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Irene Kurka singt im Klangraum - Foto © O-Ton

Sommerfrische für Notenschreiber

Seit 24 Jahren hat Komponist Antoine Beuger im Sommer einen festen Termin. Dann findet im Kunstraum des Düssel­dorfer Salzmannbaus die Konzert­serie Klangraum statt. Von der Öffent­lichkeit kaum beachtet, treffen sich eine Woche lang Kompo­nisten aus aller Herren Länder, um sich gegen­seitig ihre Werke vorzu­stellen. Klar, dass man dazu auch Sänger braucht. Am besten richtig gute.

Antoine Beuger – Foto © O‑Ton

Der versteckt liegende Kunstraum im Düssel­dorfer Salzmannbau irritiert. Denn erst mal sieht hier weder etwas nach Kunst noch nach besonders günstigen Bedin­gungen für die Ausübung von Kunst aus. Ein geweißter Schlauch, dessen Fläche durch Stütz­mauern durch­brochen ist, wirkt weder sonderlich anhei­melnd noch wie für Kunst geschaffen, wenn man vielleicht von Bilder- oder Fotoaus­stel­lungen absieht. Da ist schon die besondere Fantasie des Künstlers gefragt. Wie im Fall von Irene Kurka, die hier den Psalm 104 vorträgt, kompo­niert von Toby Charles Roundell. Sopra­nistin Kurka, die als Spezia­listin für Neue Musik gilt und nach eigenen Angaben bereits an mehr als 210 Urauf­füh­rungen mitge­wirkt hat, sitzt am entfernten Ende des Saals. Beleuchtet von einem Schein­werfer, sitzt sie auf einem Stuhl, eigentlich nur noch als Silhouette erkennbar. Entge­gen­ge­setzt sitzen die etwa 20 Menschen, die der religiösen Kompo­sition ergriffen lauschen. Die Anordnung erlaubt akustisch einen nahezu sakralen Gesang, das Ächzen der Stühle erinnert an das Seufzen eines Chorge­stühls. Das Klappern des Geschirrs, das Geplappere der Menschen auf der Terrasse des unmit­telbar angren­zenden Cafés sowie das Kinder­ge­schrei, das aus der überhitzten Abendluft in den Saal dringt, bilden einen wirksamen Kontrast, der das Überir­dische des Gesangs noch betont.

Das Publikum darf man als besonders fachkundig bezeichnen. Trotzdem applau­dieren die Menschen nicht, die Veran­staltung löst sich einfach auf. Denn die Konzert­serie, an der Kurka und Roundell teilnehmen, ist nichts anderes als eine Abfolge von Arbeits­sit­zungen. 1994 hat Antoine Beuger mit der Eröffnung des Salzmannbaus als kultu­relles Wohn- und Arbeits­zentrum die Konzert­serie Klangraum im Kunstraum einge­führt. Ein Ereignis, das an der Öffent­lichkeit weitgehend vorbeigeht – ganz im Sinne des Kompo­nisten Beuger, der hier ein Treffen inter­na­tio­naler Kompo­nisten etablierte. Fast eine Woche lang kommen hier ehemalige Schüler und Anhänger von Beuger zusammen, um sich gegen­seitig ihre Werke vorzu­stellen. „Ich bin froh, dass das hier im Sommer statt­findet – dann habe ich nämlich den Kunstraum für mich allein“, erzählt der Komponist, der gebürtig aus Oosterhout in den Nieder­landen stammt, in Amsterdam studiert hat und seit langem in Haan, einem Ort nahe Düssel­dorfs, lebt. Zwar seien Gäste immer willkommen, betont Beuger, aber eigentlich gehe es um den Austausch unter den Künstlern.

Zwischen Kontem­plation und Sommerfrische

„Eigentlich ist es hier ähnlich wie im Kloster. Da geht man nicht zum Konzert, sondern man ist dabei, wenn die Mönche oder die Schwestern das machen, was sie eh machen“, beschreibt Beuger das Format. Es gibt in dieser Woche nicht eine einzige Probe, dafür tägliche Begeg­nungen, Gespräche und Erleb­nisse. „Ganz zwanglos werden dadurch die Abend­termine vielleicht eher ein bisschen Konzert­cha­rakter haben, aber dadurch geht der Charakter einer gemeinsam durch­lebten Zeit nicht verloren“, sagt der Flötist, der durch einen Konzert­besuch bei John Cage seinen Weg zur Kompo­sition fand. Und wirklich fühlt man sich schon nach wenigen Minuten in dieser Mischung aus Kontem­plation und Sommer­frische ein wenig der Welt enthoben – aus Sicht der Kompo­nisten vielleicht die beste Möglichkeit, den Geist zu öffnen.

Wichtig ist Beuger, dass die Kompo­nisten im Klangraum nicht unter sich bleiben. Die genre-übergrei­fende Erfahrung bis hin zur bildenden Kunst gehört für ihn mit auf den Stundenplan. Der wechselt zwar nicht in den Programm­punkten, aber in den Terminen. So kann man Irene Kurka bis Sonntag noch täglich hören, immer aber zu verschie­denen Uhrzeiten. Es lohnt sich, auch für Nicht-Komponisten.

Ein weiterer Klangraum ist für die letzte August-Woche vorgesehen.

Michael S. Zerban

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