planung und Gestaltung der Famili­en­kon­zerte tätig. Bei den Jungen Sinfo­nikern Bielefeld arbeitet er regel­mäßig als Gastdi­rigent. Seine Erfahrung sorgte dafür, dass sich das Auswahl­gremium einstimmig für ihn entschied. Und so wird er seine Stelle in der Tonhalle zum 1. Juli dieses Jahres antreten. „Meine Ziele sind, diese einzig­artig großartige Struktur mit den drei sich ergän­zenden und aufein­ander aufbau­enden Kinder- und Jugend­or­chestern, die Herr von Marschall zusammen mit der Unter­stützung der Tonhalle ausgebaut hat, weiter zu erhalten und zu formen. Ich möchte auch neue künst­le­rische Impulse setzen, um das hohe Niveau zu fördern“, erzählt der Vater dreier Kinder.

Es ist ungewöhnlich, dass jemand, der bereits als General­mu­sik­di­rektor gearbeitet hat, sich noch dermaßen in der Jugend­arbeit engagiert. „Ich denke, an sich ist ein Jugend­or­chester die schönste Verbindung zwischen unserem hochkul­tu­rellen Erbe und der Zukunft, wie wir uns sie wünschen oder vorstellen sollten. Es ist wie die Darstellung eines Janus­ge­sichtes bei den antiken Römern: Ein Gesicht blickt in der Zeit zurück, das andere nach vorne – und deren Verbindung können wir hier und jetzt gestalten und erleben!“, erklärt Mészáros gern, was ihn bewegt.

Und Ernst von Marschall, der Mann, der von sich sagt: „Das JSO ist mein Leben“? Werden seine Schütz­linge ihm künftig auf einer Parkbank im Zoo-Park beim Enten­füttern begegnen? Die Wahrschein­lichkeit geht gegen null. Denn von Marschall kehrt in seine Heimat zurück. Im Unteri­bental im Schwarzwald schließt sich der Kreis. Damit sich neue Kreise öffnen können. Gemeinsam mit seiner Frau Caroliná, die er bereits in Würzburg während des Musik­stu­diums kennen­lernte, hat er schon vor einiger Zeit den Melch­erhof erworben und saniert. In dem Schwarz­waldhaus wird ein neues Kultur­zentrum entstehen. Und muss man es eigentlich erwähnen? Bereits Ende Mai wird dort das Kinder­or­chester der Tonhalle Düsseldorf zu Gast sein.

Michael S. Zerban

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