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Dass das Tanzhaus NRW dringend sanierungsbedürftig ist, ist seit längerem bekannt. Der Stadtrat hatte zwischenzeitlich Geld zur Verfügung gestellt, um den tatsächlichen Sanierungsaufwand zu klären. Jetzt haben der Oberbürgermeister und das Tanzhaus der Öffentlichkeit eine Beschlussvorlage für den Stadtrat vorgestellt, nach der das Tanzhaus für die kommenden 30 Jahre aufgestellt werden soll. Für 18,5 Millionen Euro soll es nicht nur eine Sanierung, sondern auch einen Neubau geben.

1998 wurde das Tanzhaus NRW in einem ehemaligen Straßenbahndepot an der Erkrather Straße 30 in Düsseldorf nahe dem Hauptbahnhof eröffnet. Dazu waren im Vorfeld geringstmögliche Mittel aufgewendet worden, um das Gebäude für die neue Nutzung herzurichten. Das war zu diesem Zeitpunkt vermutlich die richtige Entscheidung, weil sich damals mit Sicherheit noch niemand vorstellen konnte, dass sich das Tanzhaus NRW zu einem der renommiertesten Zentren für zeitgenössischen Tanz in Europa entwickeln würde. Seitdem, also seit 22 Jahren, wurde nicht mehr nennenswert in die Bausubstanz investiert.
Vor etwa zwei Jahren schlug Intendantin Bettina Masuch Alarm. Das Wasser lief durch die Decke, die Feuerwehr drohte, das Haus zu schließen, weil es keine seit vielen Jahren vorgeschriebene Schließanlage gab, die von den Brandrettern genutzt werden konnte. Außerdem geraten die Räumlichkeiten aus allen Fugen. Die angeschlossene Akademie ist zum Bersten gewachsen, von ordentlichen Garderoben für die Künstler spricht sowieso schon keiner mehr. Der Mängelkatalog nahm einen Umfang an, der den Spiel- und Ausbildungsbetrieb eigentlich nicht mehr ermöglichte. Im Stadtrat stieß Masuch auf offene Ohren. Gelder wurden bewilligt, um das tatsächliche Ausmaß der Schäden durch Fachleute feststellen zu lassen.
Eigentlich war das schon Grund genug, die Laune Masuchs gewaltig zu verbessern. Aber dann kam der Anruf von Oberbürgermeister Thomas Geisel. Sie solle doch jetzt mal sagen, was man alles machen müsse, um das Tanzhaus für die Zukunft aufzustellen. Solche Anrufe gibt es in der so genannten Freien Szene nicht so oft. Durchaus häufiger sind Bescheide über „dringend notwendige Budgetkürzungen“. Geisels Ansatz ist ein anderer. „Die Modernisierung und Erweiterung des tanzhaus nrw ist für die Kultur in der Landeshauptstadt ein Meilenstein. Denn es geht bei dem Projekt nicht um eine reine Instandsetzung des Gebäudes. Das tanzhaus nrw soll durch die Maßnahmen sein künstlerisches, aber auch wirtschaftliches Potenzial weiter entfalten und steigern können“, sagt er. Mittlerweile sind die Planungen abgeschlossen und werden am 4. Juni der Öffentlichkeit als „Beschlussvorlage für den Stadtrat“ vorgestellt. Es geht also weiter um Wunschdenken, was ja nicht verboten ist. Zumal es wohl bereits eine Teilfinanzierungszusage des Landes Nordrhein-Westfalen gibt.
