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Alter Saal im Theater Heidelberg - Foto © Wächter & Wächter

Erfolgreicher Nachwuchs

Das Kunstlied erfreut sich bei Freunden des klassi­schen Gesangs nach wie vor größter Beliebtheit. Es braucht also Nachwuchs, und der kann sich bei dem Wettbewerb Das Lied in Heidelberg beweisen. In drei Runden gilt es, mit Liedern von Schumann, Schubert, Reimann und Ullmann einer inter­na­tional besetzten Jury zu gefallen. Wie so oft bei Gesangs­wett­be­werben überrascht auch in Heidelberg die Jury das Publikum mit ihren Entscheidungen.

Yuhao Guo erhält den Preis als bester Pianist. – Foto © Martin Walz

Das Kultur­pro­gramm Heidel­berger Frühling, das ganzjährige Festivals, Konzert­reihen, Konfe­renzen, Meister­klassen und Förder­pro­gramme für junge Künstler veran­staltet, beinhaltet auch Wettbe­werbe. So auch den Heidel­berger-Frühling-Wettbewerb Das Lied, der alle zwei Jahre abgehalten wird und zu dem sich 131 junge Liedsänger aus der ganzen Welt angemeldet haben. Thomas Quasthoff hatte Das Lied bereits 2009 in Berlin gegründet und 2017 nach Heidelberg verlegt. 27 zugelassene Duos kommen aus 20 verschie­denen Nationen von fünf Konti­nenten in die Stadt am Neckar, sie haben sich aufgrund von vorher einge­sandten Videos für den Wettbewerb quali­fi­zieren müssen. Mit Liedern von Franz Schubert, Viktor Ullmann und Aribert Reimann geht am 1. März die erste Runde über die Bühne. Für das Semifinale am 3. März quali­fi­zieren sich vierzehn Duos, das Finale am 5. März erreichen sieben von ihnen.

Eine hochka­rätige Jury hat sich um Thomas Quasthoff, den Vorsit­zenden des Wettbe­werbs, einge­funden und bewertet die jungen Sänger nach einem Punkte­system von eins bis fünf in den Kategorien Stimm­qua­lität, techni­sches Können, musika­lische Gestaltung, Diktion und Ausstrahlung. In der Jury sitzen neben Quasthoff: Liedpianist James Baillieu, Sopra­nistin Juliane Banse, Mezzo­so­pra­nistin Bernarda Fink, John Gilhooly, Direktor der Wigmore Hall in London, Künst­ler­agentin Helga Machreich-Unter­zaucher, Richard Stokes, der als Professor für Kunstlied an der Royal Academy of Music in London lehrt, James Taylor als Professor für Gesangs­praxis an der Yale University, USA, und der Liedpianist Justus Zeyen.

Wettbe­werbs­pianist ist Alexander Fleischer, der erst kürzlich zum Professor in Trossingen ernannt wurde. Thorsten Schmidt, Intendant des Heidel­berger Frühlings, begrüßt die Zuhörer, die nicht nur im Alten Saal des Theaters Heidelberg den Darbie­tungen folgen können, sondern auch im Livestream, der auch zeitver­setzt im Netz zu sehen ist.

So kann man auch von Zuhause ganz entspannt dem Geschehen folgen, und das in einer sehr guten Qualität in Ton und Bild. 13.000 Zuschauer nutzen diese Möglichkeit. Vermutlich haben viele von ihnen auch ihre eigene Favoritenliste.

Die Teilnehmer der ersten Runde sind alle sehr leistungs­stark, dennoch fallen hier schon eminente Unter­schiede auf. Da werden Töne nachge­drückt, seltsame Mundstel­lungen einge­setzt, um Töne zu produ­zieren, der Kiefer wird nicht locker­ge­lassen. Sehr schnell merkt man, wer über der Sache steht und wirklich ganz entspannt singt.

Das Semifinale erreichen Yeeyoung Lim, Bassba­riton, Ted Black, Tenor, Marie Hänsel, Sopran, Alexandra Flood, Sopran, Fekix Gygli, Bariton, Benjamin Hewat-Craw, Bariton, Lars Konrad, Bariton, Melissa Domingues, Erin Wagner, Mezzo­sopran, Tae Hwan Yun, Tenor, Benjamin Sattlecker, Bariton, Hannah Cho, Sopran und Laurence Kilsby, Tenor, die allesamt eine wirklich sehr beein­dru­ckende Leistung liefern.

