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Friederike Caroline Neuber hatte Visionen bezüglich eines neuen Theaters, für die sie sich zeitlebens einsetzte. Am Ende scheiterte sie – und begründete das bürgerliche Theater, das bis heute existiert. John von Düffel hat ihr mit seinem Stück Die Prinzipalin ein Denkmal gesetzt, das am 20. September als Uraufführung im Rheinischen Landestheater Neuss gezeigt wird. Nicht die erste Auseinandersetzung mit dem Stoff.

Am 7. Januar 1999 fand im Tanzhaus NRW in Düsseldorf die Uraufführung von Die Neuberin statt, ein Stück, dass das Theater der Klänge unter Leitung von Jörg U. Lensing zwei Jahre lang entwickelt hatte. Es befasste sich mit einer der vielleicht wichtigsten Personen der deutschen Theatergeschichte, Friederike Caroline Neuber. Die Neuberin – die Passion einer deutschen Prinzipalin war die erste große Theaterstoffentwicklung des Theaters der Klänge. Das Thema wurde von den Autoren Clemente Fernandez und Lensing in den Jahren 1997 und 98 zu einem Theaterstoff entwickelt, der in 24 Szenen das Leben der Neuberin von ihrem 19. Lebensjahr bis zu ihrem Tod reflektiert. Das dreieinhalbstündige Theaterstück erlebte 20 Aufführungen in Düsseldorf, Essen, Köln, Gotha, Weimar und Zwickau.
Caroline Weißenborn hatte wahrhaftig keine allzu schöne Kindheit. Geboren im März 1697 in Reichenbach im Vogtland, wuchs sie ab ihrem fünften Lebensjahr bei ihrem Vater, dem Zwickauer Advokaten und Gerichtsdirektor Daniel Weißenborn, auf. Der schreckte vor Züchtigungen nicht zurück. Von einem Peitschenschlag behielt sie zeitlebens eine Narbe im Gesicht. Als sie mit 15 einen Fluchtversuch unternahm, wurde sie von ihrem Vater des Ungehorsams und Diebstahls angeklagt und zu dreizehn Monaten Haft verurteilt. Schließlich floh sie 1717 mit ihrem Geliebten Johann Neuber, einem Gehilfen ihres Vaters, und schloss sich einer Schauspieltruppe an. Schauspieler galten zu dieser Zeit als sittenloses, unehrliches Gesindel. Ein Jahr nach der Flucht heiratete sie Neuber. Neun Jahre später ließ die Neuberin, die als scharfsinnig, ausdauernd, gewandt und kühn, mitunter als verwegen beschrieben wird, ein feststehendes Theater in Leipzig errichten. Die Neuberin achtete streng auf die Moral und Disziplin der Schauspieler, bildete sie künstlerisch aus, mietete Unterkünfte an und zahlte feste Gehälter.
Neben den sozialen Neuerungen führte die Neuberin ein neues Theater ein, das sich vorwiegend mit Themen des Bürgertums befasste. Auch wenn beim einfachen Volk die Vorstellungen sehr beliebt waren, wollte das Bildungsbürgertum nichts mit den Schauspielern zu tun haben. Sie galten als schmutzige Menschen mit derben Umgangsformen und waren materiell verarmt. Das Publikum bevorzugte zu jener Zeit „Hanswursttheater“ und Oper. 1737 verbannte Neuber in einem Stück symbolisch den Hanswurst als Sinnbild für das alte Theater von der Bühne. 1760 zog sich Neuber nach Laubegast zurück, wo sie von der Bühne gänzlich zurückgezogen in bitterer Armut verstarb.
John von Düffel, frisch bestallter Intendant des E.T.A.-Hoffmann-Theaters in Bamberg, hat das Thema erneut aufgegriffen und in seinem Stück Die Prinzipalin verarbeitet. Dabei ist ihm die Gegenwartsperspektive wichtig. Die Inszenierung von Hausregisseur und stellvertretendem Intendanten Dirk Schirdewahn will zeigen, wie die Vision einer jungen Frau durch Proben, Räume und Spielweisen zum Leben erwacht. „Wie in einem guten Thriller“ gehe es in Die Prinzipalin um Macht, Führung und die Frage, wie historische Entscheidungen nicht nur das Theater – sondern unsere ganze heutige Gesellschaft prägen. Geschichte und Gegenwart sollen sich auf der Meta-Ebene der realen Neusser Theaterbühne zu einer lebendigen Debatte darüber verweben, wie viel Relevanz Rollenbilder heute haben und wer das Theater führt.
Seit 2004 ist die gebürtige Österreicherin Hergard Engert am Rheinischen Landestheater Neuss engagiert und wird jetzt die Rolle der Neuberin übernehmen. „Engert trägt die Hauptrolle mit Klugheit, Witz und einer gehörigen Portion Mut – sie bleibt nah an der Gegenwart, ohne in Nostalgie abzudriften“, heißt es aus dem Theater.
Neben Engert treten Benjamin Schardt, Simon Rußig, Annalisa Hohl, Stefan Siebert und Stefan Schleue auf. Für Bühnenbild und Kostüme sorgt Christina Kirk. Die Musik zum Stück hat Mylène Kroon komponiert. Die Uraufführung findet am 20. September um 19.30 Uhr auf der Großen Bühne im Rheinischen Landestheater Neuss statt, zwei weitere Aufführungen sind vorgesehen.
Michael S. Zerban