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Foto © André Karwath

Immer noch die Ausnahme

Keine Hand voll Frauen hat es bislang zur General­mu­sik­di­rek­torin gebracht. Joana Mallwitz war 2014 eine dieser Ausnah­me­erschei­nungen, als sie ihr Engagement in Erfurt antrat. Jetzt zieht sie weiter an das Staats­theater Nürnberg, wo sie 2018 Chefdi­ri­gentin wird.

Joana Mallwitz – Foto © Nikolaj Lund

Der grauhaarige, große, hellhäutige Dirigent wird als Gott im Frack verherr­licht.“ Das Zitat der Musik­wis­sen­schaft­lerin Anke Steinbeck stammt nicht etwa aus vergan­genen Jahrhun­derten, sondern ist gerade mal zwei Jahre alt. Noch immer sind Frauen am Dirigen­tenpult Ausnah­me­erschei­nungen, und erst recht in leitender Funktion. Simone Young war’s mal in Hamburg, Karen Kamensek in Hannover, und dann wird die Luft auch schon dünn. 2014 wurde Joana Mallwitz die erste General­mu­sik­di­rek­torin am Theater Erfurt, nachdem Intendant Guy Montavon sie aufge­fordert hatte, sich zu bewerben. Anstatt nun mehr Frauen das Pult eroberten, zieht Mallwitz nach dann gerade mal vier Jahren im kommenden Jahr weiter an das Staats­theater Nürnberg.

„Mit der Berufung von Frau Mallwitz zur General­mu­sik­di­rek­torin an das Staats­theater Nürnberg wurde ein Schritt vollzogen, der in unserer Gesell­schaft höchst überfällig ist: Frauen in Führungs­po­si­tionen.“, verkündet Julia Lehner, Kultur­re­fe­rentin der Stadt Nürnberg, und übersieht dabei geflis­sentlich, dass mit dieser Berufung nicht eine einzige Frau mehr in eine Führungs­po­sition gelangt ist. Trotzdem darf in Nürnberg natürlich eitel Freude herrschen. Daraus macht auch Jens-Daniel Herzog, designierter Staats­in­tendant, kein Hehl. „Mit Joana Mallwitz als GMD und Jan Philipp Gloger als Schau­spiel­di­rektor sind zwei der gefrag­testen Künstler ihrer Generation künftige Sparten­leiter am Staats­theater Nürnberg. Sie stehen für einen Genera­ti­ons­wechsel und bringen dabei die nötige Erfahrung mit, um ihre Sparten kompetent und ideen­reich in die Zukunft zu führen.“

Der Werdegang von Mallwitz spricht für sich selbst. 1986 in Hildesheim geboren, beginnt sie im Alter von fünf Jahren, Klavier und Geige zu lernen. Mit zwölf Jahren tritt sie in den Frühstu­die­ren­den­lehrgang der Musik­hoch­schule Hannover ein, vier Jahre später leitet sie ihr erstes öffent­liches Konzert, mit 19 wird sie Solore­pe­ti­torin in Heidelberg, kurz darauf Kapell­meis­terin. Nach fünf Jahren in der Kurpfalz beginnt sie ihre Wander­jahre. Kopen­hagen, Riga, Hamburg und Göteborg luden sie ein. „Ich hatte mich damals bewusst dafür entschieden, weil ich gern andere Häuser kennen­lernen wollte. Zum Glück bekam ich in der Zeit immer gute Angebote“, erzählt die heute 31-Jährige. Und konnte so ihren ganz eigenen Stil entwickeln.

Jens-Daniel Herzog – Foto © privat

In den Vordi­ri­gaten, erzählt Herzog, habe die künftige Orches­ter­chefin durch eine außer­ge­wöhn­liche Musika­lität, deutliche Zeichen­gebung, klare musika­lische Konzepte und Ansagen mit ihrer souve­ränen Technik überzeugen können. Der designierte Intendant, der zurzeit noch die Geschicke der Dortmunder Oper bestimmt, ist froh, dass er die „junge, aufstre­bende und inter­na­tional gefragte Künst­lerin“ langfristig an das Haus binden kann. Mallwitz hat einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben.

Zeit genug, neben dem Tages­ge­schäft auch Visionen umzusetzen. „Das Nürnberger Publikum darf sich auf ihren frischen Blick auf bekannte Stücke des Opern- und Musik­re­per­toires freuen, ebenso aber auf ihre Ideen, wie das Musik­leben in Nürnberg weiter­ent­wi­ckelt werden kann“, sagt Herzog. In Erfurt hat Mallwitz schon mal gezeigt, wie das gehen kann. Sie initi­ierte eine Orchester-Akademie des Philhar­mo­ni­schen Orchesters Erfurt, begründete das Composer-in-Residence-Projekt Erfurts Neue Noten und konzi­pierte das überaus erfolg­reiche Konzert­format Expedi­ti­ons­kon­zerte. „Ich freue mich auf die Arbeit mit der großar­tigen Staats­phil­har­monie und dem wunder­baren Team um Jens-Daniel Herzog, in das ich seit den ersten Begeg­nungen das größte Vertrauen hatte und mit dem einfach die Chemie stimmt“, sagt die Dirigentin, die Marcus Bosch ablösen wird. Der hat selbst schon eine Menge in Nürnberg bewirkt, neue Formate geschaffen, die Klassische Musik in die Stadt hinein­ge­tragen. Im kommenden Jahr wird er in Rostock die künst­le­rische Verant­wortung für die Norddeutsche Philhar­monie übernehmen.

Und Erfurt? Hüllt sich über eine mögliche Nachfolge für die amtie­rende General­mu­sik­di­rek­torin bislang noch in Schweigen. „In der Musik spielt das Alter oder das Geschlecht keine Rolle, sondern es geht nur darum, ein gutes Konzert auf die Bühne zu bringen“, hat Joana Mallwitz zu ihrem Amtsan­tritt in Erfurt gesagt. Erfurt hat also die freie Wahl. Es muss ja nicht unbedingt der „grauhaarige, große, hellhäutige Dirigent“ sein.

Michael S. Zerban

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