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Foto © Raphael Faux

Der Geist Menuhins bleibt spürbar

Mit fast 70 Konzerten in der Zeit vom 13. Juli bis zum 1. September hat sich das Gstaad-Menuhin-Festival zu einem der größten Kultur­er­eig­nisse der Schweiz entwi­ckelt. Das Angebot reicht von inter­es­sierten Laien bis zu großen Namen der inter­na­tio­nalen klassi­schen Musik-Szene. Mittler­weile besuchen mehr als 30.000 Gäste das Festival. Intendant Christoph Müller arbeitet derweil daran, den Prozentsatz der auslän­di­schen Gäste zu erhöhen. 

Hélène Grimaud – Foto © Raphael Faux

Im Berner Oberland in der 1000 Meter gelegenen Umgebung von Gstaad und Saanen präsen­tiert sich die Schweiz so malerisch wie aus einem roman­ti­schen Bilderbuch. Eindrucks­volle Gebirgszüge umhüllen sanfte Täler mit blank­ge­putzten Wiesen und grasenden Kühen. Die Häuser und Kirchen erinnern an Landschaften, wie man sie von Modell­ei­sen­bahnen aus der Kindheit kennt. Ein Kleinod, das bereits den jungen Mendelssohn, der die Region durch­wan­derte, begeis­terte. Kein Wunder, dass Yehudi Menuhin ausge­rechnet in Saanen eine Villa erworben hat und die Gstaadter Region ihn auch musika­lisch befruchtete. Nach einem Gastauf­tritt kam der berühmte Geiger der Bitte des Kurdi­rektors entgegen, den Sommer mit einigen Konzerten zu berei­chern. 1957 wurde zum Geburtsjahr des Gstaad Menuhin Festivals, auch wenn damals von einem aufwän­digen Festival noch nicht die Rede sein konnte. Man begann mit einem einzigen Programm an drei Tagen bescheiden, aber mit Koryphäen wie Benjamin Britten am Klavier und Cembalo, dem Tenor Peter Pears und dem Cellisten Maurice Gendron. Austra­gungsort war die bereits 1228 urkundlich bezeugte Dorfkirche von Saanen in der Nachbar­schaft Gstaads, eine spätgo­tische, 1604 refor­mierte Kapelle mit wunder­schönen Holzma­le­reien und einem holzver­klei­deten Innenraum, der eine fantas­tische Akustik bietet, so dass selbst Auffüh­rungen größer besetzter Werke eine klang­liche Trans­parenz und Natür­lichkeit entfalten können, von denen mancher hochspe­zia­li­sierte Konzertsaal nur träumen kann.

Mittler­weile ist das Festival mit fast 70 Konzerten zu einem der größten Kultur­er­eig­nisse der Schweiz angewachsen. Das Herzstück bildet nach wie vor die Kammer­musik, aber seitdem Menuhin in seinen letzten Jahren mit Vorliebe zum Taktstock griff, hat auch Orches­ter­musik einen festen Platz gefunden, so in diesem Jahr etwa mit einem Brahms-Programm, Richard Strauss‘ Alpen-Sinfonie und sogar mit dem ersten Akt aus der Walküre mit Jonas Kaufmann als Gast.

Auch die Zahl der Spiel­stätten hat sich erweitert. Neben den zentralen Austra­gungs­orten der Saanener Kirche und des Festival-Zelts in Gstaad werden von Jahr zu Jahr mehr Kirchen der Nachbar­ge­meinden einge­bunden. So etwa die zwar kleinen, akustisch jedoch allesamt hervor­ra­genden Gottes­häuser in Zweis­immern und Boltigen. Auch wenn Menuhins Herz vor allem für die Streich­in­stru­mente schlug und sich auch in diesem Jahr die Strei­cher­elite von Sol Gabetta bis Frank Peter Zimmermann hier versammelt, präsen­tieren sich die Beset­zungen in immer bunterer Vielfalt: von beein­dru­ckenden Klavier­abenden mit Daniil Trifonov und Hélène Grimaud bis zu kuriosen Cross-Over-Ensembles um den Klari­net­tisten Andreas Otten­samer, der Mitstreiter auf dem Akkordeon, der Geige und dem Klavier um sich versammelt.

Nicht nur gute Musiker, sondern vor allem gute Menschen

Und der pädago­gische Impuls Menuhins, der nicht nur gute Musiker, sondern vor allem gute Menschen hervor­bringen wollte, schlägt sich in einer beein­dru­ckenden Phalanx von Akademien nieder, in denen inter­es­sierte Laien und vor allem begabte angehende Profis durch ein großzü­giges Netz von Sponsoren nachhaltig gefördert werden. Mittler­weile ist die Zahl der Akademien auf sechs angewachsen: Dazu gehören ein Treffen von Schweizer Amateur­or­chestern, ein Dirigenten-Workshop, Förder­pro­gramme für junge Vokalisten, Pianisten-Kurse unter Leitung von András Schiff, Strei­chern und eine Akademie für Barock­musik. Wichtig ist, dass den angehenden Jung-Profis sämtliche Kosten erstattet werden, also die Teilneh­mer­ge­bühren ebenso wie die Auslagen für Reise und Unterkunft.

Mittler­weile besuchen mehr als 30.000 Musik­freunde die Angebote, darunter zu 60 Prozent Deutsch-Schweizer. Der Anteil auslän­di­scher Gäste, vor allem aus Frank­reich und Deutschland, beläuft sich seit Jahren auf etwa 15 bis 20 Prozent und ließe sich nach Ansicht von Intendant Christoph Müller noch ausbauen.

