O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Pinakothek der Moderne - Foto © Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Harmonie mit schräger Dämpfung

Die Pinakothek der Moderne, die Galerie Thomas, beide München, und das Franz-Marc-Museum in Kochel präsen­tieren vom 23. Februar bis zum 9. Juni zusammen mehr als 210 Werke von Paul Klee. Einen beson­deren Schwer­punkt bildet die Bindung des Malers an die Musik – und Musiker seiner Zeit. Ein umfang­reiches Rahmen­pro­gramm zeigt Hinter­gründe und Bezüge zur Gegenwart.

Fiordiligi von Paul Klee – Foto © Galerie Thomas

In Bayern findet zurzeit eine größer angelegte Retro­spektive zu dem bedeu­tenden deutsch-schwei­ze­ri­schen Künstler Paul Klee statt, der seine Zeit als auch die Moderne nachhaltig prägte. Geboren in eine Musiker­fa­milie in der Nähe von Bern zeigte er seine künst­le­ri­schen Neigungen als Dichter Maler oder Musiker ebenbürtig. Als Schüler verfasste er einen Faust III oder glänzte mit seinem Violin­spiel. Er entschied sich für das Studium der Malerei in München und der Malerei als Beruf und Berufung. Seine Begeis­terung für die Musik aber blieb bestehen. Zwischen­durch hielt er sich als Kritiker von Opern­auf­füh­rungen und Konzerten nach dem Abbruch seines Studiums über Wasser. Seine litera­ri­schen Texte zeugen von Philo­sophie und kriti­scher Ausein­an­der­setzung mit den gesell­schaft­lichen und politi­schen Entwick­lungen als auch seiner Ausein­an­der­setzung mit seiner künst­le­ri­schen Berufung und der Quelle seiner Genia­lität. Die Suche nach dem Gleich­ge­wicht der Kräfte sowie die Balance zwischen Verstand und Mysterium verar­beitet er in verschie­denen Schriften sowie in seinen fein ausge­ar­bei­teten und bis heute wissen­schaftlich anerkannten Aufzeich­nungen für seine Lehrtä­tigkeit am Bauhaus.

Die nun in der Pinakothek der Moderne, der Galerie Thomas und dem Franz-Marc-Museum in Kochel gemeinsam gestal­teten Ausstel­lungen greifen bewusst und ausführlich die Kunst und Leiden­schaft Paul Klees für Musik und Theater in seinem Werk mit auf. Zeit seines Lebens pflegte er inten­siven Kontakt zu Musikern und stand der Musik sehr nahe. Mit seiner Frau, der Pianistin Lily Stumpf, trat er immer wieder in kleinerem Rahmen auf oder spielte Violine in einem Quartett. Seine metaphy­si­schen Ausein­an­der­set­zungen blieben auch für Kompo­nisten nicht ohne Auswirkung. Geschätzte 450 Kompo­si­tionen haben Bezug zu Gemälden von Paul Klee sowie zu seinen litera­ri­schen Schriften. Werke der Kompo­nisten Stravinsky, Penderecki oder Boulez zählen dazu, und ihre Schöpfer fühlten sich zu seinen Theorien hingezogen.

Diesem Einfluss widmen sich verschiedene beglei­tende Abend­ver­an­stal­tungen, um die Persön­lichkeit Paul Klees besser kennen­zu­lernen und sein Gedan­kengut zu vermitteln. So liest der Schau­spieler Stefan Hunstein mit Darstel­lungs­kraft aus dem Brief­wechsel mit dessen Freund Franz Marc an der Front vor. Berührend die Stimmungslage der beiden Künstler. Der eine verzweifelt an der Front, dem der Idealismus am Krieg zum Verhängnis wird und der andere, der spät einge­zogen wurde, scharfe politische Kritik übt und am Flugzeug­hangar Dienst tut. Vorge­tragen wird auch das Pamphlet Paul Klees auf den Krieg nach dem Tod des Freundes. Hier zeigt sich, wie wortge­waltig der intro­ver­tierte Künstler auftreten konnte. Die Geigerin Susanne Andres trägt anschließend ein zeitge­nös­si­sches Werk des Kompo­nisten Jürg Wyttenbach vor. Harmonie mit schräger Dämpfung nennt er treffend sein Werk nach sieben Gedichten von Paul Klee. Er überschreitet dabei Grenzen, schräge Harmonien gehören genauso dazu wie empfindsame sphärische Tonfolgen. Die Künst­lerin ist gefordert, singt und spielt die Stücke mit Esprit und Gefühl.

Diese Kompo­sition zeigt lebendig den Einfluss von Paul Klee auf Kompo­nisten bis zur Gegenwart. Genauso schuf er eine Vielzahl von Werken, die Themen oder Motive von Opern oder Bühnen­werken aufgreifen. Die sind thema­ti­scher Gegen­stand der Ausstellung in der Galerie Thomas. Das Bildnis Fiordiligi nach Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart, ist eines der ausdruck­stärksten davon und zentrales Ausstel­lungs­stück. Es zeigt, einge­bettet in einen sandfarben schlicht gehal­tenen Hinter­grund, eine mit ihrem Gewis­sen­kon­flikt hadernde junge Frau. Sie klammert sich fest am Uniformhut, Symbol ihres in den Krieg gezogenen Verlobten, aber die Avancen des unbekannten Jünglings zeigen bereits ihre Wirkung.  Das in seinem typischen an Kinder erinnernden Malstil. Sein bewusst gewähltes Stilmittel, um eine reine, wahre Aussage zu verstärken. Auch musika­lische Symbole wie Violin­schlüssel oder Noten­zeilen finden sich in seinem Werk als Ausdrucks­mittel wieder.

1940 verstarb Paul Klee im Alter von 64 Jahren, bis heute ist er der bedeu­tendste deutsche Künstler der Moderne. Lebendig und spannend ist die horizont­er­wei­ternde Begegnung mit dieser Künst­ler­per­sön­lichkeit und öffnet neue Wege des Verständ­nisses seiner Werke und der von ihm beein­flussten Zeitge­nossen und Weggefährten.

Helmut Pitsch

Teilen Sie sich mit: