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Links ist der Erweiterungsbau zu sehen, rechts das Capitol - Skizze © Sieber Architekten

Man wird ja träumen dürfen

Dass das Tanzhaus NRW dringend sanie­rungs­be­dürftig ist, ist seit längerem bekannt. Der Stadtrat hatte zwischen­zeitlich Geld zur Verfügung gestellt, um den tatsäch­lichen Sanie­rungs­aufwand zu klären. Jetzt haben der Oberbür­ger­meister und das Tanzhaus der Öffent­lichkeit eine Beschluss­vorlage für den Stadtrat vorge­stellt, nach der das Tanzhaus für die kommenden 30 Jahre aufge­stellt werden soll. Für 18,5 Millionen Euro soll es nicht nur eine Sanierung, sondern auch einen Neubau geben.

Johannes Kurschildgen, Joachim Sieber, Thomas Geisel, Hans-Georg Lohe, Bettina Masuch (v.l.n.r.) – Foto © Melanie Zanin

1998 wurde das Tanzhaus NRW in einem ehema­ligen Straßen­bahn­depot an der Erkrather Straße 30 in Düsseldorf nahe dem Haupt­bahnhof eröffnet. Dazu waren im Vorfeld geringst­mög­liche Mittel aufge­wendet worden, um das Gebäude für die neue Nutzung herzu­richten. Das war zu diesem Zeitpunkt vermutlich die richtige Entscheidung, weil sich damals mit Sicherheit noch niemand vorstellen konnte, dass sich das Tanzhaus NRW zu einem der renom­mier­testen Zentren für zeitge­nös­si­schen Tanz in Europa entwi­ckeln würde. Seitdem, also seit 22 Jahren, wurde nicht mehr nennenswert in die Bausub­stanz investiert.

Vor etwa zwei Jahren schlug Inten­dantin Bettina Masuch Alarm. Das Wasser lief durch die Decke, die Feuerwehr drohte, das Haus zu schließen, weil es keine seit vielen Jahren vorge­schriebene Schließ­anlage gab, die von den Brand­rettern genutzt werden konnte. Außerdem geraten die Räumlich­keiten aus allen Fugen. Die angeschlossene Akademie ist zum Bersten gewachsen, von ordent­lichen Garde­roben für die Künstler spricht sowieso schon keiner mehr. Der Mängel­ka­talog nahm einen Umfang an, der den Spiel- und Ausbil­dungs­be­trieb eigentlich nicht mehr ermög­lichte. Im Stadtrat stieß Masuch auf offene Ohren. Gelder wurden bewilligt, um das tatsäch­liche Ausmaß der Schäden durch Fachleute feststellen zu lassen.

Eigentlich war das schon Grund genug, die Laune Masuchs gewaltig zu verbessern. Aber dann kam der Anruf von Oberbür­ger­meister Thomas Geisel. Sie solle doch jetzt mal sagen, was man alles machen müsse, um das Tanzhaus für die Zukunft aufzu­stellen. Solche Anrufe gibt es in der so genannten Freien Szene nicht so oft. Durchaus häufiger sind Bescheide über „dringend notwendige Budget­kür­zungen“. Geisels Ansatz ist ein anderer. „Die Moder­ni­sierung und Erwei­terung des tanzhaus nrw ist für die Kultur in der Landes­haupt­stadt ein Meilen­stein. Denn es geht bei dem Projekt nicht um eine reine Instand­setzung des Gebäudes. Das tanzhaus nrw soll durch die Maßnahmen sein künst­le­ri­sches, aber auch wirtschaft­liches Potenzial weiter entfalten und steigern können“, sagt er. Mittler­weile sind die Planungen abgeschlossen und werden am 4. Juni der Öffent­lichkeit als „Beschluss­vorlage für den Stadtrat“ vorge­stellt. Es geht also weiter um Wunsch­denken, was ja nicht verboten ist. Zumal es wohl bereits eine Teilfi­nan­zie­rungs­zusage des Landes Nordrhein-Westfalen gibt.

Vielver­spre­chende Pläne

Die Pläne, die Architekt Joachim Sieber erläutert, klingen vielver­spre­chend. So würde der Verwal­tungs­anbau, der den hinteren Teil des ehema­ligen Straßen­bahn­depots darstellt und inzwi­schen wohl nur noch als baufällig zu bezeichnen ist, abgerissen, um einem dreistö­ckigen Erwei­te­rungsbau Platz zu machen. Auf rund 2.000 Quadrat­metern wäre Platz für eine Probe­bühne und vier weitere Studios, Büros, Garde­roben und Unter­künfte für Residenz-Künstler. Damit könnte dann auch die Rolle des Tanzhauses als Produk­ti­ons­standort unter­strichen werden. „Sowohl lokale als auch regionale Künstler sollen durch Erwei­terung im Bereich der Probe­bühne verbes­serte Arbeits­be­din­gungen erhalten“, wünscht sich Masuch und weist auch auf die Vorteile für die Düssel­dorfer Bürger durch die Erwei­terung der Akademie hin. „Durch weitere Tanzstudios der Akademie könnten wir endlich der großen Nachfrage insbe­sondere bei den Kinder­kursen sowie der urbanen Tanz-Szene nachkommen. Und unser Thema der Inklusion würde durch­gängig gelebte Wirklichkeit werden, etwa mit einem verstärkten Angebot für Menschen mit Behin­derung oder für Senioren.“ Was bei dem von Sieber abgelie­ferten Entwurf besonders gut gefällt: Hier versucht nicht wieder jemand, besonders „großartige Archi­tektur“ zu schaffen, sondern Sieber hat einen aufga­ben­ori­en­tierten Bau entwi­ckelt, der sich wunderbar in das Gesamt­ensemble einpasst.

Der Wermuts­tropfen, an dem die Stadträte schwer schlucken werden, liegt bei den Kosten, die ursprünglich mal mit rund zehn Millionen Euro angedacht waren. Obwohl bei dieser Summe noch nicht die Rede von einem Erwei­te­rungsbau war, sind 19 Millionen Euro, also eine Verdop­pelung der Summe, doch noch mal eine andere Hausnummer, selbst wenn das Land rund sechs Millionen Euro als Betei­ligung am Erwei­te­rungsbau zugesagt hat. Denn natürlich sind die 19 Millionen erst der Anfangs­betrag auf dem Rechen­papier. Davon entfallen rund 5,7 Millionen Euro auf die Sanierung und zirka 13 Millionen Euro auf den Neubau einschließlich des Abbruchs des Altbe­stands, der mit etwa einer halben Million Euro zu Buche schlägt.

Schwere Entscheidung

Wenn es nach den Planern ginge, könnte der Bau- und Sanie­rungs­beginn im Jahr 2022 liegen. Zwei Jahre Bauzeit sind veran­schlagt. Zu Baubeginn ist Bettina Masuch nach heutigem Stand der Dinge nicht mehr Inten­dantin, könnte also die Konti­nuität in der Arbeit des Tanzhauses während der Bauphase nicht gewähr­leisten. Ein Wagnis, das es zu besprechen gilt. Ebenso wie der Umstand, dass es sich hier nicht um ein städti­sches Gebäude handelt, sondern dem einge­tra­genen Verein Tanzhaus NRW im Erbbau­recht übergeben ist, der damit auch Bauherr wäre.

Auf der anderen Straßen­seite entsteht derzeit ein neues Stadt­viertel. Sicher auch ein Grund, das Tanzhaus, das dann noch sehr viel stärker in die Stadt integriert wird, als es bisher der Fall war, zukunfts­fähig zu machen. Den Stadt­räten aller­dings könnten die Köpfe schwirren. Schließlich scheinen derzeit sämtliche Kultur­in­sti­tu­tionen der Stadt nur noch Kosten zu verur­sachen. Die Sanierung des Schau­spiel­hauses ist noch immer nicht abgeschlossen, ebenso wenig wie die Herrichtung der neuen Spiel­stätte für das Forum Freies Theater. Welche Kosten das Opernhaus verur­sachen wird, steht noch in den Sternen, billig wird das sicher nicht.

Da mag eine neue Studie aus Öster­reich Entschei­dungs­hilfe sein, die einmal mehr belegt, dass über die berühmte Umweg­ren­ta­bi­lität für jeden Euro, den die Stadt in Kultur­in­sti­tu­tionen inves­tiert, vier Euro in die Stadt zurück­fließen. Von der Leucht­turm­funktion des Tanzhauses NRW ganz zu schweigen.

Michael S. Zerban

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