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An den Schwächen wachsen

Es wird mögli­cher­weise die wichtigste Urauf­führung des Jahres in Düsseldorf. Denn Wolfgang Abendroth bündelt künst­le­rische Kräfte aus der Landes­haupt­stadt, um sein erstes abend­fül­lendes Musik­thea­ter­stück zu produ­zieren. In sechs Bildern und einem Prolog geht es um vier Menschen, die eigentlich jeden Grund gehabt hätten, am Leben zu verzweifeln und statt­dessen Größe gezeigt haben. Am 5. November ist die Premiere geplant. Ein Proben­besuch verspricht viel.

Wolfgang Abendroth und Nicola Glück – Foto © Susanne Diesner

Ich hatte vor, ein Stück für das Beethoven-Jubiläum 2020 zu machen. Dabei ist mir das Heili­gen­städter Testament einge­fallen, in dem Beethoven über seine Ertaubung verzweifelt“, erzählt Wolfgang Abendroth über den Beginn eines neuen Projektes für die Johan­nes­kirche in Düsseldorf. Abendroth ist Kantor der Stadt­kirche, die nicht nur der Liturgie dient, sondern regel­mäßig auch Kulturort und Spiel­stätte ist. Und während der Musiker noch über Krank­heiten und andere Lebens­be­hin­de­rungen nachdachte, war ihm bereits klar, dass er keine „Kirchen­musik“ schreiben wollte und dass es ein Stück von Düssel­dorfern für Düssel­dorfer werden sollte. Dann traf er die Schau­spie­lerin Maria Hartmann, und gemeinsam entwi­ckelten sie die Idee weiter. Hartmann schrieb das Libretto. „Was tatsächlich einfach war bei der Kompo­sition, das war, dem Libretto zu folgen“, erinnert sich der Tonsetzer.

Entstanden ist ein Musik­thea­ter­stück in einer Länge von etwa 70 Minuten, das sich aus sechs Bildern und einem Prolog zurück­setzt. Darin geht es um Ludwig van Beethoven, Helen Keller, Helmuth James von Moltke und Nelson Mandela. Andreas Dahmen und Chris­tiane Oxenfort, die Künst­le­ri­schen Leiter des Düsseldorf-Festivals, waren begeistert und erklärten sich mit einer weiteren Kopro­duktion mit der Johan­nes­kirche einver­standen. Damit waren die wichtigsten Voraus­set­zungen geschaffen.

Inzwi­schen laufen die Proben für die Urauf­führung am 5. November auf Hochtouren. Denn Abendroth denkt groß. Als Fundament des Chorwerkes dient das 30-köpfige Düsseldorf-Festival-Orchester, in dem Flötistin Oxenfort ebenfalls vertreten ist. Der Düssel­dorfer Kammerchor und die Johan­ne­s­kan­torei Düsseldorf vermi­schen sich zu einem Haupt- und einem Spielchor. Die Akademie für Chor und Musik­theater an der Johan­nes­kirche stellt den Kinderchor unter Leitung von Justine Wanat. Und für die nötige Bewegung sorgt Choreograf Takao Baba mit vier jungen Tänzern der Jugend­kom­pagnie des Tanzhauses NRW, denen sich der Kinderchor anschließen wird. Wer die Johan­nes­kirche kennt, weiß, dass sie vor allem eines nur in begrenzter Menge zur Verfügung hat, und das ist Platz. Angesichts allein der Perso­nenzahl eine besondere Heraus­for­derung für Regis­seurin Nicola Glück, die hier bereits Nabucco von Giuseppe Verdi und Gustav Holsts Savitri insze­niert hat. „Ich nehme die Kirche als den Kirchenraum, der er ist – natürlich bauen wir einen Sockel und ein Podest rein, damit man was sehen kann – aber ich finde es wichtig, dass die Kirche als Kirche zu erkennen ist. Sie wird nicht zum Theaterraum verzaubert“, erklärt Glück ihren Ansatz. Und so hat sie vor Chor und Orchester nur noch eine kleine Spiel­fläche zur Verfügung, auf der sich Spielchor, Jugend­liche und Solisten tummeln. Die Solisten hat Abendroth klassisch besetzt und eine großartige Besetzung gefunden. Sopra­nistin Theresa Nelles ist ebenso wieder dabei wie die Altistin Franziska Orendi. Als Tenor tritt Christian Sturm auf und als Bass der Mensch, der gerade an allen Bühnen, nicht nur in Düsseldorf, nachge­fragt wird: Tomas Kildišius. Allein die Kostproben, die an diesem Abend zu hören sind, machen einen Besuch der Urauf­führung dringend empfeh­lenswert. Denn Abendroth hat seinen Sängern die Stimmen auf den Leib geschrieben. Da kann Nelles ganz entspannt glänzen, Orendi verleiht dem Raum einen beson­deren Klang, Sturm sorgt für Dramatik, ohne allzu sehr in die Höhen getrieben zu werden, und Kildišius klagt der Welt sein Leid. Das klingt an diesem Abend mehr als vielver­spre­chend. Und das Ergebnis könnte sich noch steigern, denn Abendroth feilt noch intensiv daran, die Energien zu bündeln und die Stimmen feinzu­schleifen. Da wird das Tempo reguliert, ein Vibrato gestrichen und der Einsatz besser einge­passt. Während­dessen läuft ein Außen­be­ob­achter mit Partitur durch die Kirche, kontrol­liert von allen Seiten die Klangwirkung.

Trotzdem wird schon an diesem Abend klar, dass es in der Akustik der Kirche an der Textver­ständ­lichkeit hapern wird. Glück nimmt das in Kauf, weil sie auf die szenische Wirkung setzt, Abendroth akzep­tiert das, weil er sein Bestes gibt und mehr dann irgendwann nicht mehr geht. Beide sind absolut davon überzeugt, dass das so funktio­niert. Zusätz­liche Sicherheit gibt das Programmheft, das das Libretto enthalten wird.

Viele Akteure sind an diesem Abend noch gar nicht anwesend. Hartmann, die die Zwischen­texte spricht, und die jungen Tänzer sind erst später dran. Auch von Kostümen und Licht ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rede. Aber allein das Gezeigte verspricht schon viel für die Urauf­führung und die beiden Folge­ver­an­stal­tungen. Ob das Stück über den Tag hinaus­reicht, wird man dann sehen. Chris­tiane Oxenfort ist sicher eher von Optimismus getrieben, wenn sie davon träumt, dass die Produktion auch an andere Kirchen­ge­meinden verkauft werden kann. Denn der Aufwand, der hier betrieben wird, ist enorm. Umso mehr lohnt es sich, recht­zeitig eine der wenigen Karten zu erwerben, um die Aufführung in der Johan­nes­kirche zu erleben.

Michael S. Zerban

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