O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Der Krise entgegen

Was passiert, wenn die Kultur­ar­beiter Europas plötzlich erkennen müssen, dass sie nicht ganz so wichtig für das Weltge­schehen sind, wie sie bisher annahmen? In der Pandemie war das der Fall, und es gab nicht wenige, die aus allen Wolken fielen. Mit dem Projekt Viral Visions stellten sich Künstler aus sechs Nationen auf, für die Zukunft der Kultur zu kämpfen und proaktiv nach vorn zu schauen.

Agata Źyczkowska und Karina Szutko – Foto © O‑Ton

Es ziehen dunkle Wolken auf am deutschen Kultur­himmel. Fachleute gehen davon aus, dass die eigent­liche Krise, die aus der Pandemie resul­tiert, erst in der kommenden Spielzeit, spätestens im nächsten Jahr auftreten wird. Dann werden die kommu­nalen Haushalte schmal, und die Förde­rungen, die während der Auftritts­verbote aufgelegt wurden, laufen aus. Paradox genug, dass es da so manchem während oder kurz nach der Pandemie bedingten Einschrän­kungen noch vergleichs­weise gut ging. Beschäf­tigte an öffentlich subven­tio­nierten Bühnen kamen in den Genuss von Kurzar­bei­tergeld – nein, davon wird man nicht reich – zahlreiche Förder­pro­gramme halfen denen, die sich mit den nötigen Anträgen auskannten. Der Begriff Neustart tauchte in der Zeit auf vielen Abend­zetteln auf. Auch auf europäi­scher Ebene gab es solche Programme. So schlossen sich 2021 sechs europäische Partner zusammen, um für das Programm Viral Visions unter dem Thema Dekon­struktion der künst­le­ri­schen Immunität zu arbeiten.

Die Erkenntnis, dass es in einer Krise Wichti­geres gibt, als sich um den Erhalt von Kunst und Kultur zu kümmern, traf viele Kultur­ar­beiter wie ‑inter­es­sierte hart. Die Betei­ligten an dem EU-Projekt wollten sich damit nicht abfinden, sondern in die Zukunft schauen. Sie setzten sich das Ziel, „über Vermitt­lungs­pro­zesse das Bewusstsein für zeitge­nös­sische künst­le­rische Prozesse und neue Formen zu schärfen, wie auch gleich­zeitig das enorme kreative Potenzial eines jeden einzelnen zu erschließen“. Menschen aus Öster­reich, Kroatien, Frank­reich, Italien und Polen schlossen sich zusammen, um gemeinsam daran zu arbeiten. In Deutschland betei­ligte sich Arbeit und Leben NRW, eine Weiter­bil­dungs­ein­richtung des Deutschen Gewerk­schafts­bundes und der Volks­hoch­schulen in Nordrhein-Westfalen, sowie das Theater der Klänge aus Düsseldorf an dem Projekt. Im Sommer dieses Jahres läuft das Programm aus. Zeit zu fragen, was es gebracht hat.

Grund­sätzlich sind solche Gelder immer gut ausge­geben, weil sie dazu beitragen, grenz­über­schreitend Vorur­teile und Begeg­nungs­ängste abzubauen. Also selbst dann, wenn die Ergeb­nisse dünn ausfallen. Im Fall von Viral Visions ist nach Angaben der Projekt­teil­nehmer aller­dings ein ordent­liches Resultat zu verzeichnen. „Gemeinsam haben wir eine Auswahl bewährter Verfahren und Methoden zusam­men­ge­stellt, die zeigen, wie Kunst und kreatives Handeln, Werkzeuge und neue Perspek­tiven für den Aufbau von Resilienz und Innovation bieten können“, heißt es in einer Erklärung. Wobei das Modewort Resilienz nichts anderes als Wider­stands­fä­higkeit bedeutet, also die Kraft, Krisen oder wenigstens Schwie­rig­keiten entge­gen­zu­treten. Es gibt demnach etwas zu feiern, ehe das Projekt endgültig zu Ende geht.

