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Die Pinakothek der Moderne, die Galerie Thomas, beide München, und das Franz-Marc-Museum in Kochel präsentieren vom 23. Februar bis zum 9. Juni zusammen mehr als 210 Werke von Paul Klee. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Bindung des Malers an die Musik – und Musiker seiner Zeit. Ein umfangreiches Rahmenprogramm zeigt Hintergründe und Bezüge zur Gegenwart.

In Bayern findet zurzeit eine größer angelegte Retrospektive zu dem bedeutenden deutsch-schweizerischen Künstler Paul Klee statt, der seine Zeit als auch die Moderne nachhaltig prägte. Geboren in eine Musikerfamilie in der Nähe von Bern zeigte er seine künstlerischen Neigungen als Dichter Maler oder Musiker ebenbürtig. Als Schüler verfasste er einen Faust III oder glänzte mit seinem Violinspiel. Er entschied sich für das Studium der Malerei in München und der Malerei als Beruf und Berufung. Seine Begeisterung für die Musik aber blieb bestehen. Zwischendurch hielt er sich als Kritiker von Opernaufführungen und Konzerten nach dem Abbruch seines Studiums über Wasser. Seine literarischen Texte zeugen von Philosophie und kritischer Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen als auch seiner Auseinandersetzung mit seiner künstlerischen Berufung und der Quelle seiner Genialität. Die Suche nach dem Gleichgewicht der Kräfte sowie die Balance zwischen Verstand und Mysterium verarbeitet er in verschiedenen Schriften sowie in seinen fein ausgearbeiteten und bis heute wissenschaftlich anerkannten Aufzeichnungen für seine Lehrtätigkeit am Bauhaus.
Die nun in der Pinakothek der Moderne, der Galerie Thomas und dem Franz-Marc-Museum in Kochel gemeinsam gestalteten Ausstellungen greifen bewusst und ausführlich die Kunst und Leidenschaft Paul Klees für Musik und Theater in seinem Werk mit auf. Zeit seines Lebens pflegte er intensiven Kontakt zu Musikern und stand der Musik sehr nahe. Mit seiner Frau, der Pianistin Lily Stumpf, trat er immer wieder in kleinerem Rahmen auf oder spielte Violine in einem Quartett. Seine metaphysischen Auseinandersetzungen blieben auch für Komponisten nicht ohne Auswirkung. Geschätzte 450 Kompositionen haben Bezug zu Gemälden von Paul Klee sowie zu seinen literarischen Schriften. Werke der Komponisten Stravinsky, Penderecki oder Boulez zählen dazu, und ihre Schöpfer fühlten sich zu seinen Theorien hingezogen.
Diesem Einfluss widmen sich verschiedene begleitende Abendveranstaltungen, um die Persönlichkeit Paul Klees besser kennenzulernen und sein Gedankengut zu vermitteln. So liest der Schauspieler Stefan Hunstein mit Darstellungskraft aus dem Briefwechsel mit dessen Freund Franz Marc an der Front vor. Berührend die Stimmungslage der beiden Künstler. Der eine verzweifelt an der Front, dem der Idealismus am Krieg zum Verhängnis wird und der andere, der spät eingezogen wurde, scharfe politische Kritik übt und am Flugzeughangar Dienst tut. Vorgetragen wird auch das Pamphlet Paul Klees auf den Krieg nach dem Tod des Freundes. Hier zeigt sich, wie wortgewaltig der introvertierte Künstler auftreten konnte. Die Geigerin Susanne Andres trägt anschließend ein zeitgenössisches Werk des Komponisten Jürg Wyttenbach vor. Harmonie mit schräger Dämpfung nennt er treffend sein Werk nach sieben Gedichten von Paul Klee. Er überschreitet dabei Grenzen, schräge Harmonien gehören genauso dazu wie empfindsame sphärische Tonfolgen. Die Künstlerin ist gefordert, singt und spielt die Stücke mit Esprit und Gefühl.
Diese Komposition zeigt lebendig den Einfluss von Paul Klee auf Komponisten bis zur Gegenwart. Genauso schuf er eine Vielzahl von Werken, die Themen oder Motive von Opern oder Bühnenwerken aufgreifen. Die sind thematischer Gegenstand der Ausstellung in der Galerie Thomas. Das Bildnis Fiordiligi nach Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart, ist eines der ausdruckstärksten davon und zentrales Ausstellungsstück. Es zeigt, eingebettet in einen sandfarben schlicht gehaltenen Hintergrund, eine mit ihrem Gewissenkonflikt hadernde junge Frau. Sie klammert sich fest am Uniformhut, Symbol ihres in den Krieg gezogenen Verlobten, aber die Avancen des unbekannten Jünglings zeigen bereits ihre Wirkung. Das in seinem typischen an Kinder erinnernden Malstil. Sein bewusst gewähltes Stilmittel, um eine reine, wahre Aussage zu verstärken. Auch musikalische Symbole wie Violinschlüssel oder Notenzeilen finden sich in seinem Werk als Ausdrucksmittel wieder.
1940 verstarb Paul Klee im Alter von 64 Jahren, bis heute ist er der bedeutendste deutsche Künstler der Moderne. Lebendig und spannend ist die horizonterweiternde Begegnung mit dieser Künstlerpersönlichkeit und öffnet neue Wege des Verständnisses seiner Werke und der von ihm beeinflussten Zeitgenossen und Weggefährten.