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Foto © Matthias Plander

Die Hamburger Sieben

Hamburg verfügt über annähernd 40 Museen. Die Palette reicht von der Kunst­halle über die Deich­tor­hallen bis zum Museum für Kunst und Gewerbe und zur Ballin­stadt, dem Auswan­de­rer­museum. Eine Preziose in dieser Palette, das seit einem Jahrzehnt bestehende Kompo­nis­ten­Quartier, ist selbst vielen kultu­raf­finen Hamburgern nicht bekannt. Dabei ist sie wie in Märchen­er­zäh­lungen mit den Schätzen zu vergleichen, die man einfach nur heben muss.

Foto © O‑Ton

Die Peter­straße in der Neustadt. In fußläu­figer Entfernung vom Hamburger Michel. Nach dem Krieg neu errichtete, histo­ri­sie­rende Bürger­häuser. Einige Gebäude sind im histo­ri­schen Stil erhalten. Das Ambiente erlaubt eine Vorstellung vom Stadtbild der Hanse­stadt im 19. Jahrhundert. Kopfstein­pflaster läuft auf ein Eckge­bäude zu. Das denkmal­ge­schützte Kontorhaus stammt aus dem Jahr 1751.Dessen großzügige Fenster in Parterre geben den Blick in merkwürdig inein­ander geschach­telte Räume frei, die sich über zwei Geschosse ziehen.

Hier, in diesem Viertel mit seiner eigen­ar­tigen Atmosphäre, in diesem Haus der archi­tek­to­ni­schen Überra­schungen, befindet sich das Kompo­nis­ten­Quartier. Es ist die museale Heimat von sechs Kompo­nisten und einer Kompo­nistin, die Hamburg biogra­fisch und künst­le­risch besonders verbunden sind. Die die Musik­ge­schichte der Hanse­stadt über eine Spanne von mehr als 200 Jahren spiegeln.

Bürger­schaft­liches Engagement

Das KQ, wie Förderer und Einge­weihte diesen kultu­rellen Lehr- und Lernort der Stadt mit liebe­vollem Stolz zu bezeichnen pflegen, ist – im Vokabular der Gegenwart – ein Vorzei­ge­projekt der Zivil­ge­sell­schaft. „Wie sein Standort“, sagt Friederike von Cossel, die Geschäfts­füh­rerin des Museums, „ist das KQ eine besondere Adresse. Hier lässt sich das für Hamburg typische bürger­schaft­liche Engagement antreffen und die Geschichte der Stadt ein wenig spüren.“

Das seit 2014 bestehende, 2018 zum Teil neu gestaltete Museum, initiiert von privaten Stiftungen, finan­ziell gefördert von Hamburger Unter­nehmen sowie der Hanse­stadt, wird von Gesell­schaften und Vereinen betreut, die sich den im KQ präsen­tierten Künstlern verpflichtet fühlen. Und, wie von Cossel ergänzt, „von zahlreichen Ehren­amt­lichen unter­stützt, die den eigent­lichen Museums­be­trieb gewährleisten“.

Nicht nur die Innen­ar­chi­tektur – ein Ensemble inein­ander überge­hender Einzel­museen – erscheint einmalig. Auch die KQ-Konzeption dürfte singulär sein. Unter­scheidet sie sich doch signi­fikant vom Beetho­venhaus in Bonn, dem Mozarthaus in Salzburg und dem Puccini-Museum in Torre del Lago. Von exempla­ri­schen Erinne­rungs­orten also, die jeweils einem einzigen Kompo­nisten gewidmet sind. Das KQ stellt in Dauer­aus­stel­lungen eine Gruppe von Künstlern vor, denen zumindest ein Merkmal gemeinsam ist, der Bezug zur Hanse­stadt. Sie stehen für Hamburgs Bedeutung als Hochburg von Musik­kultur vom Barock bis in die Moderne.

Die Auswahl ist illuster. Sie reicht von Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Adolf Hasse für das 18. Jahrhundert, über Felix und Fanny Mendelssohn sowie Johannes Brahms, die das 19. Jahrhundert reprä­sen­tieren, bis zu Gustav Mahler. Der aus Böhmen stammende Komponist kommt als 31-Jähriger zum Hamburger Stadt­theater und ist als Dirigent in den Jahren 1891 bis 1897 Stadt­ge­spräch, ehe er an die Wiener Hofoper wechselt.

Sprung­brett zu einer Karriere

„Mahler“, betont Albrecht-Johannes Schultze, Vorstands­mit­glied der Gustav-Mahler-Verei­nigung, „ist im Kompo­nis­ten­Quartier der Vertreter der Moderne. Für ihn bedeutet Hamburg das Sprung­brett zu einer Karriere von Weltgeltung als Dirigent. Ebenso zu erster inter­na­tio­naler Aufmerk­samkeit für ihn als Komponist.“ Die Ausstellung im KQ beleuchte Mahlers Hamburger Jahre in vielen Details. „Sie geht aber auch auf seine Zeit in Wien und New York ein.“

In den Lebens­läufen und Künst­ler­bio­grafien der „Hamburger Sieben“ ist die Hanse- und Hafen­stadt auf höchst unter­schied­liche Weise prägend. So für den Berge­dorfer Hasse. 1717 tritt er als junger Tenor in Oratorien auf, sammelt in der Oper am Gänse­markt erste Erfah­rungen mit dem Betrieb eines Musik­theaters und steigt danach mit Stationen in Neapel, Venedig, Dresden zu einem der bedeu­tendsten Kompo­nisten von italie­ni­schen Opern auf. Für ihn ist Hamburg ähnlich wie für Mahler eine wesent­liche, wenn auch vergleichs­weise kurze Etappe. Und ein Ausgangs­punkt in die Zukunft.

„Die Beson­derheit der Hasse-Ausstellung im KQ“, erläutert Wolfgang Hochstein, Vorsit­zender der Hasse-Gesell­schaft Bergedorf „liegt darin, dass wir versucht haben, die europäische, die inter­na­tionale Bedeutung und Rezeption des Kompo­nisten deutlich zu machen.“ Weitere Inhalte der Präsen­tation Hasses im KQ, ergänzt Hochstein, „fokus­sieren auf das Dramma per musica, die seinerzeit führende musika­lische Gattung, deren heraus­ra­gender Reprä­sentant Johann Adolf Hasse im mittleren Drittel des 18. Jahrhun­derts war“.

Die Geschwister Felix und Fanny Mendelssohn verleben ihre Kindheit unweit der Michae­lis­kirche. Klavier­un­ter­richt, den die Mutter beiden gibt, und erste auffüh­rungs­reife Kompo­si­tionen deuten bereits vor dem Wechsel der Familie 1811 nach Berlin den künftigen künst­le­ri­schen Aufstieg an. Er führt Felix und Fanny, später verhei­ratete Hensel, nach Berlin, Felix danach nach Düsseldorf und Leipzig.

Ähnlich verhält es sich mit Brahms, der als junger Klavier- und Harmo­ni­um­spieler sowie Arrangeur Aufsehen erregt. Der 1862, knapp 30 Jahre nach seiner Geburt im Hamburger Gänge­viertel, nach Wien übersiedelt, nachdem ihm in seiner Heimat­stadt weder die Position des Leiters der Singaka­demie noch die eines Dirigenten des Philhar­mo­ni­schen Orchesters angeboten wird. Die Brahms-Ausstellung im KQ leuchtet insbe­sondere seinen Austausch mit bedeu­tenden Künstlern wie Joseph Joachim, Franz Liszt sowie Robert und Clara Schumann aus, die für seine Entwicklung als Komponist in seinen späten Hamburger Jahren entscheidend sind.

Telemann ist gleichsam der Nestor der „Hamburger Sieben“. 46 Jahre prägt er das Musik­leben an der Elbe. Bei seinem Amtsan­tritt 1721 als Kantor des Johan­neums und Musik­di­rektor der fünf Haupt­kirchen gilt er bereits als einer der berühm­testen Kompo­nisten in Europa. Mit Schöp­fungen für das damalige Opernhaus am Gänse­markt und lokal­pa­trio­ti­schen Werken wie der Suite Hamburger Ebb‘ und Fluth wirkt er auf seine Zeitge­nossen und auch heute noch wie ein Hauskom­ponist der Stadt.

