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Foto © Thomas Stimmel

Mit Weitblick

Der Dirigent Andreas Vogler erkundet mit seiner Camerata Sinfonica München neue Wege in der Münchner Orches­ter­land­schaft. Vor allem die Jugend, aber auch die Verbindung von Profis und Amateuren liegen ihm am Herzen. Experi­mente werden aller­dings vor der Drohku­lisse weiterer Etatkür­zungen immer schwieriger.

Andreas Vogler – Foto © Thomas Stimmel

Wie andernorts ist auch das Münchner Selbst­ver­ständnis als Musik­stadt durch drohende Kürzungen im Kulturetat von 16,8 Millionen Euro angekratzt. Durch das Reduzieren des Veran­stal­tungs­an­ge­botes und die Gefährdung von Ensem­blestellen erhöhen sich die Sorgen um den Nachwuchs – sowohl auf der Seite des Publikums als auch auf der der Künstler. Beide hat der freischaf­fende Dirigent Andreas Vogler schon seit längerem im Blick, der genera­ti­ons­be­zogen selbst in einer Position zwischen der rasanten Vermarktung von Senkrecht­startern – und verstärkt auch Senkrecht­star­te­rinnen – und von Pultlöwen der älteren Generation agiert. Mitten in der Corona-Pandemie hat Vogler 2021 mit der Camerata Sinfonica München ein Side-by-Side-Projekt etabliert. Diese Form gemein­samer Proben und Konzerte von Profis an der Seite von Nachwuchs­mu­sikern hat sich seit den 1990-er Jahren, in Anlehnung an Bildungs- und Ausbil­dungs­kon­zepte in anderen Berufen, vor allem von Orchestern im englisch­spra­chigen Raum ausgehend etabliert. Seit 2021 werden von der Camerata Sinfonica München nach diesem Modell also Programme von Orches­ter­mu­sikern mit langjäh­riger Berufs­er­fahrung gemeinsam mit Musik­stu­denten und Amateur­instru­men­ta­listen erarbeitet. Über die Idee einer Orches­ter­gründung hatte Vogler mit Kollegen sogar schon rund zwei Jahre vor dem Ausbruch der Pandemie disku­tiert, um „künst­le­rische und organi­sa­to­rische Unabhän­gigkeit zu erzeugen. So schlimm Corona für die Musik und überhaupt im ersten Moment auch war, konnten wir die Lockdown-Zeit nutzen, um uns mit den Organi­sa­ti­ons­struk­turen von Orchester- und Vereins­wesen ausein­ander zu setzen.“

Das erste Konzert­pro­gramm der Camerata Sinfonica wurde in einer Phase von eineinhalb Monaten mit gelockerten, aber noch keineswegs aufge­ho­benen Restrik­tionen für den Musik­be­trieb durch­ge­führt: mit Masken und erwei­terten Abständen zwischen den Noten­pulten. „Die Fagotti waren von den ersten Geigen gefühlt 30 Meter entfernt. Aber auch wenn der Konzert­ablauf stark durch die Corona­maß­nahmen regle­men­tiert war – wir zum Beispiel keine Pause hatten und sich das Publikum dort nicht begegnen konnte, war es mit Mendels­sohns Hebriden-Ouvertüre und Beethovens Zweiter Symphonie doch ein großar­tiges sympho­ni­sches Projekt, das Musiker und Publikum sehr glücklich gemacht hat“, erinnert Vogler sich. Seit dem Start bleibt für Vogler in Bezug auf den Side-by-Side-Aufbau des Orchesters bei einem Programm wie dem aktuellen, mit dem Vorspiel zum dritten Aufzug von Wagners Tristan und Isolde, Schumanns Cello­konzert und Brahms Zweiter Symphonie, auch die Frage nach der Proben­struktur entscheidend. „Mit wie vielen Proben kann man Profi­mu­siker belasten, und wie viele Proben brauchen Amateure oder Musik­stu­denten, um ein exzel­lentes künst­le­ri­sches Ergebnis zu erzielen? Momentan machen wir immer Streicher-Vorproben mit den Amateuren, dann kommen die Profis dazu. Das sind dann trotzdem noch fünf bis sechs Tutti-Proben, die wir haben, mit profes­sio­nellen Orches­ter­mu­sikern“, erzählt er. Eine solche Einteilung bewährt sich gerade angesichts im Lauf der Jahre länger und komplexer gewor­dener Programme, bei denen sich auch für angehende Profis nicht „alles vom Blatt“ spielt. Reizvoll an der Orches­ter­zu­sam­men­setzung findet Vogler neben den verschie­denen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nissen – mit Instru­men­tal­lehrern, Angehö­rigen mehrerer Projektorchester und festen Mitglieder der staat­lichen oder städti­schen Klang­körper – die Alters­struktur „von 18 bis 60 Jahren“. In einer solchen Konstel­lation zu arbeiten, bedeutet für den Dirigenten, bei aller Unabhän­gigkeit im Vergleich zu den Dienst­plänen in einem ganzjäh­rigen Spiel­be­trieb, im Voraus einen größeren Planungs­aufwand. Mit dem langfris­tigen Ansetzen und Organi­sieren von Proben hat Vogler aber schon seit jungen Jahren, auch als Leiter von Jugend- und Studen­ten­en­sembles, Erfah­rungen gesammelt, weshalb er selbst die Termi­nierung der Proben mit einem halben Jahr Vorlauf festlegt und koordi­niert, um früh für große Konzertsäle wie den Münchner Herku­lessaal dispo­nieren zu können. Mit so viel Weitblick bleibt auch noch genug Zeit für die künst­le­rische Vorbe­reitung der Parti­turen. Als einen wichtigen Impuls­geber und Mentor für eine solche Arbeits­weise nennt Andreas Vogler aus seiner dirigen­ti­schen Ausbildung und aus Meister­kursen vor allem den US-ameri­ka­ni­schen Dirigenten John Axelrod, dem er auch Tipps und Empfeh­lungen für die Bewerbung um Förder­mittel verdankt.

