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Feldkircher Kammerchor - Foto © Schubertiade

Absoluter Lied-Genuss

Wo kann man Kammer­musik und Lieder noch so konzen­triert hören wie im Bregen­zerwald? Das idyllische Schwar­zenberg mit seinen histo­ri­schen Gasthäusern und Höfen, einge­bettet in eine Bergwelt mit sanften Matten und schroffen Felsen, die Heimat der großen Malerin der Goethezeit, Angelika Kauffmann, bietet das einem inter­na­tio­nalen Publikum bei der „Schuber­tiade“ im nach ihr benannten holzver­tä­felten Saal, wo sich exzel­lente Künstler der klassi­schen Musik bei hervor­ra­gender Akustik ein Stell­dichein geben. 

Jörg Widman, Malcolm Martineau, Tara Erraught – Foto © Schubertiade

Natürlich steht die Musik Schuberts im Mittel­punkt, aber auch Werke anderer Kompo­nisten. Eine Sängerin dominiert die letzte August-Woche, die irische Mezzo­so­pra­nistin Tara Erraught. Sie beginnt ihren Lieder­abend mit Verto­nungen von Mörike-Gedichten durch Hugo Wolf und begeistert gleich mit ihrer kraft­vollen, funkelnden, farben­reichen Stimme, die mit schim­mernden Höhen und satter Tiefe imponiert. Schon hier gefällt die Bandbreite von empfindsam über heftig stürmisch bis wonnig, bei müheloser Textver­ständ­lichkeit, stets einfühlsam begleitet vom Pianisten Malcolm Martineau. Eigentlich aber ist das Metier der sympa­thi­schen Sängerin die lockere Gestaltung kleiner, in sich abgeschlos­sener Szenen, so wie bei der tempe­ra­ment­vollen Nixe Binsenfuß. Vor allem die Schubert-Lieder bescheren Höhepunkt über Höhepunkt, beginnend bei Schäfers Klagelied, melodisch, sanft melan­cho­lisch, bis hin zu einem sehr bewegten Gretchen am Spinnrade. Die Spiegelung von Natur­er­schei­nungen in Gefühlen lässt sich verfolgen bei einem schlichten Nacht und Träume, während Die junge Nonne die Sehnsucht nach dem Paradies und der ewigen Liebe zu Christus beschwört. Ein sehr irdischer Kontrast dazu ist Schuberts wohl letztes Werk Der Hirt auf dem Felsen, eine wunderbare Harmonie von Stimme, Klavier und der Klari­nette von Jörg Widman; letzterer scheint diese arkadische Idylle ebenso zu genießen wie die Sängerin: Beschwingt, kraftvoll bezaubert er mit den Melodie­linien, die Stimme nimmt diese weich mit leuch­tenden Höhen auf, und angetrieben von einem Feuerwerk an Trillern entlässt die hoffnungs­frohe Schluss­strophe das jubelnde Publikum in die Pause. Danach Gustav Mahlers Lieder eines fahrenden Gesellen als innerlich zerrissene Empfin­dungen zwischen Lieb’ und Leid, die in Resignation enden, tief versunken im Traum. Ein ganz anderes Stimmungsbild zeichnen die Zigeu­ner­lieder von Brahms, expressiv, sprühend vor Lebenslust, flink, und nicht ganz ernst zu nehmen beim Anschmachten des „süßen Liebchens“. Nach diesem abwechs­lungs­reichen Gefühls­kosmos steht der Saal vor Begeis­terung Kopf, und die zwei Zugaben enden im unbeglei­teten altiri­schen Lied She moved through the fair, in der die strah­lende, nirgends angestrengte Stimme in den weiten Linien einfach bezaubert.

Der berühmte Lieder­zyklus Schuberts Die schöne Müllerin darf in Schwar­zenberg nicht fehlen. Wenn nun ein jugendlich kerniger, kraft­voller Tenor wie der Tiroler Martin Mitter­rutzner sich daran wagt, kann man eher einen unbeschwerten, letztlich von der Schönen abgewie­senen, naiven Müller­bur­schen erwarten als die intro­ver­tierte Innen­schau eines Melan­cho­likers. Der Sänger, am Klavier begleitet mit klarem Anschlag und farben­reich von Gerold Huber, beginnt beschwingt, artiku­liert gut verständlich, der Vortrag wirkt sehr natürlich, nirgends angestrengt, Mitter­rutzner kann seine etwas hinten sitzende Stimme gut steigern, zeigt dabei meist, dass er sich wehrt gegen den drohenden Liebes­verlust, und die Versi­cherung Dein ist mein Herz gelingt ihm strahlend, wenn auch fast etwas überbetont. Inniger scheinen Des Müllers Blumen, heftig, aufge­wühlt kommt die Eifer­sucht auf den Jäger, den Rivalen, daher, und die Anklage gegen dessen Symbol­farbe Grün macht die Abweisung bald deutlich. Bis zum Selbstmord im Bach aber fehlen ein wenig die innere Verzweiflung, der Schmerz, die Resignation, denn der Tenor gefällt sich im wohlklin­genden Gesang, unter­strichen durch Gesten, während das Klavier auch die unter­schwel­ligen Gefühle ahnen lässt.