In den Fußstapfen Telemanns

Foto © O‑Ton

In die Fußstapfen Telemanns – sozusagen eine Hamburger Stafet­ten­übergabe – tritt Carl Philipp Emanuel Bach als Kantor und Musik­di­rektor. Nach einer fast 30 Jahre währenden Tätigkeit als Kammer­cem­balist am Hof Fried­richs II. spielt der zweite Sohn des berühmten Vaters von 1768 bis 1788 eine hervor­ste­chende Rolle in der Hamburger Musik­szene, zum Teil mit öffent­lichen Konzerten. Die dem Cemba­lo­vir­tuosen gewidmete Schau im KQ vermittelt eine stili­sierte Vorstellung von Bachs Wohnung, zu der zahlreiche Freunde sowie die Spitzen von Kultur, Wissen­schaft und Handel pilgerten.

Die damalige Entscheidung für die „Hamburger Sieben“ ist ein Kompromiss, der Debatten um Anwart­schaften, Gender­aspekte und die Berück­sich­tigung anderer Künstler mit Bezug zu Hamburg voraus­gehen. Wer von außen auf Hamburger Namen wie Reinhard Keiser oder Johann Mattheson verweist, trifft im Kreis der betei­ligten Gesell­schaften auf Sympa­thien. Genannt werden dort auch Namen wie der von Paul Dessau, 1894 in Hamburg geboren, oder der von Louise Caroline Reichardt, die von 1809 bis zu ihrem Tod 1826 als Musik­päd­agogin und Kompo­nistin in Hamburg Neuland betritt.

Schultze verweist auf Sonder­aus­stel­lungen, um weiteren Kompo­nisten mit Verbin­dungen zu Hamburg saisonal Aufmerk­samkeit zu verschaffen. So werde aktuell in der Brahms-Ausstellung über die Hamburger Jahre von György Ligeti infor­miert, von 1973 bis 1989 Professor für Kompo­sition an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater.

„Kennzeichnend für das KQ“, erläutert von Cossel, „ist eine Balance zwischen aufschluss­reichen Ausstel­lungs­stücken und einer Vielzahl medial aufbe­rei­teter Infor­ma­tionen.“ Das KQ-Inventar umfasst die klassi­schen Exponate des Museums. Stell­wände, Vitrinen, Displays, Plakate, Abbil­dungen, Bücher, Noten­drucke, originale Libretti, Entwürfe von Bühnen­bildern und Kostümen. Vor dem Mahler-Museum zieht ein sportlich anmutendes Fahrrad Blicke an. Es entspricht dem Typ, den der Komponist in seinen Hamburger Jahren favori­siert. Im Innenhof in direkter Sicht­linie aus den Museums­räumen sind Dahlien und eine Päonie zu beobachten, die zweimal im Jahr blühen. Die Spezies sind nach Telemann benannt.

Selbst­spie­lendes Klavier

Tonträger und technisch aufbe­reitete Zugänge zu ausge­wählten Kompo­si­tionen spielen eine wesent­liche Rolle. Hörsta­tionen beispiels­weise im Bach-Museum bieten Besuchern die Gelegenheit, sich in die Eigenart seiner Werke zu vertiefen. Allein mit der Rezeption aller präsen­tierten Musik­bei­spiele ließe sich mühelos nahezu ein 24-Stunden-Tag füllen. Ihren Vorzug sieht die Geschäfts­füh­rerin darin, „dass sie auch unabhängig vom textlich vermit­telten Wissen einen Besuch lohnend machen“.

Musik­in­stru­mente aus der im KQ präsen­tierten Epoche bilden nahelie­gen­der­weise einen beson­deren Reiz. Zu sehen sind ein Friderici-Clavichord, Lieblings­in­strument von Bach, ein Hitchcock-Spinett von 1730 im Telemann-Museum und ein von einer Hamburger Piano­ma­nu­faktur 1859 gebautes Tafel­klavier. An ihm erteilte Brahms Unter­richt. Das Highlight ist das selbst­spie­lende Welte-Steinway-Klavier im Mahler-Museum. „Es bringt“ verrät Schultze, „eine Original-Einspielung Mahlers zu Gehör.“

Rund 1000 Besucher pro Monat zählt das KQ laut von Cossel. Eine Marke, die in den nächsten Jahren gesteigert werden soll. Die Aussichten dafür stehen nicht schlecht.

Ralf Siepmann

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