Die Jugend mit ins Boot holen

An die CSM-Orches­ter­or­ga­ni­sation, unter deren Dach die Camerata Sinfonica München musiziert, ist seit dem Frühjahr 2023 auch eine Musik­ver­mitt­lungs­ab­teilung angegliedert, geleitet von der Sopra­nistin Elif Aytekin, die in Zusam­men­arbeit mit der Deutschen Orches­ter­stiftung und mehreren Schulen das junge Konzert­pu­blikum im Blick hat – besonders als Perspektive für die Zukunft. „Grund­sätzlich ist die Ideal­vor­stellung von einem Publikum: ein empfäng­liches Publikum, das offene Ohren hat und das fühlt und sich darin findet, was wir auf der Bühne machen“, weiß Vogler. Workshops in Schul­klassen, bei denen unter anderem der Klang einzelner Instru­mente erläutert wird, schließen sich Proben- und Vorstel­lungs­be­suche von Schülern bei den Konzerten der Camerata Sinfonica an. Proben­be­suche bieten Schülern beispiels­weise die wichtige Erkenntnis, dass auch etwas schief­gehen könne und sich aber korri­gieren lasse, hebt Vogler hervor. Und aus seiner Sicht müsste gerade in den Schulen, den Kürzungen von Unter­richts­stunden in Kunst und Musik zum Trotz, vorbe­reitend darauf hinge­wirkt werden, dass die Gesell­schaft empfänglich für die Emotionen bleibt, die von Musikern trans­por­tiert werden. Denn das sei für den Stellenwert der Musik und ihre weitere Förderung entscheidend. So merkt Andreas Vogler diesbe­züglich an, dass wir uns schon bei jungen Menschen darum kümmern müssen, Schwel­len­ängste abzubauen. Wenn es die Möglich­keiten gibt, soll die Musik­päd­agogik in den Schulen so nah wie möglich an den Instru­menten oder am Gesang dran sein, „die Schwin­gungen spüren“, sagt Vogler. „Wir müssen in den Schulen so viel Kunst und Musik wie möglich unter­richten lassen – denn das erzieht freie Köpfe und wird unsere Gesell­schaft vor der Ignoranz und Stumpfheit retten, die vielleicht sogar irgendwann das Potenzial hat, unseren Frieden und unsere Freiheit zu bedrohen.“

Mit Schön­bergs Verklärte Nacht und einer Kammer­fassung von Verdis La Traviata plant die CSM-Orches­ter­or­ga­ni­sation in Zukunft auch den Start­schuss zu einer Erwei­terung der Vereins­ab­tei­lungen um theatrale Formen: Im Aufbau befindet sich das Isaria-Kollektiv, eine Koope­ration von Münchner Musikern, Schau­spielern, Tänzern und bildenden Künstlern, die in sparten­über­grei­fenden Perfor­mances, Kammer­opern und Sinfo­nie­kon­zerte zu erleben sein werden. „… mit einem hochka­rä­tigen Kammer­or­chester als Kern, um das herum verschiedene Formate erkundet werden. Aber auch dort werden wir mit Unter­stützung unseres Vereins und unserer Vermitt­lungs­ab­teilung Schüler einladen, in die Vorstel­lungen und bereits in die Proben zu kommen. Gerade für Jugend­liche könnte es ja auch noch inter­es­santer als bei einer Sympho­nie­probe sein, die Zusam­men­arbeit von Musikern und beispiels­weise Tänzern zu verfolgen.“ Für die finan­zielle Grund­si­cherung der Aktivi­täten des gemein­nüt­zigen Orches­ter­vereins ist das Kultur­re­ferat der Landes­haupt­stadt München sicherlich der wichtigste Partner, weshalb die eingangs erwähnten Kürzungen dort von Vogler auch mit Besorgnis wahrge­nommen werden. Aber auch viele ehren­amt­liche Mitstreiter des Vereins, wie Ercan Tuna für das grafische Erschei­nungsbild, tragen erheblich zum künst­le­ri­schen Profil bei. Für die nächsten Jahre wünscht sich Vogler daher vor allem, dass „der Verein die Musiker fair bezahlen kann, und dass wir alle sorgenfrei Kunst machen können“.

Sebastian Stauss

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