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Alexander May, Joachim Rulfs, Guido Assmann, Marion Hardegen und Joachim Braun (v.l.n.r.) - Foto © O-Ton

Orte der Begegnung

Immer mehr Stadt­theater erkennen die Notwen­digkeit, sich stärker in der städti­schen Gesell­schaft zu verankern. Dabei sind die gewählten Formate so bunt wie das Theater­leben selbst. Das Rheinische Landes­theater Neuss versucht jetzt, mit einem neuen Gesprächs­format Bürger auch außerhalb der Auffüh­rungs­be­suche für die Aktivi­täten des Theaters zu inter­es­sieren. Die Idee ist löblich, in der Ausführung hapert es bei der Premiere noch ein wenig.

Alexander May leitet die erste Veran­staltung von Extra­klang. – Foto © O‑Ton

Die Stadt­theater in Deutschland haben keinen leichten Stand. In vielen Gegenden sind sie kaputt­ge­kürzt bis ans Existenz­mi­nimum, große Sprünge sind da nicht mehr drin. Andere versuchen, sich gegen konkur­rie­rende Unter­hal­tungs­an­gebote mit einem inter­es­santen Programm durch­zu­setzen. Und neuer­dings müssen sich die Kultur­in­sti­tu­tionen in vielen Kommunen auch noch gegen Versuche der politi­schen Einfluss­nahme von rechts­außen zur Wehr setzen. Längst hat sich in den Köpfen der Bürger festge­setzt, dass Theater teuer für das Gemeinwohl sind und die Eintritts­preise für die Mehrheit der Bürger dennoch immer teurer werden, für manche gar – zumindest gefühlt – unerschwinglich sind. Kurzum, es gibt keinen Grund mehr, das Theater zu besuchen. Damit wird den Theatern ihre Daseins­be­rech­tigung entzogen, die sie selbst darin sehen, am öffent­lichen Diskurs teilzuhaben.

Es sei dahin­ge­stellt, inwieweit sich die Theater selbst in diese Situation gebracht haben. Wichtiger ist, dass immer mehr Häuser erkennen, wie bedrohlich die Lage ist und daran arbeiten, der Bredouille zu entfliehen. Die Fantasie ist gefragt. Die Bürger müssen in die Theater zurück­kehren und sich am dortigen Diskurs beteiligen.

Das Rheinische Landes­theater Neuss ist vergleichs­weise gut aufge­stellt. Die Finan­zierung ist gesichert, die Auffüh­rungen sind gut besucht und auch erfreulich gut an andere Häuser verkauft, wie es Aufgabe des Landes­theaters ist. Gerade in dieser noch durchaus komfor­tablen Situation sieht Inten­dantin Caroline Stolz die Notwen­digkeit, das Theater weiter in die Stadt zu öffnen. Und so gibt es seit Anfang dieses Jahres die Veran­staltung Extra­klang, ein kleines Format, bewusst niedrig­schwellig und bei freiem Eintritt angelegt.

Einmal mehr traut sich das Theater nicht aus den Mauern des eigenen Hauses hinaus. Und so findet die Veran­staltung im Theatercafé Diva statt. Nicht die schlech­teste Wahl, weil das Café dank seiner Glasfront ebenerdig Trans­parenz vermittelt und bereits eine Art Minibühne in Form einer Rundcouch vorsieht, für die es sogar eigene Licht­spots gibt. An diesem Nachmittag wird aller­dings auf alle theatra­li­schen Mittel verzichtet. Auf der roten Couch nehmen fünf Personen Platz, die mit zwei Mikro­fonen ausge­stattet sind. Ihnen gegenüber sitzen vielleicht fünfzehn Personen. Das Publikum. Eine zufrie­den­stel­lende Anzahl von Menschen, wenn man bedenkt, dass es vor dem Café nicht einmal irgend­einen Hinweis auf die Veran­staltung gibt.

Inter­es­sante Statements

Das Spiel­zeit­motto des Landes­theaters lautet „Was ist Familie?“. Da liegt es nahe, die Auftakt­ver­an­staltung zu Extra­klang unter das Thema „Wozu Familie?“ zu stellen, möchte man meinen. Aller­dings löste das im Vorfeld nichts aus. Weder bei denen, die in einer Familie leben, weil die zu wissen glauben, wozu. Noch bei denen, die sich nicht im Famili­en­verbund aufge­hoben fühlen. Die glauben zu wissen, warum sie keine Familie brauchen, ihr womöglich gerade entflohen sind. Alexander May, volltönend in das Amt des Leitenden Drama­turgen und damit Stell­ver­tre­tenden Inten­danten einge­stiegen, aber bereits zum Ende des Monats gekündigt, eröffnet die Gesprächs­runde. Ihm gelingt ein durchaus drama­ti­scher Einstieg. Denn er hat sich entschieden, seine Spitzen­po­sition im Theater zugunsten familiärer Umstände aufzu­geben. Das geht gleich mal unter die Haut. Auch Co-Moderator Joachim Rulfs, Vorsit­zender des Vereins der Freunde und Förderer des Rheini­schen Landes­theaters, erzählt als Allein­le­bender ausge­sprochen sympa­thisch von seiner schwie­rigen Beziehung zum Begriff Familie. Bei Marion Hardegen, Street­wor­kerin, die sich um junge Menschen ohne Famili­en­bezug kümmert, möchte man grübeln, wenn sie erzählt, dass sie glücklich verhei­ratet sei und drei Kinder habe. Joachim Braun vom Famili­en­bil­dungswerk Edit Stein, entwi­ckelt gar Visionen für ein zukünf­tiges Zusam­men­leben von Familien, das er gerade in die Wirklichkeit umsetzen möchte. Guido Assmann, der aus dem Quirinus-Münster herüber­ge­kommen ist, wo er als Monsi­gnore arbeitet, öffnet sich ebenfalls und erzählt vom Elternhaus und seinen Freundeskreisen.

Nach dem gelun­genen Einstieg hätte man sich mehr erwartet als die Anein­an­der­reihung von State­ments. Auch wenn sich May und Rulfs bemühen, ein Gespräch in Gang zu bringen, bleibt es dabei. Immerhin kann man nach dem Austausch allgemein bekannter Gegeben­heiten auch als Besucher noch ein paar Erkennt­nisse mitnehmen. Etwa, wenn Braun von der „erschöpften Familie“ spricht. Also der herkömm­lichen Famili­en­struktur, die nach wie vor die Norma­lität darstellt, aber unter den herrschenden Bedin­gungen einfach nicht mehr die Kraft findet, aus den persön­lichen Bindungen ebenjene zu schöpfen. Auch die Forderung nach unkom­mer­zi­ellen Begeg­nungs­stätten verhallt nicht ungehört, die der Isolation von Familien entgegenwirkt.

Nach einer erschöp­fenden Stunde kommen auch noch zwei Menschen aus dem Publikum zu Wort. Das Ende der Geschichte: Hier muss ein bisschen mehr passieren, um die Bürger der Stadt in den Dialog zu bringen. Eine gute Idee, halbherzig umgesetzt. Großartige Gäste, die ihre State­ments zum Besten geben, reichen nicht. Also: Nachdenken. Und dann kann sich aus dieser Veran­staltung auch ein inter­es­santes Format entwi­ckeln. In zwei Monaten gibt es die nächste Möglichkeit.

Michael S. Zerban

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