Auch die Kirche Boltigen ist jetzt Spiel­stätte – Foto © Raphael Faux

Das diesjährige Festival steht unter dem Motto Les Alpes. Ein Thema mit starkem Bezug zur Natur, an der es in der Region nicht mangelt. Zu hören ist unter diesem Aspekt nicht nur die Alpen-Sinfonie, sondern im Abschluss­konzert des Treffens der Amateur­or­chester sogar ein leibhaf­tiges Alphorn. Zugleich ein Thema, von dem sich eine natur­ver­bundene Pianistin wie Hélène Grimaud besonders angezogen fühlt. Die Französin gastiert zum fünften Mal in Gstaad und genießt immer wieder die besondere Aura der idylli­schen Orte. Ihr letztes großes CD-Projekt, Water, passt sich nahtlos dem aktuellen Motto an. Und die Kirche in Saanen ist trotz der extrem heißen Tempe­ra­turen bis auf den letzten Platz gefüllt, als die „Wolfs-Mutter“ den ersten Teil ihres Konzerts mit der anspruchs­vollen und minutiös zusam­men­ge­stellten Sammlung an „Wasser­mu­siken“ von Berio und Takemitsu über Liszt und Ravel bis zu Janáček und Debussy hochkon­zen­triert zelebriert. Mit ihrem diffe­ren­zierten Anschlag, der freilich so viel Energie ausstrahlt, dass die zweite Klavier­sonate von Johannes Brahms nach der Pause deutlich erkennen lässt, dass sich der junge Brahms, ganz anders als der reifere Meister, viel stärker an Liszt orien­tiert hat als man wahrhaben möchte. Schließlich hat Brahms vor seinem nachhal­tigen Besuch bei den Schumanns in Düsseldorf zunächst Liszt in Weimar aufge­sucht und um Protektion gebeten.

Eine Fortführung natur­ori­en­tierter musika­li­scher Projekte zu Themen wie Wind, Wald oder den von Grimaud besonders geliebten und geför­derten Wölfen ist vorerst nicht vorge­sehen. Aber Grimaud ist so flexibel und aufge­schlossen, dass sie in weiterer Zukunft ähnliche Programm­zu­sam­men­stel­lungen nicht ausschließen will.

Die Angebote werden vielfältiger

Zu den promi­nenten Geigern dieses Jahres zählt Isabelle Faust, die in Gstaad bereits mit einer Gesamt­auf­führung aller Violin­so­naten von Ludwig van Beethoven hervor­ge­treten ist. Diesmal trifft sie sich mit Freunden in der Kirche Zweis­immen und zwar mit so vielen, dass man das Konzert mit Franz Schuberts Oktett krönen kann. Ein nicht oft zu hörendes Juwel, das die Geigerin mit ihren Mitstreitern so spiel­freudig zu Gehör bringt, dass der Titel des Abends, Von Volks­liedern und Ländlern bei Schubert punkt­genau getroffen wird.

Der volks­tüm­liche Tonfall des Werks findet in der maleri­schen Kulisse der schmucken Kirche ein optisches Echo. Und auch die in diesem Jahr zum ersten Mal genutzte Kirche in Boltigen trägt wesentlich zur Stimmung eines Konzerts mit dem Klari­net­tisten Andreas Otten­samer bei. Der junge Musiker gehört zu den „Menuhin’s Heritage Artists“, also zu jenem auser­le­senen Kreis hochbe­gabter Nachwuchs­kräfte, die über Jahre dem Festival eng verbunden sind und entspre­chend gefördert werden. Cross the Borders nennt Otten­samer sein flottes und populäres Programm, das er mit so charis­ma­ti­schen Musikern wie dem Geiger Nemanja Radulović, der Pianistin Laure Favre-Kahn und Ksenija Sidorova auf dem Akkordeon gestaltet. Ob die Rumäni­schen Volks­tänze von Béla Bartók oder das Café 1960 von Astor Piazzolla, ob Schost­a­ko­witschs berühmter Valse triste oder Montis Csárdás: Bekannte Stücke in reizvollen Arran­ge­ments werden mit hinrei­ßendem Elan serviert.

Die zentrale Kirche von Saanen ist auch Schau­platz eines Konzerts der russi­schen Sopran­sitin Julia Lezhneva, die vor zwei Jahren in Gstaad für ihre erkrankte Kollegin Diana Damrau einge­sprungen ist und nach diesem erfolg­reichen Debüt gleich wieder nach Gstaad einge­laden wurde. Die Sängerin ist auf dem Weg, sich in die oberste Liga der Kolora­tur­so­prane vom Format Simone Kermes‘ zu schlagen. In Saanen begeistert sie gleich zum Auftakt des Abends mit einer halsbre­che­ri­schen Arie aus Nicola Porporas Oper Siface, die alles an Gesangs­künsten und techni­schen Gemein­heiten enthält, was die barocke Oper zu bieten hat. Der Gesang Lezhnevas gewinnt vor allem in den elegi­schen Gesängen von Graun und Vivaldi erheblich an Ausdrucks­in­ten­sität und diffe­ren­zierter Farbigkeit. Die Künst­lerin ist auf dem richtigen Weg. Zum Erfolg des außer­ge­wöhn­lichen Abends trägt auch das tradi­ti­ons­reiche Basler Kammer­or­chester bei, das sich neben dem Festival-Orchester als ein bewährtes und erstklas­siges zweites orches­trales Standbein des Festivals etabliert hat. Mit welcher Frische und Delika­tesse die Streicher drei kurze Concerti Grossi von Giuseppe Torelli gestalten, das hat inter­na­tio­nales Format.

Im Februar wird das Programm der nächsten Sommer­saison bekannt­ge­geben. Dann beginnt auch der Vorverkauf.

Pedro Obiera

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