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Auszug Konzertouvertüre in d-moll - Foto © O-Ton

Richard ist Leipziger

Was eigentlich sind die wahren Ursachen für seine späteren Taten? Die Antwort ist in Psycho­lo­gen­kreisen altbe­kannt: Schaut in seiner Jugend nach. Genau das unter­nimmt eine Dauer­aus­stellung in der Alten Nikolai­schule in Leipzig, die sich mit der Jugend Richard Wagners ausein­an­der­setzt. Und wirklich, da lassen sich allerlei Anhalts­punkte dafür finden, warum aus ihm der große Komponist geworden ist. Ein Besuch im Keller­ge­schoss einer ehema­ligen Schule.

Die Nikolai­schule um 1855 – Foto © O‑Ton

Leipzig ist eine Stadt großer musika­li­scher Tradition. Die Musik­stadt ist überall erlebbar, auch dank der der Leipziger Notenspur. Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert und Clara Schumann kann man in Leipzig in eigenen Museen entdecken. Bei Richard Wagner, der in der Stadt an der Pleiße geboren wurde, ist das deutlich schwie­riger. Zwar ging er hier zur Schule, hier reifte sein Entschluss, Musiker zu werden. In Leipzig fand er das notwendige Rüstzeug dafür, bekam prägende Eindrücke im Theater- und Konzert­leben und erlebte die Auffüh­rungen erster eigener Kompo­si­tionen. Dennoch unterlag das Verhältnis zu seiner Geburts­stadt Schwan­kungen, die bis in die heutige Zeit reichen. Zwar hatte sich Wagner am Ende seines Lebens mit seiner Geburts­stadt versöhnt, doch auch über seinen Tod hinaus gestaltete sich die Ausein­an­der­setzung mit seinem Werk schwierig, das gilt auch für die Auffüh­rungen der Werke Wagners in Leipzig. Erst mit der Intendanz von Ulf Schirmer, General­mu­sik­di­rektor der Oper Leipzig, begann eine Art Renais­sance seiner Werke, die einen ersten Höhepunkt hatte zu den Feier­lich­keiten zu Wagners 200. Geburtstag 2013. Da war schon der Plan gereift, alle dreizehn Bühnen­werke, also auch die drei nicht in Bayreuth gegebenen Frühwerke Die Feen, das Liebes­verbot oder die Novize von Palermo und Rienzi, der Letzte der Tribunen neu zu insze­nieren und in das Reper­toire mit aufzunehmen.

„Richard ist Leipziger“, diese Feststellung ist auch das Motto des hiesigen Richard-Wagner-Verbandes, der in den letzten Jahren eine sehr erfolg­reiche PR-Kampagne gestartet hat, um den Kompo­nisten und seine Werke wieder verstärkt in das Bewusstsein der Leipziger und der Besucher der Messe- und Musik­stadt zu rufen. So gibt es regel­mäßig einen Stand des Verbandes im Opernhaus bei Wagner-Auffüh­rungen, wo man sich mit viel Literatur vor allem über den jungen Richard Wagner eindecken kann. Im Rahmen des Festivals Wagner22 vom 20. Juni bis 14. Juli werden nun seine Werke in chrono­lo­gi­scher Aufführung zur Aufführung kommen, und für die zahlreichen Zuschauer aus der ganzen Welt gibt es eine Vielzahl inter­es­santer Beipro­gramme und Ausstel­lungen, die die Beschäf­tigung mit den Werken Wagners inten­si­viert oder sie aus einem anderen Blick­winkel betrachten lässt. Immerhin gibt es in Leipzig in der Alten Nikolai­schule eine Dauer­aus­stellung Der junge Richard Wagner 1813 – 1834, die jetzt im Rahmen von Wagner22 wieder verstärkt im Fokus des Inter­esses steht.

Am 22. Mai 1813 wurde Richard Wagner in Leipzig geboren. Von 1828 bis 1830 besuchte er die Nikolai­schule. Die klassi­zis­tische „Richard-Wagner-Aula“, die im Rahmen der Sanierung des Gebäudes von 1992 bis 1994 nach Befunden für die Zeit um 1827 restau­riert wurde, ist der einzige authen­tische Ort für das Wirken Richard Wagners in Leipzig. Hier hängt auch das Origi­nal­porträt Richard Wagners in Öl auf Leinwand des Malers Cäsar Willich von 1862, eine Leihgabe des Stadt­ge­schicht­lichen Museums.

Ausdauer und Beharrlichkeit

Wilhelmine Schröder-Devrient – Foto © O‑Ton

Anlässlich seines 200. Geburts­tages 2013 widmet sich erstmals eine Ausstellung der Kultur­stiftung Leipzig ausschließlich der Persön­lichkeit des jungen Richard Wagner, werden seine Jugend, sein Umfeld, seine musika­lische Ausbildung, die prägenden Bildungs­ein­drücke und sein Frühwerk in der Tiefe durch­drungen. Die Ausstellung ist eine notwendige Ergänzung des Wagner­mu­seums in Bayreuth, das den Fokus auf den reifen Kompo­nisten legt. Sie macht deutlich, wie ein junger Mann mit ausge­prägtem Sendungs­be­wusstsein auch unter schwie­rigen sozialen Bedin­gungen seinen Weg sucht und findet. Das Projekt möchte auch junge Menschen ansprechen, indem es zeigt, dass Ausdauer und Beharr­lichkeit wichtige Voraus­set­zungen für beruf­lichen Erfolg sind. Die Ausstellung verdeut­licht, dass der 21-jährige Wagner, als er im Juli 1834 seinen Wohnsitz in Leipzig aufgab, um eine Stellung als Kapell­meister am Magde­burger Stadt­theater anzutreten, ein weitgehend ausge­bil­deter Komponist und Dirigent war, der auf eine erstaun­liche Zahl von Kompo­si­tionen verweisen konnte, die überwiegend auch schon in Leipzig zur Aufführung gelangten. Auch war er bereits mit allen für seine Entwicklung wichtigen neuen und klassi­schen Werken der Musik und Literatur vertraut. Obwohl sein Wirken in Leipzig im Mittel­punkt steht, werden auch andere Stationen seiner Jugend beleuchtet, wie seine Kindheit in Dresden mit dem Besuch der Kreuz­schule ab 1822.

Mit 16 Jahren erlebte Wagner im April 1829 in Leipzig erstmals Beethovens Oper Fidelio mit Wilhelmine Schröder-Devrient in der Titel­rolle. Von nun an stand für ihn fest, dass er Musiker werden wollte und blieb in Leipzig. Er verfasste kurz darauf erste Klavier­so­naten in d‑Moll und f‑Moll und ein Streich­quartett in D‑Dur sowie mehrere Ouver­türen. Im Frühjahr 1830 verdiente er sich durch Korrek­tur­ar­beiten für seinen Schwager, den Verleger Friedrich Brockhaus, ein Taschengeld und begann, sich mit der Lektüre politi­scher Schriften zu beschäf­tigen. Im Sommer desselben Jahres erhielt er für kurze Zeit Geigen­un­ter­richt. Zur Neunten Symphonie Beethovens verfasste er einen Klavier­auszug. Ab 1831 studierte Wagner an der Univer­sität Leipzig Musik, außerdem nahm er Kompo­si­ti­ons­un­ter­richt beim Thomas­kantor Christian Theodor Weinlig, dem er seine Klavier­sonate in B‑Dur widmete. Das Werk erschien bereits ein Jahr später gedruckt durch den Verlag Breitkopf & Härtel. Davon und auch vom Erfolg der ersten Aufführung seiner Konzer­tou­vertüre in d‑Moll im Jahr 1832 in Leipzig angespornt, kompo­nierte Wagner weitere Konzert­stücke, unter anderem die C‑Dur-Symphonie, die noch im selben Jahr im Prager Konser­va­torium urauf­ge­führt wurde.

Dass seine ersten Jahre in Leipzig prägend für den späteren Kompo­nisten großer Musik­dramen war, das zeigt die Ausstellung im Keller der Alten Nikolai­schule. An insgesamt neun Stationen, nach Jahres­epochen gegliedert, zeugen Abbil­dungen und Artefakte von seinem Schaffen in dieser Zeit und wie seine Umgebung ihn beein­flusste. Unter­stützt wird das von vielen Musik­bei­spielen, die man sich per Kopfhörer anhören kann. Da hört man nicht nur unbekannte Frühwerke wie die Ouvertüre zu dem Theater­stück König Enzio, die Konzert-Ouvertüre Nr. 2 in C‑Dur oder die vierstimmige Vokalfuge Dein ist das Reich, eine Aufnahme mit dem Thoman­erchor Leipzig, sondern auch Ausschnitte von Carl-Maria von Webers Freischütz, Beethovens Fidelio, Marschners Der Vampyr oder von Symphonien von Mozart und Beethoven. Diese Werke haben den jungen Wagner maßgeblich beein­flusst. Dazu kommen Lesungen aus seiner Autobio­grafie Mein Leben.

Eine besonders inter­es­sante wie auch erschüt­ternde Lesung trägt den Titel Nach der Schlacht und schildert in Ausschnitten den Situa­ti­ons­be­richt des Arztes Johann Christian Reil nach der Völker­schlacht 1813, die vor allem in Leipzig und Umgebung unzählige Opfer forderte. Auch Wagners Vater starb an einer Typhus-Infektion, da war der junge Richard wenige Monate alt. Eine Video­auf­nahme zeigt Ausschnitte von der Leipziger Produktion seiner ersten Oper Die Feen, die zwar in Leipzig kompo­niert, aber erst fünf Jahre nach seinem Tode in München zur Urauf­führung kam.

Wer sich für Richard Wagner, sein Leben und seine Werke inter­es­siert, findet in dieser Dauer­aus­stellung einen wunder­baren Einstieg und gleich­zeitig auch für den histo­risch inter­es­sierten Besucher wertvolle Bilder und Dokumente. Wagner22 und das umfang­reiche Begleit­pro­gramm wird in wenigen Tagen Geschichte sein, die Dauer­aus­stellung bleibt und ist immer wieder einen Besuch wert.

Andreas H. Hölscher

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