Vielversprechende Pläne
Die Pläne, die Architekt Joachim Sieber erläutert, klingen vielversprechend. So würde der Verwaltungsanbau, der den hinteren Teil des ehemaligen Straßenbahndepots darstellt und inzwischen wohl nur noch als baufällig zu bezeichnen ist, abgerissen, um einem dreistöckigen Erweiterungsbau Platz zu machen. Auf rund 2.000 Quadratmetern wäre Platz für eine Probebühne und vier weitere Studios, Büros, Garderoben und Unterkünfte für Residenz-Künstler. Damit könnte dann auch die Rolle des Tanzhauses als Produktionsstandort unterstrichen werden. „Sowohl lokale als auch regionale Künstler sollen durch Erweiterung im Bereich der Probebühne verbesserte Arbeitsbedingungen erhalten“, wünscht sich Masuch und weist auch auf die Vorteile für die Düsseldorfer Bürger durch die Erweiterung der Akademie hin. „Durch weitere Tanzstudios der Akademie könnten wir endlich der großen Nachfrage insbesondere bei den Kinderkursen sowie der urbanen Tanz-Szene nachkommen. Und unser Thema der Inklusion würde durchgängig gelebte Wirklichkeit werden, etwa mit einem verstärkten Angebot für Menschen mit Behinderung oder für Senioren.“ Was bei dem von Sieber abgelieferten Entwurf besonders gut gefällt: Hier versucht nicht wieder jemand, besonders „großartige Architektur“ zu schaffen, sondern Sieber hat einen aufgabenorientierten Bau entwickelt, der sich wunderbar in das Gesamtensemble einpasst.
Der Wermutstropfen, an dem die Stadträte schwer schlucken werden, liegt bei den Kosten, die ursprünglich mal mit rund zehn Millionen Euro angedacht waren. Obwohl bei dieser Summe noch nicht die Rede von einem Erweiterungsbau war, sind 19 Millionen Euro, also eine Verdoppelung der Summe, doch noch mal eine andere Hausnummer, selbst wenn das Land rund sechs Millionen Euro als Beteiligung am Erweiterungsbau zugesagt hat. Denn natürlich sind die 19 Millionen erst der Anfangsbetrag auf dem Rechenpapier. Davon entfallen rund 5,7 Millionen Euro auf die Sanierung und zirka 13 Millionen Euro auf den Neubau einschließlich des Abbruchs des Altbestands, der mit etwa einer halben Million Euro zu Buche schlägt.
Schwere Entscheidung
Wenn es nach den Planern ginge, könnte der Bau- und Sanierungsbeginn im Jahr 2022 liegen. Zwei Jahre Bauzeit sind veranschlagt. Zu Baubeginn ist Bettina Masuch nach heutigem Stand der Dinge nicht mehr Intendantin, könnte also die Kontinuität in der Arbeit des Tanzhauses während der Bauphase nicht gewährleisten. Ein Wagnis, das es zu besprechen gilt. Ebenso wie der Umstand, dass es sich hier nicht um ein städtisches Gebäude handelt, sondern dem eingetragenen Verein Tanzhaus NRW im Erbbaurecht übergeben ist, der damit auch Bauherr wäre.
Auf der anderen Straßenseite entsteht derzeit ein neues Stadtviertel. Sicher auch ein Grund, das Tanzhaus, das dann noch sehr viel stärker in die Stadt integriert wird, als es bisher der Fall war, zukunftsfähig zu machen. Den Stadträten allerdings könnten die Köpfe schwirren. Schließlich scheinen derzeit sämtliche Kulturinstitutionen der Stadt nur noch Kosten zu verursachen. Die Sanierung des Schauspielhauses ist noch immer nicht abgeschlossen, ebenso wenig wie die Herrichtung der neuen Spielstätte für das Forum Freies Theater. Welche Kosten das Opernhaus verursachen wird, steht noch in den Sternen, billig wird das sicher nicht.
Da mag eine neue Studie aus Österreich Entscheidungshilfe sein, die einmal mehr belegt, dass über die berühmte Umwegrentabilität für jeden Euro, den die Stadt in Kulturinstitutionen investiert, vier Euro in die Stadt zurückfließen. Von der Leuchtturmfunktion des Tanzhauses NRW ganz zu schweigen.
Michael S. Zerban