Kammer­mu­si­ka­lische Perle

Zu den kammer­mu­si­ka­li­schen Perlen zählt am Rande auch Rossinis Petite messe solen­nelle in der Urfassung 1863, kompo­niert zur Einweihung der Pariser Privat­ka­pelle von Alexis Pillet-Will. Im Gegensatz zur späteren großen Orches­ter­fassung war sie gedacht für zwei Klaviere, Harmonium, vier Stimmen und kleinen Chor, und der Komponist, der sich für die Opera buffa geboren fühlte, sprach von ihr als „arme kleine Messe“, die er mit „wahrere Liebe zur Religion“ und „ein bisschen Herz“ geschrieben habe. In Schwar­zenberg sind nun bei ihr beteiligt der ausge­glichen, mit weichem, gefühl­vollem Gesamt­klang singende Feldkircher Kammerchor unter Leitung von Benjamin Lack, die Organistin Ryoko Morooka, die auf einem franzö­si­schen Instrument der Rossini-Zeit das histo­rische, silbrig-weihe­volle Tonbild anspre­chend wiedergibt. Ihr zur Seite sitzt am Klavier – leider keine zwei Original-Instru­mente – kein Gerin­gerer als Igor Levit und erweckt markant, machtvoll mit drama­ti­schen Akzenten und virtuosen Einschüben den Eindruck fast orches­traler Begleitung. Die vier Solisten gestalten zusammen ein ausge­wo­genes stimm­liches Quartett, profi­lieren sich aber auch glanzvoll solis­tisch, so zu Beginn imponierend der kernige, starke Bariton von André Schuen; in der Tenor-Arie des Domine Deus beweist Ilker Arcayürek viel Ausdrucks­kraft und strah­lende Höhen. Die Hymne O salutaris hostia erklingt durch Simona Saturová silberhell, klar, mit feinen Höhen, und das Agnus Dei wird durch den vollen, glänzenden, kostbar schim­mernden Mezzo­sopran von Tara Erraught ein musika­li­sches Juwel. Riesenbeifall!

Poetische Gesangs­welten

Helmut Deutsch, Sophie Rennert – Foto © Schubertiade

Dass Diana Damrau zusammen mit ihrem konge­nialen Begleiter an der Harfe, Xavier de Maistre, ihren Lieder­abend zu einem Fest machen wird, ist zu erwarten. Getragen von innerem Elan beginnt die charmante Sopra­nistin mit Mendels­sohns Auf den Flügeln des Gesangs, und dieser wunderbare Auftakt leitet einen an funkelnden Höhepunkten reichen Abend ein, der auch mit Unbekanntem und Neckisch-Unbeschwertem aufwartet, alles auf höchstem Niveau und unter­strichen von passenden Gesten und gewin­nendem Lächeln. Der Weltklasse-Harfenist lässt den Liedern von einer roman­ti­schen Natur­schil­derung und der drama­ti­schen Klage eines an der Liebe verzwei­felten Mädchens das Solostück Rossignol als zauber­haften Nachti­gallen-Gesang folgen. Danach aber erschließen die russi­schen Lieder von Rachma­ninow und Wlasow eher schwer­mütig-melan­cho­lische Gefühle, leuchtend begonnen mit Flieder, während Dämmerung Schlichtes beschwört und bei Hier ist es schön seelen­volle Weite auskostet. Voller Empfin­dungen, untermalt von feinsten Harfen­klängen dann die kostbare Schil­derung des Brunnens der Liebe und des Leids von Wlasow, mit großer Ausdrucks­breite und unglaublich schönen, packenden Höhen von Damrau darge­boten. Ganz anders der franzö­sische Teil des Abends, beschwingt und fast übermütig das sinnlich-erotisch flirrende Schäfer­stündchen von Reynaldo Hahn, auch durch die „runde“ Tiefe des füllig schim­mernden Soprans verfüh­re­risch, bevor dann de Maistre seine exzel­lente Virtuo­sität in der Legende von Henriette Renié solo entfaltet. Den schalk­haften Zyklus Der kurze Strohhalm von Francis Poulenc mit seinen witzigen Liedern, 1960 geschrieben, um auch „Kinder­herzen zu berühren“, genießt die Sängerin sichtlich, koket­tiert dabei mit dem Publikum, etwa bei der köstlichen Jagd nach dem Floh, und sie verleiht der poeti­schen Schil­derung der musika­li­schen Engel, dem schwär­me­ri­schen Aprilmond und den glanz­vollen Wegen der Liebe mit den versteckten Walzer­klängen feinsinnige Delika­tesse. Für den langen Jubel bedankt sie sich mit einer herrlichen Zugabe.

Die Mezzo­so­pra­nistin Sophie Rennert hat sich für ihren reinen Schubert-Abend nach Gedichten von Friedrich Schiller ein äußerst umfang­reiches, ambitio­niertes Programm vorge­nommen, begleitet von Helmut Deutsch am Klavier. Sie beginnt mit An den Frühling recht charmant und zeigt dann, dass ihr eigentlich das drama­tisch Bewegte mehr liegt. Denn sie liebt das Erzählen, verfügt über eine etwas unruhig flirrende, höhen­starke Stimme und betont sehr textnah, wenn auch nicht immer textver­ständlich. All ihre Gestal­tungs­breite entfaltet sie im umfang­reichen Taucher. Da darf das Klavier bedrohlich brausen, kann sie heftig akzen­tu­ieren; hier steht eine Tragödin auf der Bühne, die aller­dings etwas das Dunkle, Schaurige vermissen lässt. Neckisch beginnt das Klavier die Erwartung; die Sängerin gestaltet daraus eine bewegte Szene. Stark betont wird Der Pilgrim, Der Flüchtling demons­triert neben Dramatik auch Stimm­glanz, bei Elysium scheint die Stimme lockerer, kann groß steigern zu strah­lender Weite, und die Sehnsucht bildet einen frischen, aufmun­ternden Schluss. Dem Publikum gefällt dieses abwechs­lungs­reiche Programm, und Sängerin wie Pianist scheinen überwältigt vom Beifall und bedanken sich mit drei Zugaben.

Renate Freyeisen

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