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Die Walküren präsentieren sich erstmals in ihren Kostümen. - Foto © O-Ton

Gekonnte Meinungsmache

Große Opern erfordern große Vorbe­reitung. Nicht nur für das Haus, in dem sie statt­finden, hat sich jetzt die Deutsche Oper am Rhein gesagt und zu einer beson­deren Veran­staltung einge­laden. Drei Wochen sind es noch bis zur Premiere der Walküre im Rahmen der Gesamt­in­sze­nierung des Rings des Nibelungen. Zeit, die Multi­pli­ka­toren über das bevor­ste­hende Ereignis zu infor­mieren. Zum Beispiel mit einem perfekten Abend in den Produktionsstätten.

Dietrich W. Hilsdorf, Renate Schmitzer, Dieter Richter und Bernhard F. Loges – Foto © O‑Ton

Diens­tag­abend, 18 Uhr. Zwei gut gefüllte Reise­busse stehen vor dem Düssel­dorfer Opernhaus der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg. Letzte Gäste hasten herbei und steigen zu. Zuletzt entert auch noch ein Kamera-Team des hiesigen öffentlich-recht­lichen Fernseh­senders das voran­ste­hende, luxuriöse Gefährt. Die Organi­sa­toren haben Glück. Mit etwa sieben Grad ist die Tempe­ratur milde, und weit und breit ist kein Regen in Sicht. Eine halbe Stunde wird die Fahrt von der Düssel­dorfer Altstadt zum Produk­tions- und Proben­zentrum Duisburg-Wanhei­merort dauern. Es wird eine kurzweilige halbe Stunde, denn mit an Bord sind jeweils Regisseur Dietrich W. Hilsdorf, Dramaturg Bernhard F. Loges und Intendant Christoph Meyer, die auf den bevor­ste­henden Abend mit Erzäh­lungen einstimmen. Ebenso wie sie gerade, erfahren die Gäste, starten auch die Künstler in den Proben­alltag, nur eben nicht entspannt am frühen Abend, sondern morgens um zehn. Sehr persönlich erzählt Hilsdorf, wie er die Fahrtzeit nutzt. Gern schläft er noch ein Ründchen, schreibt SMS oder E‑Mails an die Familie. Und während er noch von den Sehens­wür­dig­keiten in der Nähe des Produk­ti­ons­zen­trums, ehema­liger Standort einer briti­schen Kaserne, schwärmt – links der Rhein, rechts die Sechs-Seen-Platte – gleitet der Bus sanft durch die Dunkelheit.

Der Ring des Nibelungen gehört zu den teuersten Opern­pro­duk­tionen. Er stellt, ob gerecht­fertigt oder nicht, oft genug die Krönung der Arbeit eines Opern­hauses dar und wird – im Falle seines Erfolges – gern nach dem Regisseur oder dem Dirigenten bezeichnet. Christoph Meyer, Intendant der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg, der in den vergan­genen Jahren viel Zeit in die künst­le­rische Nachwuchs­arbeit inves­tiert hat, ist diesen Höhenflug der Opern­kultur bislang schuldig geblieben. An einem Haus mit tradi­ti­ons­reicher Wagner-Kultur, in einer Landes­haupt­stadt noch dazu, eigentlich ein Unding, wurde da schon gemurrt. Meyer hat seinen Kritikern den Wind aus den Segeln genommen und Dietrich W. Hilsdorf mit seinem bewährten Team die Insze­nierung der Tetra­logie in die Hände gelegt. Der Vorabend des Rhein­goldes hat Fragen aufge­worfen. In knapp drei Wochen geht es ans Einge­machte. Dann findet die Premiere der Walküre statt.

Meyer weiß, dass die „Magie“ einer Wagner-Oper im heutigen Unter­hal­tungs­ma­rathon nicht ausreicht, die Bürger einer Stadt zu begeistern. Auch ein paar Plakate helfen da kaum weiter. Warum also nicht Multi­pli­ka­toren am Entste­hungs­prozess teilhaben lassen, einen Blick hinter die Kulissen erlauben, die sympa­thi­schen Mitstreiter der Öffent­lichkeit aus nächster Nähe vorstellen? Längst bewährte Mittel, die eigentlich kumuliert gehören, um die Wirkung zu potenzieren.

Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer der Oper in der Überzahl, Opernscouts, Journa­listen und ausge­wählte Zeitungs­leser steigen am Produk­tions- und Proben­zentrum im Ruhrgebiet aus den Bussen und betreten das Gebäude. „Echte“ Kritiker sind hartge­sotten, die bleiben einer solchen Veran­staltung fern. Für die zählt das, was auf der Bühne statt­findet. Alles andere zählt nicht. Ob das den heutigen Medien­nut­zungs­ge­wohn­heiten noch gerecht wird, bleibe ebenso dahin­ge­stellt wie die Frage, ob mit einer solchen puris­tisch „künst­le­ri­schen“ Kritik die Gesamt­wirkung eines Opern­abends überhaupt erfasst werden kann.