Zum Abschluss die verdiente Party

Pedro Pauwels – Foto © O‑Ton

Im Jungen Schau­spiel an der Münster­straße in Düsseldorf ist eine imposante Bühne aus Marmor-Imitat vor der mäßig besetzten Tribüne aufgebaut, die an ihrer Rückseite eine Projek­ti­ons­fläche bietet. Nach einem Vortrag von Gabriele Schmitt, die Arbeit und Leben NRW bei dem Projekt vertritt, in dem sie auf Entstehung und Verlauf des Projekts zurück­blickt, nutzt Jörg Udo Lensing, künst­le­ri­scher Leiter des Theaters der Klänge, die Gelegenheit, im Schnell­durchlauf über die Arbeiten seines Hauses zu infor­mieren, um auf die heutige Aufführung überzu­leiten. Lensing, einer der bedeu­tendsten Kenner des Bauhauses und seiner Geschichte, kann stundenlang über Walter Gropius und seine Mannen erzählen, ohne auch nur einen Moment zu langweilen. Hier beschränkt er sich auf wenige Minuten, um auf die Figurinen von Oskar Schlemmer zu kommen. In der ersten der drei Kurzprä­sen­ta­tionen des heutigen Abends stellt Jacqueline Fischer, Choreo­grafin des Theaters der Klänge, selbst die Figurine Kugel­hände aus Trias – Das triadische Ballett vor. Das triadische Ballett war nicht nur Schlemmers berühm­testes Bühnenwerk, sondern gehört als experi­men­telles Ballett auch zu den eindrucks­vollsten Arbeiten des Theaters der Klänge. Und Fischer gelingt es schon mit ihrem kurzen Auftritt, für das Thema zu begeistern.

Aus Polen ist Hoteloko Movement Makers Collective zu Gast. Agata Źyczkowska hat die Compagnie in Warschau gegründet. Heute tritt sie mit Karina Szutko auf, um mit Luxa eine Aufführung zu zeigen, die sich mit dem Thema Luxus und Werten ausein­an­der­setzt. Źyczkowska holt Besucher auf die Bühne, nachdem sie und Szutko hinter gold- und silber­far­benen Vorhängen aufge­treten sind, und stellt ihnen eher lustige Entschei­dungs­fragen. Danach werden die Freiwil­ligen etwas ratlos entlassen. Anschließend bringen die beiden Tänze­rinnen die Entweder-oder-Entschei­dungen in einen Kontext, der nachdenklich stimmt. Ebenfalls eine außer­or­dentlich fanta­sie­volle und gelungene Arbeit, die das Publikum ausgiebig applaudiert.

La Galerie Choré­gra­phique aus dem franzö­si­schen Carcas­sonne ist ein inter­na­tio­nales Produk­ti­onsbüro, das sich seit mehr als zwei Jahrzehnten auf den zeitge­nös­si­schen Tanz spezia­li­siert hat. Leiter Thierry Gourmelen schickt Pedro Pauwels, Choreograf und Tänzer, auf die Bühne, der aus seiner Choreo­grafie Playlist zwei Ausschnitte zeigt. Sein Solo zu Eternal Flame aus dem Jahr 1988 faszi­niert und belustigt zugleich. Zumal man bei der Musik eigentlich selbst nicht ruhig sitzen­bleiben kann. Das gilt auch für Évidemment, den Song, den die kanadische Sängerin La Zarra für Frank­reich beim Eurovision Song Contest präsen­tierte. Er kam immerhin auf Platz 16. Hier endet die Choreo­grafie Pauwels damit, dass sich große Teile des Publikums auf der Bühne versammeln, um bei der Party mitzutanzen.

Schöner kann man sich den Ausklang eines Projekts kaum vorstellen. Und so wird der Abend zu einem europäi­schen Fest, das die Utopie von einem grenzen­losen Europa einmal mehr unterstreicht.

Zurück­bleibt von diesem Projekt eine Netzseite, die „Materialien, Sammlungen und Anlei­tungen sowie eine Fülle von Beiträgen zum indivi­du­ellen künst­le­ri­schen Vorgehen“ zur kosten­freien Nutzung zur Verfügung stellt. So soll es sein.

Michael S. Zerban

Teilen Sie sich mit: