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Seit 1990 gibt es das Kunstfest Weimar mit einer durchaus wechselvollen Geschichte. Und während andernorts die Mittel für solche Veranstaltungen – teils radikal – zusammengestrichen werden, blickt man in Thüringen voller Euphorie in die Zukunft, wenn es erstmals mit Katharina Germo und Juliane Hahn eine Doppelspitze geben wird, die zudem einen ganzen Beraterstab zur Seite gestellt bekommt. Das kann was werden.

Jedes Jahr im Spätsommer findet seit 1990 das Kunstfest in Weimar statt. Ursprünglich als deutsch-deutsche Kulturinitiative gegründet, hat es sich längst zu einem spartenübergreifenden Festival entwickelt, das mit zahlreichen internationalen Ur- und Erstaufführungen glänzt und eigens für Weimar entwickelte Projekte präsentiert. Der Blick auf den dazugehörigen Wikipedia-Eintrag zeigt, dass das Festival bislang eine durchaus wechselhafte Geschichte durchlaufen hat, sowohl, was die Zahl der Intendanzen als auch der Veranstalter angeht. Eine der prominentesten Leiterinnen des Festes war Nike Wagner, die von 2004 bis 2013 die Fäden in der Hand hielt. Sie verlieh der Veranstaltung den französischen Namen Pèlerinages, also Pilgerfahrten. 2016 geriet das Fest gar auf die Rote Liste des Deutschen Kulturrates, war damit als gefährdet eingestuft. Alles Geschichte.
So wie auch die Trägerschaft der Kunstfest Weimar GmbH. Heute ist das Kunstfest Weimar ein künstlerisch eigenständiger Betriebsteil des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar. 2018 übernahm Rolf C. Hemke die Leitung des Festivals. Eine der größten Leistungen seines Teams war vermutlich, das Kunstfest durch die Pandemie zu bringen. Das Festival habe „mit aller Kraft ein Programm präsentiert, das so umfangreich ist, als gelte es vor allem zu beweisen, dass trotz Corona nicht nur einiges, sondern sehr vieles möglich ist“, schrieb der Journalist Simon Strauss darüber. Im kommenden Jahr wird Hemke sein letztes Festival als Intendant ausrichten.
Ab 2026 soll das Kunstfest „mit frischen Impulsen“ weiterentwickelt werden. Dazu wurden Katharina Germo und Juliane Hahn als künstlerische Leiterinnen verpflichtet. Beide sind in Ostdeutschland nach dem Mauerfall aufgewachsen, also gewissermaßen gemeinsam mit dem Kunstfest großgeworden. Germo stammt aus Halle, arbeitet derzeit als Co-Leiterin des Fabriktheaters Rote Fabrik Zürich. Hahn ist in Friedrichsroda, Thüringen, geboren und verantwortet momentan als Produktionsleiterin das Festival Politik im Freien Theater Leipzig. „Mit Katharina Germo und Juliane Hahn übernimmt erstmals eine junge weibliche Doppelspitze die künstlerische Leitung des Kunstfests Weimar – ein starkes Signal für die Zukunft des Festivals. Mit ihrer Erfahrung und ihren frischen Ansätzen werden sie ab 2026 neue Akzente setzen, die Kunst, Verbindung und Teilhabe ins Zentrum rücken. Das Kunstfest wird unter ihrer Leitung ein Ort sein, an dem internationale künstlerische Impulse und lokale Identitäten zusammenfinden, um ein breites Publikum zu bewegen und zum Nachdenken anzuregen. Gemeinsam mit der designierten Leitung des DNT, Valentin Schwarz, Dorian Dreher und Timon Jansen, entsteht so ein inspirierendes Zusammenspiel von Theater und Festival, das neue Verbindungslinien zwischen Weimars Bühnen und seiner Stadtgesellschaft schaffen kann“, erklärt Benjamin-Immanuel Hoft, geschäftsführender Thüringer Kulturminister und Aufsichtsratsvorsitzender des Deutschen Nationaltheaters Weimar.
Kunst, Verbindung und Teilhabe
Um ihre Ziele umzusetzen, werden Germo und Hahn Fachleute in den Bereichen Internationale Programmarbeit, Vermittlung und Barrierefreiheit zur Seite gestellt. So soll erreicht werden, das internationale Programm durch „innovative Handschriften des zeitgenössischen Theaters und Tanzes“ zu stärken. Außerdem soll das Kunstfest in Zukunft noch stärker lokal verankert werden. Internationale Künstler sollen sich mit der regionalen Kulturszene vernetzen. So möchte das Leitungsduo ein breites Publikum mit einem vielseitigen Programm ansprechen, das bewegt und zum Denken anregt. „Darin sollen sich sowohl geteilte Erfahrungen als auch die kulturelle Vielfalt unserer Gegenwart wiederfinden“, heißt es.
Auch der Oberbürgermeister Weimars, Peter Kleine, kann sich der Aufbruchsstimmung nicht verschließen. „Mit der neuen Leitung beginnt eine weitere Ära des traditionsreichen Kunstfestes Weimar. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass sich dieser wichtige Baustein im Veranstaltungskalender der Stadt Weimar weiter als Publikumsmagnet für jung und alt, aber auch für Gäste erweist. Die Stadt steht diesem Neuanfang mit Offenheit und Neugier gegenüber. Wir freuen uns auf das junge Team und auf eine gute Zusammenarbeit“, sagt der Oberbürgermeister. Überflüssig zu erwähnen, dass sich auch das designierte Leitungsteam des DNT auf die Zusammenarbeit freut.
„Wir verstehen das Kunstfest als besonderen Anlass, für den sich Menschen jeden Sommer versammeln, um miteinander die Künste zu feiern und sich auf außergewöhnliche Begegnungen und neue Perspektiven einzulassen. Wir sind neugierig auf Weimar und seine Menschen und werden uns mit großer Sorgfalt der spannenden und verantwortungsvollen Aufgabe widmen, das gesellschaftliche Potenzial auszubauen und neue Verbindungslinien zu knüpfen. Auch aufgrund unserer Biografien freuen wir uns sehr darauf, eines der bedeutendsten internationalen Kunstfestivals Ostdeutschlands zu gestalten und damit einen wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen und lebendigen Kulturlandschaft zu leisten”, erklären Germo und Hahn zu ihrer Berufung.
Bei aller Euphorie, die aus Weimar zu hören ist und die den beiden künftigen Leiterinnen gegönnt sei, darf man wohl festhalten, dass es eher nach einer Fortsetzung der von Hemke und seiner Mannschaft geleisteten und noch zu leistenden Arbeit klingt. Was ja wohl auch der richtige Weg ist. Dass bislang sämtliche „Wokeness“-üblichen Äußerungen unterlassen werden, deutet darauf hin, ein ideologiefreies Festival auch ab 2026 erleben zu dürfen. Und das ist in diesen Tagen ja ein schon mehr als erfreuliches Signal.
Michael S. Zerban