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Aerosolausbreitung beim Konzert - Foto © ukh

Keine Sicherheitsbedenken

Bislang steht noch jede Klärung aus, ob der Shutdown und die damit verbundene Anordnung der Schließung von Spiel­stätten rechtens ist. Umso wichtiger scheint jetzt die weitere Ausein­an­der­setzung mit der Sicherheit von Veran­stal­tungs­be­suchen, um im Fall einer gericht­lichen Änderung möglichst schnell wieder in den Spiel­be­trieb gehen zu können. Eine Studie, deren Ergeb­nis­be­kanntgabe im Trubel des Shutdowns beinahe unter­ge­gangen wäre, bietet Hilfen.

Rafael Mikola­jczyk – Foto © ukh

Seit 2008 betreibt Schau­spieler und Komiker Dieter Haller­vorden das Schlosspark-Theater in Berlin-Steglitz. Wie nahezu alle Privat­theater kämpft das Schlosspark-Theater, in dem einst berühmte Schau­spiel­größen auftraten, mit jeder Vorstellung um seine Existenz, aber es kämpft. Neben einer öffent­lichen Förderung schießt Haller­vorden nach eigenen Angaben rund 100.000 Euro jährlich aus eigenen Mitteln zu. Zumindest war das so bis zum 1. November. Seither ist auch das Theater in Steglitz zwangs­ge­schlossen. Der 85-jährige Haller­vorden aller­dings will das nicht hinnehmen und hat am 3. November einen Eilantrag bei Gericht einge­reicht. Er sieht eine Verletzung des Artikels 5, Absatz 3, des Grund­ge­setzes, der die Kunst­freiheit ohne Vorbehalt garan­tiert. Noch Ende dieser Woche wird eine vorläufige Entscheidung erwartet.

Tatsächlich dürfte die Rechtslage längst nicht so eindeutig sein, wie sie von der Bundes­kanz­lerin und den Minis­ter­prä­si­denten der Länder behauptet wird. Evidenz­ba­siert jeden­falls scheinen die Beschlüsse, die Theater, Kinos und Konzertsäle zu schließen, nicht zu sein. In den Monaten zuvor haben die Kultur­spiel­stätten eher das Gegenteil bewiesen. Zum Schluss gar bis zur Selbst­aufgabe, wenn man daran denkt, dass die großen Häuser in München vor 50 Besuchern spielen sollten. Die Sicher­heits­kon­zepte, mit denen die Spiel­stätten ihre Besucher ganz offenbar ausrei­chend schützten, sind hinlänglich bekannt. Die Aussage der Bundes­kanz­lerin, eine Schließung sei notwendig, weil man die „Infek­ti­ons­ketten“ nicht zurück­ver­folgen könne, klingt dabei reichlich dünn, um die Grund­rechte deutscher Bürger zu verletzen. Mit dem Eilantrag Haller­vordens besteht nun berech­tigte Hoffnung auf eine recht­liche Klärung respektive auf eine Initi­al­zündung, von der sich andere Kultur­schaf­fende zum Handeln ermutigt fühlen.

Studie bestätigt Praxis

Aber egal, wie lange der Shutdown dauert, danach muss der Spiel­be­trieb weiter­gehen. Und dann müssen die Häuser begründbare und nicht nur von der Regierung abgenickte Sicher­heits­kon­zepte zeigen, um das Vertrauen ihrer Besucher wieder­her­zu­stellen. Denn die Minis­ter­prä­si­denten der Länder haben mit ihren Schlie­ßungs­be­schlüssen nicht nur nach ihrer Auffassung eine Gefah­ren­quelle beseitigt, sondern gleich­zeitig das Signal gesendet, die Häuser könnten doch nicht so sicher sein, wie es die Zahlen der vergan­genen Monate belegen.

