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Die Ehrenfeldstudios in Köln - Foto © O-Ton

Aus der Not die Tugend

Die Stadt Köln beschäftigt hochdo­tierte Marke­ting­ma­nager. Da verwundert es sehr, dass sich die Tanzszene bis heute nicht so recht entwi­ckelt hat. Denn die Zutaten gibt es längst, aus einem Dilemma ein Fortschritts­modell zu schaffen. Jüngstes Beispiel sind die Ehren­feld­studios, die mehr Potenzial haben, als sich offenbar mancher Kultur­för­dernde in Köln vorstellen mag.

Caroline Simon – Foto © O‑Ton

In Düsseldorf gibt es das Tanzhaus NRW, die erste Adresse für zeitge­nös­si­schen Tanz in Europa. Ein Ruf, den sich das Tanzhaus hart erarbeitet hat. Ein paar Kilometer rhein­auf­wärts sieht das schon ganz anders aus. Da gibt es Choreo­grafen, die im Schatten tanzen, sofern sie nicht gute Verbin­dungen nach Düsseldorf haben. Und die werden bei der zunehmend inter­na­tio­naler ausge­rich­teten Programm­po­litik auch immer knapper. In Köln gibt es keine zentrale Tanzbühne. Die Oper zeigt ein paar Gastspiele inter­na­tio­naler Compa­gnien, die jeweils einge­kauft werden. Tänzer der so genannten Freien Szene finden – bislang – keinen Platz auf der Bühne im Staatenhaus. Im Theater ist vom Tanz bis auf ein paar zaghafte Versuche bislang nichts zu sehen. Fast könnte man glauben, die Kölner Tanzszene sei von Funke­ma­riechen beherrscht. Doch der Eindruck täuscht gewaltig.

Fast schon im Geheimen arbeitet da eine ganze Reihe vielver­spre­chender oder bereits bekannter Choreo­grafen und Tänzer, die oft im Ausland mehr Ansehen genießen als in Köln. Spricht man mit Kultur­po­li­tikern der Stadt, ist sehr viel Bedauern und Unver­ständnis darüber zu hören, dass es in Köln keine eigene, starke Tanzszene gibt. Bei Choreo­grafen, Tänzern und Performern hört man nichts anderes. Die Gründe sind vielfältig. Neben Egoismen und Konkur­renz­denken steht wohl vor allem die Förder­po­litik einer starken Szene entgegen. Denn gefördert werden in erster Linie Einzel­pro­jekte. Da frisst die Bürokratie die Kreati­vität. Bildeten sich aller­dings größere Gruppen, um solche Einzel­för­de­rungen zu bekommen, überstiege der Organi­sa­ti­ons­aufwand den Bürokra­tismus. Ein Teufels­kreis. Denn einzelne Choreo­grafen sind irgendwann mit ihrem Zeitkon­tingent am Ende. Und da fallen schon mal wichtige Arbeiten wie die Aktua­li­sierung des Inter­net­auf­tritts, Plaka­te­kleben oder Netzwerken schlicht und einfach aus. Nur langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass es unabhängig von solchen Förder­prak­tiken eben doch nur solida­risch geht.

Blick nach vorn

Und so hat sich in Köln so etwas wie eine Künst­ler­selbst­ver­waltung entwi­ckelt. Ein Beispiel der jüngeren Zeit sind die Ehren­feld­studios. Viele Jahre hat Choreo­grafin Silke Z. zusammen mit Caroline Simon das Studio 11 im Kölner Stadtteil Ehrenfeld betrieben. Ein kleines Studio, vollkommen ungeeignet für personell größere Projekte. An Weiter­ent­wicklung war da kaum zu denken. Die Compagnie Resist­dance wurde da schnell auf ihre eigenen Grenzen zurück­ge­worfen. Also schlossen sie sich vor etwas mehr als zwei Jahren mit anderen Künstlern zu einem ordent­lichen Verein zusammen, als der Kölner Spiele­zirkus aus seiner bishe­rigen Wirkungs­stätte in der Wissmann­straße auszog. Seit November 2015 arbeiten Özlem Alkis, Tim Behren, Florian Patschovsky, Marion Dieterle, Silke Z. und Caroline Simon daran, die Ehren­feld­studios zum Erfolg zu führen. „Hier wird produ­ziert und präsen­tiert. Und es gibt auch Kurse und Workshops. Und wir wollen an diesem Ort hier auch sehr gern inter­dis­zi­plinär arbeiten“, erzählt Simon.

Und vor allem wollen sie hier sehr, sehr lange bleiben. Das mussten sie dem privaten Vermieter erst mal in einem längeren Prozess erklären. Bei dem Gedanken, dass hier Tänzer einziehen, kam zunächst Skepsis auf. Was durchaus verständlich ist. Das Geschäfts­modell überzeugt so recht nicht, betrachtet man es unter wirtschaft­lichen Aspekten. Eine insti­tu­tio­nelle Förderung gibt es nicht, wenn man von der „Residenz-Förderung“ der Stadt Köln absieht, die versucht, auf diese Weise wenigstens zu einem geringen Teil die Miete zu sichern. Dafür müssen die Ehren­feld­studios die Studios als Proben­räume zu einem geringen Preis anderen Compa­gnien zur Verfügung stellen. Ein durchaus intel­li­genter Gedanke, der seine Grenzen darin findet, dass Raum dadurch blockiert wird, ohne dass er tatsächlich zur Kosten­de­ckung beiträgt. Kurz und gut: Es ist und bleibt eng. Und die Gefahr ist groß, dass so viele Angebote geschaffen werden müssen, dass die eigene Kreati­vität auf der Strecke bleibt.

Immer noch zu wenig Kommunikation

Aber Caroline Simon bleibt optimis­tisch. Schließlich gibt es inzwi­schen fünf solcher Zentren der so genannten Freien Tanz-Szene in Köln. „Wir denken, es ist extrem sinnvoll, alle Orte zu erhalten. Nicht der eine macht auf, dafür schließt der andere. Es gibt viele gute Künstler, und alle Orte sind gut belegt und besucht und haben alle einen anderen Schwer­punkt. Ja, eine Millio­nen­stadt. Da sind fünf Studios jetzt nicht die Welt. Wenn man in andere Städte guckt wie Brüssel beispiels­weise, da ist an jeder Ecke was.“ In der Welt kennt sie sich aus. In Brüssel geboren, hat sie dort und in Rotterdam studiert, ist inzwi­schen Tänzerin, Choreo­grafin und Tanzpäd­agogin, lebt heute in Köln und spannt ihre Fäden zwischen Köln, Düsseldorf und Berlin auf. Aber an den Studios in der Wissmann­straße hängt ihr Herz.

Und das kann man gut verstehen. Der halb überdachte Vorhof verströmt den Charme eines kommu­ni­ka­tiven Zentrums mit hohem Freizeitwert. In die gemütlich einge­richtete Bar kann man sich bei schlechtem Wetter zurück­ziehen. Die zwei Studios bieten ausrei­chend Platz, um den Ansprüchen der so genannten Freien Szene zu genügen. Gemütlich ist es hier. Da kann man sich einlassen auf Neues, ohne auf die Umgebung achten zu müssen. „Und wir merken auch, dass die Leute das echt gerne mögen. Deswegen ist es auch ganz toll, dass wir so zentral sind. Da laufen hier die Leute vorbei, fragen, was das ist, gucken und lassen sich auch gern mal darauf ein.“ Natürlich ist alles ausbau­fähig. Nach gerade mal zwei Jahren ist man im Stadtteil noch nicht so angekommen, wie die Künstler sich das wünschen. Ein Sommerfest soll Abhilfe schaffen.

Vor allem aber sieht Simon, dass man in anderer Hinsicht viel Potenzial verschenkt. Denn nicht das Fehlen einer zentralen Tanzbühne sei das Besondere in Köln. Über Tanzzentren, die über die Stadt verteilt sind, verfügt nicht jeder. „Das ist ein Reichtum. Aber das muss man dann natürlich auch publik machen“, sagt die Tänzerin, und da leuchten ihre Augen. Allein, mit der Kommu­ni­kation hapert es noch deutlich. Und da fragt man sich, warum Silke Z. mit ihrem neuesten Projekt You are Safe in die Alte Feuer­wache in Köln umzieht, anstatt sie in den Ehren­feld­studios aufzu­führen. Obwohl noch vieles im Argen zu liegen scheint in der Kölner Tanz-Szene, die einst einen Namen hatte in der Bundes­re­publik, schaut Simon nach vorn. „Soweit ich weiß, hat die Kölner Szene noch nie so eng zusam­men­ge­ar­beitet. Wir versuchen alle, uns gegen­seitig zu unterstützen.“

Michael S. Zerban

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