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Foto © O-Ton

„Den Körper in den Kampf werfen“

Seit 2018 wird alljährlich im Herbst der Deutsche Tanzpreis in Essen verliehen. Verbunden damit sind drei Ehrungen. Eine Gala-Veran­staltung im Aalto-Theater soll der Auszeichnung den nötigen Glanz verleihen und wird deshalb auch in diesem Jahr trotz verschärfter Corona-Bedin­gungen durch­ge­führt. Der diesjährige Preis­träger ist Choreograf Raimund Hoghe, geehrt werden Choreograf Raphael Hille­brand, Antje Pfundtner in Gesell­schaft und der Tänzer Friedemann Vogel. 

Raimund Hoghe erhält den Deutschen Tanzpreis 2020 – Foto © O‑Ton

Da wähnten sich die Kultur­schaf­fenden jahrelang – zumindest auf niedrigem Niveau – in Sicherheit. Auftritte und Förder­gelder sorgten für ein existenz­fä­higes Einkommen, und seit Jahren steigende Besucher­zahlen erzeugten das Gefühl gesell­schaft­licher Relevanz. Vom Inten­danten mit dem fünfstel­ligen Monats­ein­kommen bis zum selbst­stän­digen Solo-Künstler, der sich mit Honoraren und Projekt­mitteln über Wasser halten konnte, waren die meisten ganz zufrieden. Ja, Ende vergan­genen Jahres hatte es sogar so ausge­sehen, als hätten selbst die Politiker inzwi­schen verstanden, wie wichtig die Kultur für die Gesell­schaft ist, indem Förder­mittel auf breiter Front erhöht wurden. Drei Monate Shutdown reichten, um der Kultur­branche zu zeigen, dass sie im Vergleich zu einem Reise­un­ter­nehmen, das nicht einmal in der Lage ist, einen Monat ohne Umsätze zu überstehen, einen Fliegen­schiss wert ist. Das ist bitter.

Umso wichtiger ist jetzt jedes Signal, das die Kultur­branche setzen kann, um auf ihre Bedeut­samkeit hinzu­weisen. Der Deutsche Tanzpreis ist ein solches Zeichen. Um die nötige Aufmerk­samkeit zu erzeugen, bestanden die Verant­wort­lichen darauf, ihn auch in diesem Jahr im Rahmen einer Gala zu verleihen, egal, welche Einschrän­kungen durch die Corona-Krise hervor­ge­rufen werden würden. Damit nicht genug. Um die Teilnahme an der Feier auch außerhalb des Aalto-Theaters zu ermög­lichen, wird sie zusätzlich per Live-Stream übertragen. Das hat dann zusätzlich den Vorteil, dass man nicht die ganze Zeit mit der Maske im Gesicht vor dem Computer sitzen muss. Ein weiterer Vorteil wird bei der Moderation deutlich.

Mit halbstün­diger Verspätung, die damit begründet wird, dass der Einlass länger dauere als erwartet, eröffnen Marijn Rademaker und Timothy van Poucke vom Het Nationale Ballet aus Amsterdam mit Two and only den Abend, eine Choreo­grafie von Wubkje Kuindersma zur Musik von Michael Benjamin. Bei der Begrüßung beschränkt man sich in diesem Jahr auf eine kurze Dankesrede von Michael Freundt, Geschäfts­führer beim Dachverband Tanz. Der übergibt an Siham El-Maimouni, ihres Zeichens Redak­teurin und Modera­torin beim Westdeut­schen Rundfunk. Klassi­scher Fall von Fehlbe­setzung. Ständig ist von Tänze­rinnen und Choreo­gra­finnen die Rede, und das in einem Bereich, in dem die Gleich­be­rech­tigung nun wirklich weit fortge­schritten ist. Eigentlich sollte man von einem Angestellten des öffentlich-recht­lichen Rundfunks erwarten dürfen, dass er der Regeln der deutschen Sprache mächtig ist. Glücklich, wer da vor dem heimi­schen Computer einfach den Ton abschalten kann.

