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Keine Hand voll Frauen hat es bislang zur Generalmusikdirektorin gebracht. Joana Mallwitz war 2014 eine dieser Ausnahmeerscheinungen, als sie ihr Engagement in Erfurt antrat. Jetzt zieht sie weiter an das Staatstheater Nürnberg, wo sie 2018 Chefdirigentin wird.

Der grauhaarige, große, hellhäutige Dirigent wird als Gott im Frack verherrlicht.“ Das Zitat der Musikwissenschaftlerin Anke Steinbeck stammt nicht etwa aus vergangenen Jahrhunderten, sondern ist gerade mal zwei Jahre alt. Noch immer sind Frauen am Dirigentenpult Ausnahmeerscheinungen, und erst recht in leitender Funktion. Simone Young war’s mal in Hamburg, Karen Kamensek in Hannover, und dann wird die Luft auch schon dünn. 2014 wurde Joana Mallwitz die erste Generalmusikdirektorin am Theater Erfurt, nachdem Intendant Guy Montavon sie aufgefordert hatte, sich zu bewerben. Anstatt nun mehr Frauen das Pult eroberten, zieht Mallwitz nach dann gerade mal vier Jahren im kommenden Jahr weiter an das Staatstheater Nürnberg.
„Mit der Berufung von Frau Mallwitz zur Generalmusikdirektorin an das Staatstheater Nürnberg wurde ein Schritt vollzogen, der in unserer Gesellschaft höchst überfällig ist: Frauen in Führungspositionen.“, verkündet Julia Lehner, Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, und übersieht dabei geflissentlich, dass mit dieser Berufung nicht eine einzige Frau mehr in eine Führungsposition gelangt ist. Trotzdem darf in Nürnberg natürlich eitel Freude herrschen. Daraus macht auch Jens-Daniel Herzog, designierter Staatsintendant, kein Hehl. „Mit Joana Mallwitz als GMD und Jan Philipp Gloger als Schauspieldirektor sind zwei der gefragtesten Künstler ihrer Generation künftige Spartenleiter am Staatstheater Nürnberg. Sie stehen für einen Generationswechsel und bringen dabei die nötige Erfahrung mit, um ihre Sparten kompetent und ideenreich in die Zukunft zu führen.“
Der Werdegang von Mallwitz spricht für sich selbst. 1986 in Hildesheim geboren, beginnt sie im Alter von fünf Jahren, Klavier und Geige zu lernen. Mit zwölf Jahren tritt sie in den Frühstudierendenlehrgang der Musikhochschule Hannover ein, vier Jahre später leitet sie ihr erstes öffentliches Konzert, mit 19 wird sie Solorepetitorin in Heidelberg, kurz darauf Kapellmeisterin. Nach fünf Jahren in der Kurpfalz beginnt sie ihre Wanderjahre. Kopenhagen, Riga, Hamburg und Göteborg luden sie ein. „Ich hatte mich damals bewusst dafür entschieden, weil ich gern andere Häuser kennenlernen wollte. Zum Glück bekam ich in der Zeit immer gute Angebote“, erzählt die heute 31-Jährige. Und konnte so ihren ganz eigenen Stil entwickeln.

In den Vordirigaten, erzählt Herzog, habe die künftige Orchesterchefin durch eine außergewöhnliche Musikalität, deutliche Zeichengebung, klare musikalische Konzepte und Ansagen mit ihrer souveränen Technik überzeugen können. Der designierte Intendant, der zurzeit noch die Geschicke der Dortmunder Oper bestimmt, ist froh, dass er die „junge, aufstrebende und international gefragte Künstlerin“ langfristig an das Haus binden kann. Mallwitz hat einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieben.
Zeit genug, neben dem Tagesgeschäft auch Visionen umzusetzen. „Das Nürnberger Publikum darf sich auf ihren frischen Blick auf bekannte Stücke des Opern- und Musikrepertoires freuen, ebenso aber auf ihre Ideen, wie das Musikleben in Nürnberg weiterentwickelt werden kann“, sagt Herzog. In Erfurt hat Mallwitz schon mal gezeigt, wie das gehen kann. Sie initiierte eine Orchester-Akademie des Philharmonischen Orchesters Erfurt, begründete das Composer-in-Residence-Projekt Erfurts Neue Noten und konzipierte das überaus erfolgreiche Konzertformat Expeditionskonzerte. „Ich freue mich auf die Arbeit mit der großartigen Staatsphilharmonie und dem wunderbaren Team um Jens-Daniel Herzog, in das ich seit den ersten Begegnungen das größte Vertrauen hatte und mit dem einfach die Chemie stimmt“, sagt die Dirigentin, die Marcus Bosch ablösen wird. Der hat selbst schon eine Menge in Nürnberg bewirkt, neue Formate geschaffen, die Klassische Musik in die Stadt hineingetragen. Im kommenden Jahr wird er in Rostock die künstlerische Verantwortung für die Norddeutsche Philharmonie übernehmen.
Und Erfurt? Hüllt sich über eine mögliche Nachfolge für die amtierende Generalmusikdirektorin bislang noch in Schweigen. „In der Musik spielt das Alter oder das Geschlecht keine Rolle, sondern es geht nur darum, ein gutes Konzert auf die Bühne zu bringen“, hat Joana Mallwitz zu ihrem Amtsantritt in Erfurt gesagt. Erfurt hat also die freie Wahl. Es muss ja nicht unbedingt der „grauhaarige, große, hellhäutige Dirigent“ sein.
Michael S. Zerban