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Aus den Tanzschuhen an die Kamera

Heide-Marie Härtel gilt als verdienst­volle Beobach­terin und Archi­varin der neueren deutschen Tanzszene. Nun erhält sie vom Dachverband Tanz den einmal jährlich ausge­ru­fenen Deutschen Tanzpreis. Tradi­tionell wird der im Rahmen einer Gala-Veran­staltung im Essener Aalto-Theater überreicht. Ebenso wie die drei Ehren­preise, die in diesem Jahr ebenfalls wieder vergeben wurden.

Heide-Marie Härtel – Foto © Eva Radünzel

Sie war den Tränen nahe, als sie auf der Bühne des Essener Aalto-Theaters den diesjäh­rigen Deutschen Tanzpreis des Dachver­bands Tanz im Rahmen einer dreiein­halb­stün­digen Gala in Händen halten durfte. Für Heide-Marie Härtel eine ungewohnte Perspektive. Denn die letzten 22 Verlei­hungen der bedeu­tendsten deutschen Tanzaus­zeichnung verfolgte sie aus der letzten Reihe des Essener Opern­hauses – und zwar hinter der Kamera. Mit Heide-Marie Härtel wird damit das vielfältige Lebenswerk einer nach den Worten der Lauda­torin Claudia Henne „Tanzbe­ses­senen“ gewürdigt, die, nach den Worten Pier Paolo Pasolinis „den Körper in den Kampf“ werfe.

Eine ihrer größten und wohl nachhal­tigsten Leistungen besteht in dem 2004 von ihr gegrün­deten Deutschen Tanzfilm­in­stitut Bremen, das mit über 40.000 audio­vi­su­ellen Medien die deutsche Tanzge­schichte der letzten Jahrzehnte nahezu lückenlos dokumen­tiert. Von Heide-Marie Härtel gesammelt, bearbeitet und vielfach selbst produ­ziert. Als Tänzerin durch den provo­kanten Choreo­grafen Johann Kresnik in Bremen auf die politische Dimension des Tanzes aufmerksam geworden, vertauschte sie in den 1970-er Jahren die Tanzschuhe mit der Kamera, um mit dem Medium des Films möglichst viele Menschen erreichen zu können. 1979 übernahm sie die Video­b­e­treuung der Tanzab­teilung des Bremer Theaters und des Folkwang-Tanzstudios. Vor allem durch ihre Arbeit mit Folkwang entstand eine enge Zusam­men­arbeit mit Reinhild Hoffmann und Susanne Linke, der allein 2000 Filmpro­duk­tionen zu verdanken sind. Sie und Henrietta Horn ließen es sich nicht nehmen, zur Umrahmung des Festakts aktiv beizu­tragen. Hoffmann erinnerte mit einer neu aufbe­rei­teten Version des Stücks Solo mit Sofa aus dem Jahre 1975 an die erste Filmpro­duktion der Preis­trä­gerin. Diesmal getanzt von Ksenia Ovsyanic vom Berliner Staats­ballett. Die mittler­weile 77-jährige Linke bestand darauf, ihr Solo Écoute … Chopin! selbst zu tanzen und Horn sorgte mit 16 Tänzern des Folkwang-Tanzstudios für einen jugendlich turbu­lenten Abschluss.

Im ersten Teil erinnerten Mitglieder des Stutt­garter und des Aalto-Balletts mit Choreo­grafien von John Cranko und Armen Hakobyan an weitere wichtige Personen und Companies im Schaffen von Härtel. Von ihren über das Filmin­stitut hinaus­ge­henden Verdiensten erzählte Kultur­jour­na­listin Claudia Henne in ihrer Laudatio. Dazu gehören die intensive Arbeit im Auftrag des Goethe-Instituts auf allen Konti­nenten und ihr Einsatz für eine von Respekt getragene Wertschätzung des Tanzes und seiner Interpreten.

Härtel selbst mahnte in ihrer Dankesrede in geradezu beschwö­renden Worten diesen Respekt an, wobei sie „Tanz und Film als Geschwister in der Kunst“ sieht, die den Weg für Neues öffnen können. Nicht zuletzt sieht sie als Filmerin ihre Aufgabe darin, den Tanz in seinen vielfäl­tigen Formen jedermann zugänglich machen zu können und nicht nur den Privi­le­gierten, die das Glück haben, vor Ort dabei sein zu dürfen.

Am gleichen Abend wurden noch drei Ehren­preise vergeben. Auch an Adil Laraki in seiner gewerk­schaftlich aktiven Eigen­schaft als „hervor­ra­gender Interpret des deutschen Rechts – zum Vorteil aller Tänzer“. Womit er sich in seiner Zeit beim Aalto-Ballett nicht nur Freunde machte. Laraki betonte in seiner Dankesrede sein Bemühen um eine „Humani­sierung des Tanzlebens“ und entschul­digte sich bei all jenen, die sein Tun für übertrieben halten und sich darüber ärgern.

Weitere Preise gingen an die auf Krücken angewiesene Perfor­merin Claire Cunningham, die beweist, dass Behin­de­rungen den Körper als Ausdrucks­mittel nicht einschränken müssen, sowie an die Ballett-Pädagogin Ursula Borrmann, die mit ihren vielge­rühmten Methoden allen ihren Schülern vom Kind bis zum Profi den Tanz als natür­liche Lebens­en­ergie vermitteln und „vierjährige Mädchen in Spitzen­schuhen und Tutus“ nicht sehen will.

Der Abend wurde, der Trägerin des Haupt­preises angemessen, mit etlichen Video-Präsen­ta­tionen angerei­chert, nicht zuletzt zur Person Heide-Marie Härtels. Für eine charmante und souveräne Moderation sorgte wie in den letzten Jahren die WDR-Redak­teurin Siham El-Maimouni.

Pedro Obiera

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