Der Eingang ist eindrucksvoll flankiert von zwei Feuer­säulen. Die Monta­ge­halle, zentraler Punkt für die Hochzeit des Bühnen­bildes, also der Platz, an dem alle Gewerke zusam­men­finden, ist ein nüchterner, überdi­men­sio­naler Arbeitsort. Nicht so an diesem Abend. An der linken Wand laufen Bilder von Rheingold, Musik dröhnt durch den Saal, in dessen Mitte Stuhl­reihen aus dem Fundus aufgebaut sind. Dahinter gibt es eine Bar. Davor ist eine „Bühne“ aufgebaut. Links Entwurfs­bilder von der Bühne, mittig eine Tafel, auf der alles für eine Party vorbe­reitet ist, rechts davon das Skelett eines Hubschraubers, davor zwei Flügel. Alles profes­sionell ausge­leuchtet. Willkommen im großen Musiktheater.

Premiere für die Kostüme

Nach kurzer Ansprache des Inten­danten übernimmt Loges, designierter Intendant des Landes­theaters Coburg, aber bis dahin offen­kundig enthu­si­as­ti­scher Dramaturg an der Rheinoper, die Moderation. Nach spekta­ku­lärer Präsen­tation der Solisten und vor allem der Walküren – schließlich lautet das Motto des Abends Walkü­renritt – folgen Gespräche mit Dietrich W. Hilsdorf, dem Bühnen­bildner Dieter Richter und der Kostüm­bild­nerin Renate Schmitzer. Ein einge­spieltes Team, das durch Profes­sio­na­lität und nicht das große „Wir-sind-eine-Familie-Spiel“ auffällt. Gründ­liche Recherche und Assoziation stehen für Richter im Vorder­grund, Schmitzer kümmert sich darum, was sich unter den Kostümen abspielt, denn ein Kostüm muss von unten her aufgebaut werden, und Hilsdorf erläutert, dass er unter einem Konzept etwas Erdachtes versteht, das für die Bühne nicht gelte, wo es sich gehöre, das Werk zu verstehen und umzusetzen. Eine schwer nachvoll­ziehbare Abgrenzung, die sich im Auftritt der Walküren auflöst. Die zeigen sich in schwarz­roten Kostümen mit viel Dekolleté, zunächst mit patinierten Mänteln geschützt, ehe sie die leichenhaft geschminkten Statisten unter ihre Fittiche nehmen. So ganz nach einer Feier sieht das noch nicht aus, aber das kann sich ja noch ändern.

Axel Kober, General­mu­sik­di­rektor der Deutschen Oper am Rhein, dirigiert den szeni­schen Auftritt. Und hier wird der Stab nicht für das Publikum geschwungen, sondern als echte Hilfe zuvör­derst für die Sänge­rinnen. Die Korre­pe­ti­toren Cécile Tallec und Jesse Wong spielen souverän und gerade so, als könnten sie die Oper auch am Klavier bestreiten. Wenn es ernst wird, muss Kober zwei Orchester im Griff haben. In Düsseldorf sitzen die Düssel­dorfer Sympho­niker im Graben, in Düsseldorf steht er den Duisburger Philhar­mo­nikern vor. Für das kommende Jahr ist die Aufführung des gesamten Zyklus an beiden Häusern vorgesehen.

Nach der trotz aller akusti­schen Unzuläng­lich­keiten eindrucks­vollen Aufführung des Walkü­ren­rittes haben die Zuschauer die Gelegenheit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen, sich mit Suppe und Getränken zu stärken, ehe sie einen Blick in die Säle der Gewerke werfen können. Allüberall ist Begeis­terung in entspannter Atmosphäre zu bemerken.

Und während die Besucher noch über die impro­vi­sierte Bühne wandeln und fotogra­fieren, beginnen Jesse Wong und Wolfgang Wiechert, die Impro­vi­sa­tionen Max Regers zu Wotans Abschied und Feuer­zauber zu spielen. Großartige Klavier­musik, die auch im allge­meinen Gesprächs­be­dürfnis nicht untergeht. Danach rascher Abschied, um einen Platz in den Bussen zu ergattern. Und der Service endet nicht. Der Busfahrer hält noch an Zwischen­sta­tionen, um den Besuchern einen möglichst angenehmen Heimweg zu garantieren.

Eine rundherum gelungene Veran­staltung, die keine Wünsche offen­lässt. Ein Beispiel, das gerne Schule machen darf. Der Aufwand ist angesichts der bevor­ste­henden Ereig­nisse sicher gerecht­fertigt. Die Spannung, wie die tatsäch­liche Umsetzung auf den Bühnen von Düsseldorf und Duisburg erfolgt, ist spürbar gestiegen. Die Walküre kann kommen.

Michael S. Zerban

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