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Es muss nicht der nationale Deutsche Musikpreis oder einer der Echopreise sein, die Schlagzeilen in den Kulturnachrichten machen. Zwischen Husum und Kaufbeuren, zwischen Aue und Wesel spielen zahlreiche Theatergruppen, musizieren Amateur- und Profigruppen und schaffen künstlerische Werke, von denen viele preiswürdig sind. Hier werden im Schatten der großen Preise und fast erschlagen von den übermäßigen Inszenierungen einiger Fernsehsender Preise unterschiedlichster Art verliehen, wie jüngst im nordrhein-westfälischen Landkreis Steinfurt der Kulturpreis 2018.

Als sich vor inzwischen 29 Jahren mehrere Steinfurter zusammentaten und beschlossen, etwas für das eher ruhige Kulturleben dieses Landkreises mit seinen etwa 450.000 Einwohnern im nördlichen Münsterland zu tun, hatte wohl niemand damit gerechnet, dass dieser Kulturpreis einmal seinen 30. Jahrestag wird feiern können. Seit seiner Gründung 1996 sorgfältig gepflegt durch den Bagno-Kulturkreis Steinfurt lädt der Kulturkreis jährlich zu rund 15 Konzerten ein, die fast regelmäßig ausverkauft sind und inzwischen von rund 66.000 Besuchern besucht wurden. In der Bagno-Konzertgalerie, um 1770 als Barockbau auf Initiative des Grafen Karl Paul Ernst und später von Graf Ludwig von Bentheim-Steinfurt entstanden und inzwischen mehrfach kunstvoll restauriert, begeistern meist junge Musiker die Musikliebhaber der Region in einer immer wieder gelobten Akustik. Werner Ehrhardt betont in seiner Laudatio diese besondere Akustik mit ihren „großartigen Effekten und Wirkungen“, die „wie durch ein Vergrößerungsglas … eine besondere Beziehung zwischen Publikum und Künstler entstehen“ lässt. Die Karriere manch junger Künstler, deren Namen im Programm der Bagno-Konzerte auftauchten, wie etwa der des Pianisten Menahem Pressler mit seinem Trio oder des Geigers Daniel Hope weist die Bagno-Konzertgalerie als besonderen Aufführungsort auf. Seit vielen Jahren finden die Konzerte in der „Grande Galerie pour les Concerts“ mit gerade mal 200 Plätzen statt und haben sich inzwischen ein festes Publikum bis hin zu den benachbarten Niederlanden erworben.
In den Grußworten des Stellvertretenden Bürgermeisters Klaus Meiers und Landrats Klaus Effing werden immer wieder die Vorstandsmitglieder Josef Schwermann, ehemaliger Leiter der Musikschule, Jürgen Holtz von der Sparkasse und Heinz Balster vom Verkehrsverein Steinfurt gewürdigt, Urgesteine des Bagno-Kulturkreises Steinfurt. Mit ihnen sind wichtige Schaltstellen der lokalen und regionalen Politik an Bord und sorgen für das erforderliche Netzwerk. Effing ist es eine besondere Freude, diesem Kulturverein nun den Kulturpreis des Kreises Steinfurt für seine Arbeit zu überreichen, mit der er „maßgeblich zur Bereicherung des Kulturlebens im Kreis Steinfurt“ beigetragen hat. Ein symbolischer Scheck über das bescheidene Preisgeld von 2.500 Euro gehört dazu.
Einen Kulturpreis ohne Musik zu verleihen – das geht gar nicht. Tabea Debus, Virtuosin auf vielen Blockflöten, und Max Volbers, Cembalo, entsprechen so ganz den Erwartungen des Festpublikums. Die ausgewählten Kompositionen vom Georg Philipp Telemann, Moritz Eggert und Johann Sebastian Bach passen bestens in diesen Abend und schaffen eine Atmosphäre, die es den Zuhörern leicht macht, sich die lebensfrohen und tänzerisch leichten Feste vorzustellen, wie sie im 18. Jahrhundert auch in Steinfurt „bei Hofe“ üblich waren. Das begeisterte Publikum lässt Debus und Volbers nicht ohne eine Zugabe gehen, bei der gleich beide Musiker mit übermütiger Virtuosität auf der Flöte ihr Publikum mit einem Schmankerl aus Mozarts Zauberflöte auf den Heimweg schicken. Kulturpreis auf dem Lande? Aber ja doch.
Horst Dichanz