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Hamburgische Staatsoper - Foto © Andreas Praefcke

Ort der Resonanz

Mit einem dreitä­gigen Festival unter dem Titel 3 Tage Wach eröffnet die Staatsoper Hamburg vom 26. bis 28. September 2025 die erste Spielzeit unter Intendant Tobias Kratzer und General­mu­sik­di­rektor Omer Meir Wellber. Damit soll der Beginn einer neuen künst­le­ri­schen Ära markiert werden.

Tobias Kratzer – Foto © Falk Wenzel

Am 27. September bringt die Staatsoper Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri in einer szeni­schen Neudeutung von Tobias Kratzer auf die Bühne, dirigiert von Omer Meir Wellber und mit Vera-Lotte Boecker in der Titel­rolle. Mit dem selten gespielten Werk wollen Kratzer und Wellber ein künst­le­ri­sches Statement setzen, das exempla­risch für ihren gemein­samen Kurs stehe: Gesell­schaftlich relevante Themen, musika­lische Exzellenz, szenische Innovation und ein starkes Ensem­ble­ver­ständnis sollen ihren Ansatz für eine zeitgemäße, lebendige Opern­kultur prägen. Obwohl das Schumannsche Oratorium keine Oper im klassi­schen Sinne ist, hält Kratzer es für eines der zentralen Schlüs­sel­werke des 19. Jahrhun­derts und Schumanns tiefgrün­digstes musik­dra­ma­ti­sches Werk. „Gerade, weil es szenisch so selten zu erleben ist“, erklärt der Intendant, „bietet es enormes Potenzial“. Nach seiner Auffassung stellt es Fragen nach dem ästhe­ti­schen Umgang mit den großen Krisen der Gegenwart: Krieg, Pandemie und Klima­wandel. „Und nach der Rolle der Empathie – im Leben wie in der Kunst“, fügt Kratzer hinzu.

Auch der neue General­mu­sik­di­rektor, Omer Meir Wellber, lädt die Aufführung als idealen Auftakt „für unser fünfjäh­riges Abenteuer“ bedeu­tungs­schwanger auf. Ein Werk von großer Feinheit, voller Wärme und Sensi­bi­lität sei Das Paradies und die Peri. „Schumann in Höchstform: Er fordert Orchester, Chor und Solisten heraus, gemeinsam auf einem schmalen Grat zwischen Zartheit, Schönheit, Dramatik und Virtuo­sität zu atmen und Musik entstehen zu lassen“, schwärmt der Dirigent.

Die Peri, persisch für Fee oder Elfe, Kind eines gefal­lenen Engels und einer Sterb­lichen, versucht Zutritt zum Paradies zu erlangen, von dem sie aufgrund ihrer unreinen Herkunft ausge­schlossen wurde. Ihre ersten beiden Opfer­gaben – der letzte Bluts­tropfen eines tapferen, jungen Freiheits­kämpfers gegen einen Tyrannen und der letzte Seufzer einer in den Armen ihres von der Pest dahin­ge­rafften Geliebten – werden vom himmli­schen Wächter nicht anerkannt. Erst mit den Tränen eines reuigen Verbre­chers beim Anblick eines betenden Knaben, der ihn an die Unschuld der eigenen Kindheit erinnert, erreicht die Peri schließlich ihr Ziel. Zwischen Februar und Juni 1843 kompo­nierte Robert Schumann das etwa 90-minütige Werk, das im Dezember desselben Jahres in Leipzig urauf­ge­führt wurde. Nach anfäng­lichen Erfolgen erfuhr es in den beiden Weltkriegen propa­gan­dis­tische Umdeu­tungen und verschwand anschließend in der Versenkung. Erst seit etwa zwei Jahrzehnten haben sich bedeu­tende Dirigenten wie Nikolaus Harnon­court, Simon Rattle oder John Eliot Gardiner dem Werk wieder gewidmet.

Omer Meir Wellber – Foto © Quincena Musical

Nun also will Kratzer sich einer neuen Deutung zuwenden. In Landshut geboren, studierte er Kunst­ge­schichte in München und Bern und anschließend Schau­spiel- und Musik­thea­ter­regie an der Bayeri­schen Theater­aka­demie August Everding. Heute gilt er als „eines der größten Regie-Talente seiner Generation“. Seine Insze­nierung setzt auf Verdichtung, Perspek­tiv­wechsel und ein kollek­tives Theater­ver­ständnis. Die tradi­tio­nelle Trennung zwischen Bühne und Zuschau­erraum wird aufge­hoben: Eine offene Bühnen­äs­thetik sowie der bewusste Bruch der sogenannten „vierten Wand“ binden das Publikum unmit­telbar in das Geschehen ein. Die Zuschauer werden nicht nur Beobachter, sondern Teil eines emotio­nalen und gedank­lichen Austauschs, der sich von der Bühne in den Raum und zurück erstreckt. Im Zentrum steht nicht nur die einzelne Sololeistung, sondern die Kraft des Kollektivs: Chor, Ensemble und Szene greifen inein­ander und verschmelzen zu einem vielstim­migen, komplexen und leben­digen Theater­körper – ein kollek­tiver Organismus, der gemeinsam erzählt und reflek­tiert. Die gewählte Form des Musik­theaters versteht Kratzer als eine politische Praxis. „Die Peri zeigt, wie Kunst im unmit­tel­baren, gemein­samen Erleben Empathie stiften kann – nicht nur für Einzel­schicksale, sondern auch für gesell­schaft­liche Zusam­men­hänge.“ Theater sei kein Ort der Lösungen, sondern der Resonanz – und gerade darin liege seine Kraft, ist sich Kratzer sicher.

Die Premiere wird live auf Arte im Stream gezeigt und im NDR-Hörfunk übertragen. Es klingt tatsächlich so, als könne der Niedergang der Hambur­gi­schen Staatsoper, der in den vergan­genen Jahren immer lauter berufen wurde, nun sein Ende finden könnte. Dafür will der neue Intendant nicht nur mit spekta­ku­lären Insze­nie­rungen, sondern auch mit der Erschließung neuer Zielgruppen sorgen. Wie ernst es ihm damit ist, zeigt das Eröff­nungs­fes­tival am 28. September. Dann wird Die Gänsemagd von Iris ter Schip­horst gezeigt, ebenfalls in einer Insze­nierung von Kratzer und unter musika­li­scher Leitung von Claudia Chan. Das Libretto stammt von Helga Utz nach dem gleich­na­migen Märchen der Gebrüder Grimm. „Kinder- und Jugend­stücke sind an der Staatsoper Hamburg gleich­wer­tiger Bestandteil des Reper­toires“ lautet das Zeichen, das der Intendant damit setzen will. Und ja, er spricht über das Stück, aber wenn er es ernst meint, sollte es nicht nur für die erste Spielzeit gelten: „Wir wollen eine magische Welt schaffen, die dem Erleben von Kindern gerecht wird – wie in einem Zirkus, nur dass hier Musik, Stimme und Emotionen direkt treffen.“

Michael S. Zerban

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