Da ist der Titel der darauf­fol­genden Choreo­grafie von Raphael Hille­brand ganz passend. Auf meinen Schultern ist eine Ansprache von Hille­brand mit kurzen Tanzein­lagen zur Musik von Eurico Ferreira Mathias, der sie selbst am Cello intoniert. Dazu gibt es hübsche Video­t­ricks. Im Anschluss daran zeigen Tänzer des Aalto-Theater-Balletts Nathalie, eine Arbeit ihres Chefcho­reo­grafen Ben van Cauwen­bergh zur gleich­na­migen Musik von Gilbert Bécaud. Antje Pfundtner hat eigens für den Abend eine kleine, aber flotte Choreo­grafie zur Musik von Sven Kacirek und Niki Woernle geschaffen. Für den Anlass tanzt sie selbst. Mit dem legen­dären Werk von Maurice Béjart zum Bolero von Maurice Ravel schafft Friedemann Vogel mit Tänzern des Stutt­garter Balletts eine großartige Überleitung zum Ehrungsteil des Abends.

Die Richtigen benannt

Siham El-Maimouni versucht, die Gala zu moderieren – Foto © O‑Ton

Einmal im Jahr verleiht der Dachverband Tanz den Deutschen Tanzpreis. Damit verbunden sind drei Ehrungen. Alle vier Auszeich­nungen sind mit Geldpreisen verbunden. Geehrt werden sollen Menschen, die heraus­ra­gende Leistungen in der Welt des Tanzes erbracht haben. In diesem Jahr zum ersten Mal findet ein Vertreter der so genannten urbanen Szene Eingang in die Ehrungen. Raphael Hille­brand erhält eine Ehrung „für seine heraus­ra­genden Arbeiten im urbanen Tanz, auch im Cross-over mit anderen Ästhe­tiken“. Eine Ehrung „für heraus­ra­gende künst­le­rische Entwick­lungen und kollektive Impulse im zeitge­nös­si­schen Tanz“ erhält Antje Pfundtner in Gesell­schaft. Nicht zuletzt geehrt wird Friedemann Vogel, Kammer­tänzer und Erster Solist des Stutt­garter Balletts „als heraus­ra­gender Interpret“.

Vor dem eigent­lichen Höhepunkt der Gala zeigen Lucia Lacarra und Matthew Golding die Choreo­grafie Finding Light von Edwaard Liang zur Musik von Antonio Vivaldi. Eine weitere Zierde des Abends. Dann hält Katja Schneider, Profes­sorin für Tanztheorie an der Hochschule für Musik und Darstel­lende Kunst in Frankfurt am Main, ihre Laudatio zu dem Mann, der den Deutschen Tanzpreis 2020 erhält: Raimund Hoghe. Eines seiner Lieblings­zitate stammt von Pier Pasolini und lautet „Den Körper in den Kampf werfen“. Mit 16 Jahren begann Hoghe ein Volon­tariat, schrieb bedeu­tende Repor­tagen für Die Zeit. Von 1980 bis 1989 arbeitete er als Dramaturg für Pina Bausch, ehe er selbst begann, eigene Werke zu entwi­ckeln. Poetisch-politische Delika­tessen kann man seine Choreo­grafien nennen, die er seit 1992 gemeinsam mit dem bildenden Künstler Luca Giacomo Schulte entwi­ckelt und bis heute auch selbst aufführt.

Nach Dankes­worten eines sichtlich gerührten Raimund Hoghe treten Misako Kato und Hector Ferrer vom Opera Ballet Vlaan­deren mit der Choreo­grafie When I am laid in Earth von Sidi Larbi Cherkaoui nach der gleich­na­migen Musik von Henry Purcell an. Zum Abschluss des Abends zeigt Raimund Hoghe Ausschnitte seines wunder­baren Werks Canzone per Ornella mit Ornella Balestra und Luca Giacomo Schulte.

Die Auswahl der Preis­träger weckt keinen Wider­spruch, der Abend wurde dem Anlass gerecht und wenn im Livestream viele Menschen davon Kenntnis genommen haben, darf der Dachverband Tanz zu Recht von einer – wieder einmal – erfolg­reichen PR-Aktion für den Tanz sprechen. Bedau­erlich, dass die recht aufwändig gefer­tigten Festschriften durch allzu viele Sternchen unleserlich gemacht wurden. Der Deutsche Tanzpreis kommenden Jahres wird am 23. Oktober 2021 verliehen.

Michael S. Zerban

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