Dem großen Finale stellen sich Valerie Eickhoff, Benjamin Hewat-Craw, Tae Hwan Yun, Laurence Kilsby, Alexandra Flood, Yeeyoung Lim und Marie Hänsel. Sie bieten alle hervor­ra­gende Leistungen und machen es den Zuschauern, aber auch der Jury schwer, eine Entscheidung zu treffen. Viele haben schon vorher Preise gewonnen, Valerie Eickhoff wurde in der Vergan­genheit geradezu mit Preisen übersät, nicht zuletzt mit dem dritten Preis im ARD-Wettbewerb 2021, schafft es hier aber trotz der Begleitung von Benjamin Mead nicht unter die Preis­träger, was manchem der Zuhörer ob ihres weichen Timbres, ihres runden Tones und einer überra­genden Gestaltung vielleicht nicht ganz begreiflich ist.

Lars Konrad, Bariton mit dunkler Färbung, nimmt mit seiner wohldo­sierten, aber ausdrucks­starken Inter­pre­tation die Zuschauer auch vor dem Livestream bis ins Semifinale für sich ein. Mit Franz Schuberts An mein Herz, Robert Schumanns Meine Rose und Aribert Reimanns Auge der Zeit ersingt er sich den Publikumspreis.

Pianist Yuhao Guo gewinnt den Pianis­ten­preis des Wettbe­werbs für seine besonders einfühlsame und wunderbare Begleitung.

Pianistin Hannah Harnest und Sängerin Alexandra Flood gewinnen den dritten Preis. – Foto © Martin Walz

Die 33-jährige, schon inter­na­tional tätige Austra­lierin Alexandra Flood ersingt sich mit heller, frei flutender und durch­set­zungs­fä­higer Sopran­stimme, gutem Ausdruck und sehr guter Textver­ständ­lichkeit unter anderem mit Franz Schuberts Ganymed, Robert Schumanns Er ist’s und Aribert Reimanns Edge den dritten Preis in der Begleitung von Hannah Harnest.

Ein zweiter Preis wird nicht vergeben, zu nah seien sich zwei der jungen Künstler in der Wertung gewesen, verkündet Quasthoff, dafür gibt es zwei erste Preise: Tae Hwan Yun, 33-jähriger Tenor aus Süd-Korea, lässt schon im ersten Durchgang mit gut geführter Stimme, guter Gestaltung und einer sehr gut verständ­lichen Aussprache aufhorchen. Mit Schuberts Auf der Bruck, Reimanns Der Ort, wo sie lagen und Belsazar von Schumann nimmt er schon in der ersten Runde für sich ein. Begleitet wird er von Dokyun Han. Yun ist schon mehrfach ausge­zeichnet und singt derzeit im Ensemble der Oper Bonn.

Der 24-jährige, britische Sänger Laurence Kilsby, begleitet von Ella O’Neill, überzeugt von Anfang an mit hell timbriertem Tenor, einer gut durch­dachten, sehr auf das einzelne Wort Wert legenden Aussprache, sehr gut verständlich und souverän im Ausdruck bis ins leiseste Piano. Dabei bleibt er immer sehr natürlich. Sehr schön sein Legato und der sehr bewusste Einsatz des Vibratos. Schuh­manns Der Knabe mit dem Wunderhorn, Schuberts Dass sie hier gewesen und Ullmanns Wenn je ein schönes mir zu bilden glückte singt er in der ersten Runde, im Finale beein­druckt er besonders mit Liedern von Ullmann. Der junge Sänger hat schon mehrfach Preise gewonnen und singt derzeit an der Académie de l’Opéra de Paris.

Mit dem ersten Preis sind verschiedene Engage­ments verbunden, unter anderem ein Auftritt in der Wigmore Hall in London oder beim Festival Lied in Würzburg unter der künst­le­ri­schen Leitung von Alexander Fleischer. Ein Besuch des Lied-Festivals in Würzburg ist sehr zu empfehlen.

Insgesamt weist der Wettbewerb um Quasthoff eine Vielzahl junger Talente auf, von denen einige schon jetzt inter­na­tional tätig sind und die sich im weiteren Verlauf ihrer Karriere wohl noch beweisen werden. Ein wichtiger Beitrag zur Pflege des Kunst­liedes ist er allemal.

Jutta Schwegler

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