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Vor fünf Jahren wurde die Bürgerbühne des Schauspielhauses Düsseldorf unter Leitung von Christoph Seeger-Zurmühlen gegründet. Sie sollte ein – zusätzliches – Bindeglied zwischen Theater und Bürgerschaft werden. Zu Beginn der kommenden Spielzeit ist Schluss damit. Stattdessen wird es dann das Stadt:Kollektiv geben. Bassam Ghazi und Birgit Lengers übernehmen.

Knapp fünf Jahre ist es her, dass Christoph Seeger-Zurmühlen die Bürgerbühne als dritte Sparte des Düsseldorfer Schauspielhauses ins Leben rief. „Menschen aller Altersstufen und Nationalitäten“ sollten sich eingeladen fühlen, „sich auf vielfältige Weise einzubringen, das Theaterspielen auszuprobieren und eigene Geschichten zu erzählen“. Unterschiedlichste Formate an verschiedenen Spielstätten waren geplant. Seeger-Zurmühlen hat nicht nur das geschafft, sondern der Bürgerbühne in den Alten Farbwerken an der Ronsdorfer Straße auch ein Zuhause geschaffen. Eine Probebühne entstand da, die auch geeignet für kleinere Aufführungen war. Wichtig war dem Schauspieler, Regisseur und Festival-Leiter auch immer, keine neue Clique aus Düsseldorfer Laien zu einer Theaterformation zu schmieden, sondern immer neue Bürger zu finden, die mit ihren Geschichten das Theater der Gegenwart neu inspirieren. Und worauf Seeger-Zurmühlen bis heute Wert legt, ist, unter Beibehaltung der schauspielerischen Qualität eine gemeinsame Sprache zu finden. Wer ihm zuhört, wird als größten Ausflug in die Welt der Fremdsprachen das Wort Partizipation erleben. Die allerdings verstand er nicht als „Mitmachtheater für das Publikum“, sondern als echte Integration von Bürgern auf der Bühne, die sich auch erst nach ernsthaften Proben unter professioneller Anleitung präsentieren durften. Das verwirklichte er mit Produktionen seiner Bürgerbühne, die ihm nicht nur viel Beachtung einbrachten, sondern tatsächlich zu einem neuen und realistischen Verständnis von Partizipation beitrugen. Damit ist jetzt Schluss. Pünktlich reichte Seeger-Zurmühlen seine Kündigung beim Schauspielhaus „in bestem Einvernehmen“ ein, wie zu hören ist. In Zukunft will er sich ausschließlich um das Asphalt-Festival, das er mit Bojan Vuletić zu einem der aufregendsten Festivals in Deutschland aufgebaut hat, kümmern. Ein gewagter Schritt in Zeiten der Corona-Krise, weiß doch noch keiner, ob in diesem Jahr überhaupt Theater oder Festivals möglich werden.
Einen gewagten Schritt unternimmt auch das Schauspielhaus unter Leitung von Wilfried Schulz. Es schafft nämlich den Namen Bürgerbühne ab. Abgelöst werden soll er von dem Kunstnamen Stadt:Kollektiv. Begründet wird das mit einer Änderung des Konzepts der Bürgerbühne. Und da kommt man doch recht schnell ins Staunen. „Das Stadt:Kollektiv verbindet gemeinsam mit dem Café Eden das D’haus und Düsseldorf auf besondere und integrative Weise, da es die Menschen der Stadt nicht nur als Publikum, sondern als Akteure anspricht. Es bietet nicht nur Kunst für die Stadt, sondern entwickelt sie gemeinsam mit den Bürgern“, heißt es. Nun, da hat sich im Konzept erst mal null und gar nichts verändert. Das war die Grundidee der Bürgerbühne. Weiter heißt es beim Schauspielhaus: „Das Stadt:Kollektiv bildet Theaterbanden und bringt Menschen unabhängig von Herkunft, von Religion oder Weltanschauung zusammen. Menschen jeden Alters, aller sexuellen Identitäten, Menschen mit und ohne Behinderung, mit viel oder wenig Geld sind angesprochen.“ Auch das ist nichts Neues, aber angesichts der Tatsache, dass das Schauspielhaus mit Gender-Sonderzeichen nur so um sich wirft, um die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben und diese ideologisch zu unterwandern, eine Farce. Was neu ist, wird im folgenden Zitat deutlich. Demnach soll das „neue“ Konstrukt „postmigrantische, postkoloniale, intersektionale und diskriminierungskritische Perspektiven“ bieten. Alles verstanden? Es geht noch besser. Das Stadt:Kollektiv stehe für „ein Theater, in dem Diversität gelebt und Ambiguitätstoleranz trainiert wird“. Ambiguitätstoleranz. Mehr ist zur sprachlichen Entfremdung eines Theaters von seiner Stadt nicht zu sagen.
Und für den, der das nicht versteht – man muss das nicht verstehen – sei gesagt, dass hier ein Konzept der strengsten politischen Korrektheit vorgestellt wird, das nicht nur furchteinflößend, sondern in höchstem Maße gesellschaftsfeindlich ist. Eines wird deutlich: Dieses Theater ist längst nicht mehr für seine Bürger da, sondern lebt ausschließlich in seiner Blase. Damit stellt sich allerdings auch die Existenzfrage. Und die beiden Menschen, die das umsetzen sollen, werden auch gleich vorgestellt. Birgit Lengers ist „Vermittlungskünstlerin, Dramaturgin und Theaterwissenschaftlerin“. Eine Vermittlungskünstlerin ist … gleich was? Sie wird erst in der übernächsten Spielzeit nach Düsseldorf kommen, weil sie vorerst noch in Berlin am Deutschen Theater in der Theaterleitung verpflichtet ist. Von Anfang an dabei sein wird Bassam Ghazi, Regisseur und Theaterpädagoge, der aus Köln kommt. Unklar bleibt bei den Verlautbarungen des Theaters, wie viel Anteil Lengers und Ghazi an diesem „Konzept“ haben, das mit den offenkundig falschen Mitteln weiter in die Stadt hineinwirken will. Was auf der Website des Theaters zu lesen ist, stellt jedenfalls eines klar: Wir wollen mit den Bürgern dieser Stadt eigentlich nichts zu tun haben, sondern ihnen unsere Ideologie oktroyieren. Das Prinzip einer weltoffenen Bürgerbühne ist damit beendet.
Michael S. Zerban