O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Neben der Erfolgsspur

Im Juni dieses Jahres beschloss der Stadtrat der Stadt Köln, die Verträge des Choreo­grafen Richard Siegal und seiner Compagnie Ballet of Diffe­rence im kommenden Jahr auslaufen zu lassen. Eine überra­schende und kaum nachvoll­ziehbare Entscheidung. Nun wurde auch eine Verlän­gerung bis zum übernächsten Jahr im Betriebs­aus­schuss Bühnen des Kölner Stadt­rates abgelehnt. Eine Petition soll nun ein Jahr Tanzpause bei den Bühnen der Stadt Köln verhindern.

Richard Siegal – Foto © Luis Alberto Rodriguez

Wenn der Stadtrat Kölns verlauten lässt, in irgend­einem Bereich der Kultur „inter­na­tionale Ausstrahlung“ erreichen oder stärken zu wollen, ist größtes Misstrauen angebracht. In der Regel folgen dann hanebü­chene Entschei­dungen, die häufig genug nur noch für Kopfschütteln sorgen. Vierzehn Jahre lang mussten die Bühnen der Stadt Köln ohne eigene Tanzsparte auskommen. Unter anderem nach den Erfolgen des Choreo­grafen Richard Siegal und seiner Compagnie Ballet of Diffe­rence entschloss sich der Stadtrat, im Rahmen der Neuordnung im übernächsten Jahr wieder eine Tanzsparte einzu­richten. Denn angeblich sollen Schau­spiel und Oper 2025 wieder an den Offen­bach­platz ziehen können, und dann würde die „Interims­spiel­stätte“ Depot im Stadtteil Mülheim für eine neue Nutzung zur Verfügung stehen.

Ins Leben gerufen wurde das Ballet of Diffe­rence unter der künst­le­ri­schen Leitung von Richard Siegal dank einer Options­för­derung der Stadt München. 2017 wurde die Stadt Köln neuer Partner in einem innova­tiven Kopro­duk­ti­ons­modell beider Metro­polen, bevor die Compagnie zwei Jahre später eine räumliche und insti­tu­tio­nelle Heimat am Schau­spiel Köln fand. Seitdem nennen sich die Tänzer Richard Siegal/​Ballet of Diffe­rence am Schau­spiel Köln. Sie sorgten für einen Auslastung zwischen 90 und 100 Prozent der Auffüh­rungen, und sie zogen ein deutlich jüngeres Publikum an. Koope­ra­tionen mit der so genannten Freien Szene wie auch mit der LitCo­logne und dem Kolumba-Museum in Köln sorgten für eine engma­schige Vernetzung in der Stadt. Die Medien berich­teten durchweg lobend über die Arbeit der Compagnie.

Es geht um ein weiteres Jahr

Eine solche Entwicklung sollte also dafür sorgen, dass die Zusam­men­arbeit mit der Compagnie seitens der Stadt fortge­setzt würde. Aber in Köln ist Erfolg gefährlich. Wer sich hier einen Namen macht, sollte sich schon mal nach einem neuen Posten in einer anderen Stadt umschauen. Der alte Grundsatz vom „Man muss auch jönne könne“ scheint in Köln längst vergessen. Im Sommer dieses Jahres erfuhr die Compagnie, dass ihre Verträge auslaufen sollten. Damit wird nicht nur der Erfolg der Compagnie vorzeitig abgebrochen, sondern auch dafür gesorgt, dass sie sich nicht an der Ausschreibung für die neue Tanzsparte betei­ligen kann. Denn mit dem vorzei­tigen Aus entsteht eine einjährige Lücke, so dass viele der Tänzer, nämlich die mit einem außer­eu­ro­päi­schen Visum, Köln werden verlassen müssen. Maria Helmis, kultur­po­li­tische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion spricht von einem Fehler. „Dieses Tanzensemble hat es geschafft, ein junges, diverses und wahnsinnig spannendes Publikum dauerhaft zu begeistern. Zu befürchten ist, dass in Köln nun ein Loch in die tänze­rische Bespielung des Depots gerissen wird. Köln wird so auf Dauer junges Publikum verlieren!“, erklärt sie. Wen interessiert’s? Ein Dring­lich­keits­antrag der FDP wurde gerade abgelehnt.

Einmal mehr bleiben die Entschei­dungen des Stadtrats intrans­parent und unver­ständlich. Stefan Charles, Kultur­de­zernent der Stadt Köln, weigert sich, die Entscheidung, die eine politische sei, zu kommen­tieren. Gérard A. Goodrow, Vorsit­zender des Vereins der Freunde und Förderer des Ballet of Diffe­rence, will das nicht hinnehmen und hat eine Petition ins Leben gerufen, „um die mit viel Mühe und Herzblut geschaffene Konti­nuität in Sachen Tanz an den Bühnen Köln zu erhalten“. Wie hat Henriette Reker, Oberbür­ger­meis­terin der Stadt Köln, es so schön formu­liert? „Der Tanz hat schon immer einen wichtigen Stellenwert in der Kölner Kultur. Der Neustart ist der richtige Zeitpunkt, um die Bühnen zu einem Dreispar­tenhaus zu machen. Mit einer inter­na­tio­nalen Ausschreibung werden wir nach dem besten Tanzkonzept für Köln suchen und es dann zeitge­recht umsetzen.“ Bislang klingt eher alles nach einer Provinzposse.

Michael S. Zerban

Teilen Sie sich mit: