O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Videobotschaft von George Soros - Foto © Susanne Diesner

Menschenrechte haben einen Preis

Zum dritten Mal wurde in der Tonhalle Düsseldorf der Menschen­rechts­preis verliehen. Man mag über Sinn und Unsinn von Preis­ver­lei­hungen denken, wie man will, die Notwen­digkeit, über Menschen­rechte und andere Werte zu sprechen, ist größer denn je. Und wenn man dazu großbür­ger­lichen Firlefanz braucht, ist das egal. Eine Polemik.

Leon Botstein und Ádám Fischer bei der Preis­übergabe – Foto © Susanne Diesner

Auf der Video­leinwand, die über den Köpfen des Orchesters in der fast vollständig ausver­kauften Düssel­dorfer Tonhalle aufge­hängt ist, ist das Konterfei eines alten Mannes zu sehen. Stümperhaft ist seine kurze Ansprache zusam­men­ge­schnitten, mit der er sich für den Erhalt eines Preises bedankt, den er offenbar nicht kennt, von jemandem, den er ganz offen­sichtlich nicht kennt.

Als kleiner Junge ist George Soros mit seiner Familie vor den Nazis aus Budapest geflohen, wuchs in Amerika auf, absol­vierte eine äußerst erfolg­reiche Karriere als Börsen­spe­kulant und schef­felte Milli­arden. Er gründete, wie es sich gehört, eine Stiftung. Die Open Society Foundation verteilt viele dieser Milli­arden weiter an Menschen und Organi­sa­tionen, die sich für Menschen­rechte und Demokratie weltweit einsetzen. Ein legaler Weg, dem Staat das Geld vorzu­ent­halten und selber zu entscheiden, was damit geschieht. Und hier, wie man, oberflächlich betrachtet, meinen möchte, zu Recht. Denn Soros‘ finan­zi­eller Einsatz für Rede- und Presse­freiheit sowie das Recht auf Bildung weltweit würde wohl von keiner Regierung so geleistet werden.

Ádám Fischer setzt sich mit Vehemenz für Menschen­rechte und gegen Rassismus ein. Als er 2015 zum Chefdi­ri­genten der Tonhalle Düsseldorf berufen wurde, hatte er eine gute PR-Idee. Preis­ver­lei­hungen sind immer eine gute PR-Idee. Medien übernehmen so etwas gern unreflek­tiert, die Ausrichter eines solchen Preises können als Gutmen­schen glänzen, die Empfänger fühlen sich gebauch­pinselt. Bei Fischer musste es ein Menschen­rechts­preis sein. Die Gesell­schaft der Freunde und Förderer der Tonhalle lobten den Preis in unterer fünfstel­liger Höhe aus, Fischer wurde zugestanden, den Preis­träger auszu­wählen. Im ersten Jahr waren es die Ärzte ohne Grenzen, im zweiten Jahr die Bürger von Lesbos. In diesem Jahr benannte er eine Einzel­person. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es meine Verant­wortung und die Verant­wortung von uns allen ist, den weniger Glück­lichen zu helfen“, sagt er bei seiner Laudatio in Bezug auf die eigene Prospe­rität und die seines Auserwählten.

„George Soros ist ein durchaus umstrit­tener Mann. Durch Börsen­ge­schäfte ist er märchenhaft reich geworden. Es gibt nicht wenige Kritiker, die seine Rolle als Spekulant moralisch bedenklich finden“, sagt Fischer vollkommen berechtigt zu Beginn seiner Ansprache. Warum also muss ein diskus­si­ons­wür­diger Mensch den Menschen­rechts­preis der Tonhalle erhalten? Um einen wirtschaftlich erfolg­reichen Landsmann Fischers reinzu­wa­schen? Das Geld kann es sicher nicht gewesen sein. Denn das gibt Soros sofort weiter, wie er in seiner Dankesrede erzählt. An die Stiftung Igazgyongy Alapitvany, die vor allem in den armen Gemeinden Ostun­garns wirkt. Dabei legt sie einen beson­deren Schwer­punkt auf die Unter­stützung von Kindern und Familien. „Ich bewundere besonders das Programm der Stiftung zur Kunst­er­ziehung, das zur Integration der Kinder der Roma-Gemein­schaft beiträgt“, begründet Soros seine Entscheidung.

Eine sicher gute Entscheidung, die vielleicht besser Dirigent Fischer getroffen hätte. Denn dann hätte die ungarische Stiftung nicht nur die vergleichs­weise bescheidene Summe bekommen, sondern sich einen Menschen­rechts­preis auf die Fahnen schreiben können. Und das wäre für die Arbeit der Stiftung sicher ein größerer und nachhal­ti­gerer Gewinn gewesen. Statt­dessen müssen zwei Abgeordnete der Stiftung im Publikum aufstehen, quasi als lebender Beweis, dass es eine solche Stiftung gibt. Es hätte die Organi­sa­toren der Veran­staltung sicher nicht viel mehr Mühe gekostet, die Damen wenigstens auf die Bühne zu bitten, um einen Einblick in ihre Arbeit zu gewähren. Und vielleicht wäre sogar der Eindruck ein bisschen gemildert worden, dass sich hier einfach zwei alte Männer noch einen netten Gefallen tun. Und gleich noch einen dritten mit ins Boot nehmen. Dirigent Leon Botstein bekommt als Mitglied des Stiftungs­rates der Open Society Foundation auch noch Gelegenheit, den Preis­träger zu bejubeln, ehe er den Preis in Form eines buntbe­druckten Pappkartons in Empfang nimmt. Seiner Sache hat der Chefdi­rigent der Tonhalle eher geschadet als genutzt.

Etwas mehr Finger­spit­zen­gefühl zeigt Fischer in der Auswahl des anschlie­ßenden „Menschen­rechts­kon­zertes“, wenn er die Eroica, die dritte Sinfonie Ludwig van Beethovens, auf das Programm setzt. Die zeigt zwar keinen direkten Zusam­menhang mit dem abend­lichen Thema der Menschen­rechte, zieht aber jede Menge Publikum an. Und das ist schließlich das A und O einer PR-Veran­staltung. Die Düssel­dorfer Sympho­niker haben sichtlich Spaß an der ausge­wählten Musik und lassen sich gern von ihrem Dirigenten zu einer furiosen Aufführung verleiten, die bei den Menschen im Saal für helle Begeis­terung sorgt.

Über Menschen­rechte wird an diesem Abend übrigens nicht so viel gesprochen. Ist auch ein eher unerfreu­liches Thema und will nicht so recht zu einer Feier­stunde passen, vor allem, wenn man, wie Ádám Fischer es immerhin im Vorwort des Programm­heftes versucht, den Blick nach Osteuropa lenkt. Oder sich, um nicht mit dem deutschen Finger auf andere zu zeigen, im eigenen Land umblickt. Wenn die Veran­stalter aus ihrer PR-Idee eine ernst­hafte Veran­staltung machen wollen, haben sie in den kommenden Jahren sicher ausrei­chend Gelegenheit dazu. Auch ohne Alte-Männer-Seilschaften zu bedienen.

Michael S. Zerban

Teilen Sie sich mit: