O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Die Musik sehen

Derzeit läuft in Leipzig das Festival Wagner22. Grund, die Musik zu visua­li­sieren. Zum Beispiel, indem man Plakate längst vergan­gener Auffüh­rungen zeigt. Rund 150 grafische Erzeug­nisse kann man sich derzeit an der Alten Nikolai­schule anschauen, die Schule, die schon Richard Wagner besucht hat und die heute ein Restaurant beher­bergt. Für die einen schöne Erinne­rungen, für die anderen ein Ausbund an Interpretationsmöglichkeiten.

„Richard Wagner und der Schwan“ ist Bestandteil der Dauer­aus­stellung in der Nikolai­schule – Foto © O‑Ton

Im Rahmen des Festivals Wagner22 an der Oper Leipzig, bei dem alle dreizehn Bühnen­werke Richard Wagners in chrono­lo­gi­scher Aufführung in einem Zeitraum von drei Wochen zur Aufführung kommen, gibt es für die zahlreichen Zuschauer aus der ganzen Welt viele inter­es­sante Beipro­gramme und Ausstel­lungen, die die Beschäf­tigung mit den Werken Wagners inten­si­viert oder sie aus einem anderen Blick­winkel betrachten lässt. Eine dieser Ausstel­lungen trägt den Namen Wie hör ich das Licht und zeigt fast 150 Plakate von Auffüh­rungen der zehn im „Bayreuther Kanon“ gespielten Werke von Richard Wagner, also vom Fliegenden Holländer bis zum Parsifal in der Alten Nikolai­schule. Das Besondere an dieser Ausstellung ist einmal der Ort an sich. Richard Wagner selbst war von 1828 bis 1830 Schüler an der Nikolai­schule, und eine Dauer­aus­stellung Der junge Richard Wagner erinnert seit dem 22. Mai 2013, dem 200. Geburtstag Wagners, an seine jungen Jahre in seiner Geburts­stadt Leipzig.

Im Lichthof der Nikolai­schule bemisst sich die riesige rückwärtige Betonwand auf circa 350 qm und einer Höhe von18 Metern. Sie wurde durch ihre beispiellose Moder­nität mehrfach ausge­zeichnet in der Rubrik „Weiter­bauen am Denkmal“. An dieser Betonwand hängen nun fast 150 Plakate aus aller Welt zu Wagner-Auffüh­rungen, die der Kurator Klaus Billand in seiner 21-jährigen Tätigkeit als Musik­kri­tiker rezen­siert und seit 26 Jahren die Plakate gesammelt hat. Als Leihgabe werden sie bis zum 15. Juli 2022 – ehe sie zu den Bayreuther Festspielen 2022 weiter gehen – dem Leipziger Publikum gezeigt werden. Die Ausstellung ist eine Koope­ration mit der Kultur­stiftung Leipzig.

Um die Ausstellung ganz zu erschließen, muss man Treppen steigen – Foto © O‑Ton

Es sind einzig­artige, manchmal skurril, oft sehr tradi­tionell, aber auch futuris­tisch anmutende Kunst­werke, die zeigen, welchen Einfluss das Werk Richard Wagners auf die Fantasie der grafi­schen Künstler nahm. In einer bunten Peters­burger Hängung kann der Besucher sie von unten oder oben, über Treppen steigend, auf sich wirken lassen. Hier kommen Plakate und Archi­tektur in einer einma­ligen Symbiose zusammen. Der Titel kommt nicht von ungefähr, denn Wagner lässt Tristan im dritten Aufzug von Tristan und Isolde im Fieberwahn singen: „Wie hör ich das Licht?“ Das Licht hören, eigentlich ein Ding der Unmög­lichkeit, doch Wagner lässt die Grenzen zwischen akusti­scher und visueller Wahrnehmung verschwimmen, und genau das bezweckt auch die Ausstellung, oder wie Billand, der seit 55 Jahren in die Oper geht, es in seiner Einführung zur Ausstellung formu­liert: „Wie seh‘ ich die Musik?“ Und tatsächlich, beim Anblick der Plakate werden Assozia­tionen wach zu den vielen Wagner-Auffüh­rungen, die man selbst gesehen hat.

Billand hat die Plakate auf der ganzen Welt in einem Zeitraum von mehr als einem Viertel­jahr­hundert zusam­men­ge­tragen und gesammelt, natürlich die Vorstel­lungen selbst besucht. Schwer­punkt der Ausstellung sind Plakate vom Ring des Nibelungen, von Buenos Aires bis Wien, von Bari bis Wroclaw, von Cottbus bis Riga, von Shanghai bis Melbourne. Oft sind diese Plakate mytho­lo­gisch stili­siert mit einer enormen assozia­tiven Aussa­ge­kraft. Auf einem Plakat ist die große Birgit Nilsson abgebildet, auf einem anderen ein großer Schuh zu den Meister­singern von Nürnberg. Wenn man sich Zeit nimmt und die Farben­pracht und die geweckten Assozia­tionen auf sich wirken lässt, dann „hört man das Licht“ und „sieht die Musik“. Und so erzählen die Plakate ihre eigene Geschichte und sind ein Zeitdo­kument Wagner­scher Inter­pre­tation und Darstellung.

Für die Besucher von Wagner22 in Leipzig ist die Ausstellung bei freiem Eintritt ein Muss, eine derartige Sammlung sieht auch der erfahrene Wagne­rianer nicht jeden Tag.

Andreas H. Hölscher

Teilen Sie sich mit: