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Eine Weltbühne nennen sich die Ruhrfestspiele Recklinghausen, die in diesem Jahr vom 1. Mai bis zum 17. Juni stattfinden. Es werden die letzten Festspiele unter der Ägide von Intendant Frank Hoffmann werden, der zum Abschied dem Begriff Heimat nachspürt.

Die Frage, die Frank Hoffmann bei der Vorstellung des Festspielprogramms 2018 aufwirft, beschäftigt seit einiger Zeit die Kulturszene: Was ist Heimat? Angesichts der aktuellen Schließung der letzten beiden Zechen im Ruhrgebiet möchte er im Theater klar machen, Heimat wird erst verständlich nach ihrem Verlust. Das galt für die ersten Gastarbeiter im Ruhrgebiet aus Schlesien und Polen, das gilt für die zig tausend Flüchtlinge aus Asien und Afrika in Europa heute, das gilt für die letzten Bergleute im Ruhrpott, die nun auch ihre Arbeit und damit ihre Heimat verlieren. Hier sieht Hoffmann enge Beziehungen zwischen Künstlern und Bergleuten und zieht Parallelen zu Thomas Manns Tonio Krüger von 1903 und dessen Suche zwischen Künstlerdasein und der „Bürgerliebe zum Menschlichen, Lebendigen und Gewöhnlichen“.
So ist es nur folgerichtig, wenn Hoffmann gar nicht erst eine klare Definition oder auch nur ein festival-internes Einvernehmen zum Begriff Heimat präsentiert, sondern ein Verständnis von Heimat, das ein klaffender Riss symbolisiert.
Programmatisch ist damit ein weiter Bogen gespannt. Bei insgesamt 298 Vorstellungen und 111 Produktionen an 19 Spielstätten reicht das Programm von Klassikern wie Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame, König Lear und dem Kaukasischen Kreidekreis über einen politischen Liederabend und einen Jazzabend mit Dominique Horwitz, der Robert-Mitchum-Lieder singt, ein ganzes Bündel von Lesungen, die beliebten Kabarettabende, Ciullis Clowns gehen diesmal unter Tage, in der Halle König Ludwig ½ wird der Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung versucht, im Theater Marl werden Südafrikaner des Isango Ensemble aus Cape Town zu Gast sein.
Wie jedes Jahr wechseln die Aufführungsorte des Programms: Auf dem Rathausplatz entsteht das „Haus aus Kohle“, ein originelles Straßentheater, im Theaterzelt treten Fritz Eckenga, der Kohlenpott-Kabarettist, René Steinberg und das Kommödchen auf, selbst Hans Albers hat es bis zum Lippestrand geschafft und wird mit seemännischem Liedgut geehrt. Das Kinder- und Jugendprogramm ist weiter ausgedehnt und bietet vom Klassiker Dschungelbuch bis zum aktuellen … und raus bist Du! ein erweitertes Programm.
Leider haben Bert Brecht, Kurt Weill, der Dirigent Rudolf Schulz-Dornburg und der damalige Essener Oberbürgermeister Franz Bracht in den 1920-er Jahren ihre schon weit fort geschrittenen Pläne für ein „Ruhrepos“, eine Industrieoper, nicht verwirklichen können, die Pläne für ein „Heimatepos“ fielen der antijüdischen Hetze der nationalsozialistischen Kulturpolitik zum Opfer. Zur Uraufführung dieses Werks in Essen ist es 1927 deshalb nicht mehr gekommen. Nun hat sich der Schriftsteller Albert Ostermaier darangemacht, das Programm mit einem neuen Stück eines, des Ruhrepos, zu bereichern, indem er Vorarbeiten von Brecht und Weill aufnimmt, um deren Pläne für ein avantgardistisches Theaterprojekt „episch-dokumentarischen Charakters“ fortzuführen. Nachdem Herbert Grönemeyers Ruhrschlager Komm zur Ruhr, der anlässlich der Kulturtage 2010 als eine Ruhrhymne gedacht war, aber nicht lange überlebt hat, darf man auf Die verlorene Oper Ostermaiers besonders gespannt sein.
Auf das inzwischen fest zu den Ruhrfestspielen gehörende Fringe-Festival, ein kleines Festival am Rande und jenseits „des konventionellen Theaters“, wartet inzwischen schon eine große Fan-Gemeinde. Hier kann man die Freiheit der Kunst, der Bühne intensiv und hautnah erleben. In meist kleinem Rahmen gibt es „Schauspiel, multimediale Performance, Comedy, Akrobatik, Musik oder modernes Tanztheater“ hautnah.
Schließlich gehört zum diesjährigen Programm auch das Buch A World Stage, in und mit dem sich Frank Hoffmann nach vierzehn Jahren Spielleitung von den Ruhrfestspielen verabschiedet. Das wird am 17. Juni im Rahmen eines Galaabends erfolgen, von dem Frank Hoffmann verspricht Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne. Ruhrfestspiele – Vorhang auf!
Horst Dichanz