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Hein Mulders - Foto © Sven Lorenz

Aus dem Hut gezaubert

Das hatte sich Birgit Meyer schön ausge­rechnet. Seit 2012 ist sie Inten­dantin der Kölner Oper, und sie war fest davon überzeugt, dass sie die Oper auch aus der Interims­spiel­stätte zurück an den Offen­bach­platz führen würde. Irrtum. Die Oberbür­ger­meis­terin erteilte ihr eine Absage, verlän­gerte den Vertrag, der 2022 ausläuft, nicht. Jetzt hat Henriette Reker den Nachfolger vorgestellt. 

Hein Mulders – Foto © Sven Lorenz

Henriette Reker, Oberbür­ger­meis­terin der Stadt Köln, scheint immer für eine Überra­schung gut. Am 12. April gab sie den Nachfolger der Kölner Opern­in­ten­dantin Birgit Meyer bekannt – noch bevor der Haupt­aus­schuss des Stadtrats darüber entschieden hatte. Das nennt man Tatsachen schaffen. Hein Mulders, Intendant des Aalto-Musik­theaters, der Essener Philhar­mo­niker und der Philhar­monie Essen, soll bereits im kommenden Jahr die Nachfolge von Meyer antreten.

Meyer hatte sich das ganz anders ausge­rechnet. 2009 hatte Uwe Eric Laufenberg, der damalige Intendant, sie als Opern­di­rek­torin nach Köln geholt. Als Laufenberg 2012 geschasst wurde, wurde sie seine Nachfol­gerin und leitete seitdem die Interims­spiel­stätte in Köln-Deutz. Nach ihrer Vorstellung hätte sie das Opernhaus auch an den Offen­bach­platz zurück­ge­bracht. Daraus wurde nichts. Reker ließ ihr öffentlich mitteilen, dass ihr Vertrag nicht verlängert werde. Im Kölner Stadt-Anzeiger, der Lokal­zeitung, setzte Meyer sich zur Wehr. Ein Inten­dan­ten­wechsel noch vor der Eröffnung des sanierten Opern­hauses sei „aus meiner Sicht ein sehr ungüns­tiger Zeitpunkt“, sagte sie. „Die sehr fordernde Situation des Interims wird nun nochmals für alle in der Oper Engagierten ohne Not erschwert“, behauptete sie. Und versuchte es noch mit Eigenlob. Immerhin habe sie die Interims­spiel­stätte „nach allge­meiner Einschätzung nicht so schlecht hinge­kriegt“, sagte sie. Dazu gab es über die Jahre aller­dings unter­schied­liche Ansichten. Sie halte es für entscheidend, dass das Haus nach der Rückkehr an seinen Stammsitz „mit einer neuen Handschrift“ beginne, konterte die Oberbür­ger­meis­terin – und damit war das Thema erledigt. Zum Glück für Meyer, der damit eine öffent­liche Diskussion über Führungs- und Kommu­ni­ka­ti­onsstil im Deutzer Staatenhaus erspart blieb.

Dass Reker sich mit dieser Entscheidung einfach mal über alle Gremien hinweg­setzte, erzeugte kurzzeitig Unwillen. Und nicht anders dürfte es sich bei der Bekanntgabe des Nachfolgers verhalten. In anderen Städten gibt es eine Presse­mit­teilung, wenn der Haupt­aus­schuss entschieden hat. Nicht vorher. Und so gab es auch keine Äußerung seitens Mulders‘ oder der Theater und Philhar­monie Essen. Reker unter­strich einst­weilen die Richtigkeit ihrer, nein, der Entscheidung der Findungs­kom­mission, der sie vorsaß. „Ich freue mich, dem Haupt­aus­schuss heute mit Hein Mulders jemanden vorschlagen zu können, der aus Sicht der Kommission und auch aus meiner Sicht ganz hervor­ragend zu uns nach Köln passt“, wird die parteilose Oberbür­ger­meis­terin zitiert.

Seit 2013 ist Mulders Intendant in Essen. Zuvor war der Kultur­ma­nager, der in Paris Kunst­ge­schichte und in Amsterdam Archäo­logie, Italie­nisch und Musik­wis­sen­schaften studiert hatte, Künst­le­ri­scher Leiter der Neder­landse Opera Amsterdam. Dass er über besondere Fähig­keiten im Krisen­ma­nagement verfügt, ist nirgendwo zu lesen. Auch sein Engagement am Aalto-Musik­theater wird höchst unter­schiedlich beurteilt. Unstrittig hingegen erscheint, dass er die Philhar­monie Essen zur höchsten Blüte geführt habe. Aber das ist ja nicht die Aufgabe eines Opern­in­ten­danten. Und so nehmen sich auch die Worte Rekers einiger­maßen seltsam aus, mit denen sie den geplanten Nachfolger Meyers lobt. „Er ist also bestens vorbe­reitet, kann das Opern-Interim im Staatenhaus beenden, mit ausrei­chend Vorlauf die Wieder­eröffnung am Offen­bach­platz zur Spielzeit 202425 planen“, ließ sie verlauten.

Der Nachsatz, den sie hinzufügt, weckt aller­dings unange­nehme Erinne­rungen. Mulders werde die Oper „inter­na­tional als heraus­ra­gendes Haus positio­nieren“, sagt sie. Eine Bemerkung, die schon Uwe Eric Laufenberg hörte, als er sein Amt antrat. Später wollte davon niemand mehr wissen. Das sollte dann beim neuen Inten­danten besser laufen. Warum aller­dings Mulders sich aus einer ausge­sprochen erfolg­reichen Position im Ruhrgebiet vorzeitig verab­schiedet, um in der preußi­schen Provinz eine Interims­spiel­stätte zu übernehmen, von der niemand wirklich weiß, wann sie sich in ein saniertes Opernhaus zurück­be­wegen wird, bleibt ein Geheimnis, das der gebürtige Nieder­länder in den kommenden Tagen, wenn er denn vom Haupt­aus­schuss des Kölner Stadt­rates tatsächlich bestätigt worden ist, rasch klären wird.

Michael S. Zerban

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