Hilfe kommt von Wissen­schaftlern der Univer­sität Halle. Unter dem Titel Restart-19 haben sie im Sommer in Leipzig ein großes Experiment gestartet, um belastbare Daten über die Durch­führ­barkeit von Großver­an­stal­tungen zu erhalten. Der Musiker Tim Bendzko trat vor rund 1.400 Freiwil­ligen auf, die sich in verschie­denen Konstel­la­tionen vor der Bühne versam­melten. Drei Szenarien galt es zu unter­suchen, bei denen sich jeweils die Abstände der Besucher zuein­ander vergrö­ßerten. Parallel dazu gab es eine Compu­ter­si­mu­lation, in der die Verteilung von Aerosolen bei verschie­denen Lüftungs­kon­zepten aufge­zeigt wurden. „Veran­stal­tungen haben das Potenzial, die Pandemie anzufeuern. Aber wenn Hygie­ne­kon­zepte einge­halten werden, ist das Risiko sehr gering“, nimmt Rafael Mikola­jczyk, Direktor des Instituts für Medizi­nische Epide­mio­logie in Halle, das Ergebnis vorweg. Die Zahlen sind eindrucksvoll. Bei Beachtung eines Mindest­ab­stands von anderthalb Metern nimmt die Zahl der engen Langzeit­kon­takte von über 15 Minuten im Vergleich zum Konzert ohne Mindest­ab­stand um bis zu 96 Prozent ab. Aller­dings sind dann auch erheblich weniger Menschen im Saal.

„Aerosole können bei einer schlechten Belüftung ein erheb­liches Anste­ckungs­risiko darstellen“, sagt Stefan Moritz, Leiter der Infek­tio­logie der Uniklinik Halle. Aber auch der Umkehr­schluss trifft zu, wie die Studie zeigt. Bei Einhaltung des Mindest­ab­standes und einer guten Lüftung ist das Anste­ckungs­risiko um 70 Mal geringer als ohne Hygie­ne­konzept. Ein zusätz­licher positiver Effekt kann durch die Reduktion der Besucher­zahlen erreicht werden. Soweit die Ergeb­nisse der Studie. Man kann also resümieren und nun auch belegen, dass die Spiel­stätten in den vergan­genen Monaten nichts falsch gemacht haben. Dass die Kultur­in­sti­tu­tionen dabei im positiven Sinne über das Ziel hinaus­ge­schossen sind, drücken die Wissen­schaftler in ihren Handlungs­emp­feh­lungen aus: Eine Masken­pflicht und Auffüh­rungen, bei denen die Besucher sitzen, könnten das Anste­ckungs­risiko weiter minimieren. Trotzdem bleiben Fragen offen, etwa über die Sinnhaf­tigkeit des Masken-Einsatzes bei unsach­ge­mäßem Gebrauch. Letztlich zeigt die Studie auch nur einen Ausschnitt einer Aufführung. Da sind die Spiel­stätten längst viel weiter in ihrem Schutz­an­gebot. Hände­des­in­fektion, Einweg­systeme und keine Menschen­an­samm­lungen nach der Aufführung sind, nein, waren obligat. Darüber hinaus bleibt in der Studie auch das Mehrper­sonal unberück­sichtigt. Auch hier waren die Theater und Opern­häuser viel weiter. Sie hatten das Betreu­ungs­per­sonal nahezu verdoppelt, um sicher­zu­stellen, dass die Sicher­heits­kon­zepte einge­halten wurden.

Wissen­schaft und Praxis finden sich also in seltener Einmü­tigkeit. Die Anste­ckungs­raten in den Spiel­stätten belegen die Ergeb­nisse der Studie. Sie sind null. Und das ist verständlich. „Sie glauben doch nicht, dass ich irgendwann lesen will, wir seien ein Hotspot gewesen“, bringt Markus Maczewski, Kantor in Düsseldorf, die Gedanken eines jeden Inten­danten in Deutschland auf den Punkt. Michael Becker, Intendant der Tonhalle Düsseldorf, zog schon mal die Reißleine. Nachdem am Mittwoch vergan­gener Woche seine Infektion bestätigt wurde, wurde der Betrieb sofort herun­ter­ge­fahren. Sämtliche Konzerte vor dem Shutdown wurden abgesagt. So viel Pflicht­be­wusstsein ist schon beängs­tigend. Da könnten sich gewisse Regie­rungs­kreise mögli­cher­weise eine Scheibe abschneiden.

Michael S. Zerban

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