O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Unverkennbarer Stil

Die Burg Linn, fünf Kilometer vom Krefelder Ortskern entfernt, ist berühmt für den Flachs­markt. Der mittel­al­ter­liche Handwer­ker­markt ist der größte seiner Art in Deutschland und findet immer am Pfingst­wo­chenende statt. Musik‑, speziell Jazz-Liebhaber schätzen die Burg aller­dings eher wegen des alljährlich statt­fin­denden Festivals Jazz an einem Sommer­abend, das in der Stadt­ge­sell­schaft ungebrochen großen Anklang findet.

Foto © O‑Ton

Eine würdige Jubilä­ums­ausgabe von Jazz an einem Sommer­abend – tatsächlich sind es bereits vier Jahrzehnte, seit das Open-Air-Festival auf der Krefelder Burg Linn das Licht der Welt erblickte und sich seither als fester Bestandteil im Kultur­ka­lender etabliert hat. Obwohl der diesjährige Sommer­abend unter grauem Himmel und bei eher kühlen Tempe­ra­turen statt­findet, lassen sich die Jazzlieb­haber nicht davon abhalten, sich der Musik hinzu­geben. Viele sitzen wie gewohnt auf ausge­brei­teten Decken, manche sogar in dicke Schlaf­säcke gehüllt, um sich zu wärmen – als Zuhörer muss man eben impro­vi­sieren können. Das spiegelt den engagierten Zuspruch wider, den die Stadt­ge­sell­schaft in Krefeld für ihr großes, inter­na­tio­nales Festival erfährt.

Die Drama­turgie der 40. Ausgabe bringt drei tragende Säulen der Jazz-Gegenwart auf den Punkt: Jazz als Kultur­bot­schaft für Integration und Toleranz verkörpert vor allem der erste Programm­punkt mit der nieder­län­di­schen Band Turkish Pumpkin. Unter Leitung des türkisch­stäm­migen Bassisten Esat Ekincioglu vereint die Band die Wildheit des Free Jazz mit den quirligen Rhythmen orien­ta­li­scher Hochzeiten und Beerdi­gungen. Die orien­ta­lisch angehauchten Impro­vi­sa­tionen und die überschla­genden Rhythmen erinnern an eine wilde Tanzper­for­mance und das lebhafte Treiben eines Basars. Insbe­sondere die weltoffene Szene unseres Nachbar­landes ermög­licht solche kultu­rellen Verbindungen.

Der zweite Teil des Festivals konzen­triert sich auf Jazz als Gegen­warts­musik in einer jungen, sich stetig erneu­ernden Szene. Das spiegelt sich in der großen Band Metoers des Kölner Bassisten Sebastian Gramss wider, die etwas Konsis­tentes und Größeres formt und wortwörtlich nach den Sternen greift. Inspi­riert von Visio­nären wie Sun Ra und Karlheinz Stock­hausen schafft Gramss mit seiner Formation einen weitläu­figen Klang­kosmos, der dennoch nie abgehoben wirkt, sondern vor allem durch tiefe und erdige Musika­lität besticht. Das zyklisch kompo­nierte Programm lässt viel Raum für Sponta­neität und indivi­du­ellen Selbst­aus­druck, und das weckt durchaus Fanta­sie­bilder in einer inter­stel­laren und polyto­nalen Klang­land­schaft, in der musika­lische Ideen wie funkelnde Himmels­körper ihre Bahn ziehen und in andere Universen hinein strahlen. Shannon Barnett mit ihrem kraft­vollen Posau­nen­spiel beansprucht über weite Strecken das energe­tische Zentrum, während das Saxofon von Leonhard Huhn für feinen, lyrischen Glanz sorgt. Und auch die vielfach vernetzten Klänge von Synthe­sizer und Piano von Christian Lorenzen und Philip Zoubek sowie die treibende Rhyth­mus­gruppe mit Dominik Mahing am Schlagzeug komplet­tieren die intensive Einheit.

Der Stern leuchtet weiter

Foto © O‑Ton

Bewusst Jazz hören bedeutet nicht selten, über Jahre hinweg die Entwicklung heraus­ra­gender Protago­nisten zu verfolgen. Louis Sclavis gehörte vor über 30 Jahren zu den Erweckungs­er­leb­nissen für die Magie des live gespielten Jazz. Der Fixstern hat nicht aufgehört zu strahlen. Auch diverse Auftritte in Krefeld haben immer wieder die nimmermüde Entwicklung des Weltklasse-Musikers dokumen­tiert. Seine aktuelle Band India erweist sich zum Finale dieses Sommer­abends als eine der stimmigsten Forma­tionen, die Sclavis je auf die Beine gestellt hat. India schöpft lustvoll aus den modalen Struk­turen des Subkon­ti­nents, nährt in dieser Band aber daraus einem eigen­stän­digen Kosmos. Chris­tophe Lavergne am Schlagzeug, Sarah Murcia am Kontrabass, Benjamin Moussay am Piano und Olivier Laisney an der Trompete können genauso wie ihr generöser Bandleader gar nicht anders, als ständig auf höchstem Niveau Farbe zu bekennen. Sarah Murcias virtuoses Bassspiel und Chris­tophe Lavergnes rhyth­mische Präzision halten das Ensemble in Krefeld ständig auf Hochspannung. Benjamin Moussay, dessen Akkord­folgen manchmal an Inter­ven­tionen McCoy Tyners im Coltrane Quartett erinnerten, berei­chern das Ganze zusätzlich und freigeistig variabel. Derweil Louis Sclavis mit seinen nie versie­genden Erkun­dungen im ganzen Tonumfang seiner Basskla­ri­nette und Trompeter Olivier Laisney eine nicht minder aufre­gende Symbiose eingehen. Das ist wieder „typisch Sclavis“ – und dieser unver­kennbare Stil erweist sich in Krefeld als ausge­sprochen anschlussfähig.

Stefan Pieper

Teilen Sie sich mit: