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Junges Theater - Foto © Johann Lambert

Platz für die Freie Szene

Die Landes­haupt­stadt Düsseldorf plant ein neues Produk­ti­ons­zentrum für freie Theater­gruppen – doch die besten Räume bleiben unerreichbar. In einer Infor­ma­ti­ons­ver­an­staltung wurden die Pläne für die ehema­ligen Kammer­spiele in der Jahnstraße vorge­stellt, die seit dem Auszug des Forum Freies Theater leerstehen.

Junges Theater – Foto © Johann Lambert

Die Infover­an­staltung am Montag dieser Woche klang vielver­spre­chend: Der Verein Freie Szene Düsseldorf – Performing Arts und das Kulturamt Düsseldorf präsen­tierten Pläne für ein neues Produk­ti­ons­zentrum in den seit Jahren leerste­henden ehema­ligen Kammer­spielen an der Jahnstraße. 3,2 Millionen Euro Umbau­kosten, 350.000 Euro jährlicher Zuschuss – das Signal scheint klar zu sein.

Doch ein Blick auf die techni­schen Daten ernüchtert: Eine Bühnen­por­talhöhe von knapp drei Metern, eine Bühnen­tiefe von nur sechs Metern. Was für klassi­sches Kammer­spiel ausreicht, wird für zeitge­nös­sische Tanz- und Multi­me­dia­pro­duk­tionen schnell eng. Vergleichbare Bühnen mittlerer Größe bieten bei 200 Sitzplätzen mindestens vier Meter lichte Höhe und eine Grund­ak­ti­ons­fläche von zehn mal acht Metern.

Düsseldorf setzt seit Jahrzehnten auf wenige, gut finan­zierte Zentren: Das Forum Freies Theater, kurz FFT, und das Tanzhaus NRW sind die Leucht­türme der Szene. Daneben existieren nur kleinere Spiel­stätten wie das Wohnzim­mer­theater Theater­fabrik oder Minimal­lö­sungen wie das Theater­labor Traum­ge­sicht. Alle mit denselben Problemen: zu klein, zu niedrig, schlicht ausgestattet.

Dabei stehen in Düsseldorf durchaus geeignete Räume zur Verfügung – oder standen bis vor kurzem. Das Junge Theater des Schau­spiel­hauses zieht im Herbst ins Central um und hinter­lässt an der Münster­straße einen komplett ausge­bauten Theatersaal: sechs Meter lichte Höhe, zehn mal zehn Meter Bühnenraum, jahrzehn­telang bewährte Infra­struktur. Doch diese Räume sollen an das Boule­vard­theater Heiners­dorff gehen – ohne Betei­ligung der freien Szene.

Ähnlich beim Marstall: Das ehemalige Tanzhaus des Ensembles Neuer Tanz soll nach dessen Auflösung zurück an die Verwaltung des Benrather Schlosses gehen. Auch die Räume der Bürger­bühne an der Ronsdorfer Straße sind nach dem Umzug ins Central ungewiss.

Der Grund für die Kammer­spiel-Lösung liegt in der Vergan­genheit: In den 1970-er Jahren schloss die Stadt einen 100-jährigen Pacht­vertrag für das Souterrain in der Jahnstraße ab. Schon 1998, als die privaten Kammer­spiele Insolvenz anmel­deten, wurde für das FFT diese Spiel­stätte umgenutzt. Mit dessen Auszug stehen nun noch rund 50 Jahre Pacht­nutzung an – die wollen gefüllt werden.

Ein Lösungs­vor­schlag

Dabei wäre eine andere Verteilung denkbar: Der deutsch­landweit tätige und erfolg­reiche Privat­thea­ter­un­ter­nehmer René Heiners­dorff könnte die ehema­ligen Kammer­spiele für sein Düssel­dorfer Boule­vard­theater nutzen und mögli­cher­weise die nötigen Umbau­maß­nahmen selbst finan­zieren. Die freie Szene hingegen bekäme Zugang zu den wirklich geeig­neten Räumen – dem ehema­ligen Jungen Theater, dem Marstall oder der Bürgerbühne.

Der Verein Performing Arts wäre mit dem Jungen Theater bestens bedient, und das für die Kammer­spiele Jahnstraße einge­plante Budget reichte aus, um das Theater-Gebäude an der Münster­straße instand zu halten.

Denn es geht um mehr als nur zusätz­liche Probe­räume – davon gibt es in Düsseldorf bereits genug. Was fehlt, sind bezahlbare Auffüh­rungs­mög­lich­keiten jenseits von FFT und Tanzhaus NRW, die durch ihre Kurato­ren­mo­delle zu „closed shops“ geworden sind und nur wenigen Düssel­dorfer Künstlern Produk­ti­ons­mög­lich­keiten und Orte der Sicht­barkeit bieten.

Die Stadt hätte die Chance, alter­native Orte der Sicht­barkeit für freie Theater- und Tanzpro­duk­tionen zu schaffen. Orte, die inter­na­tionale Wettbe­werbs­fä­higkeit ermög­lichen, statt nur den kleinsten gemein­samen Nenner zu bedienen. Die Frage bleibt: Will Düsseldorf wirklich den Spatz in der Hand oder doch lieber die Taube auf dem Dach?

Zur vertie­fenden Hinter­grund­re­cherche sei das Buch Die Bretter, die die Stadt bedeuten von Jens Prüss und Jörg Lensing empfohlen.

Johann Lambert

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