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Dorothee Stanglmayr - Foto © privat

Opernleben in der Gruft

Auch wenn die Opern­land­schaft brach­liegt. In der Krypta der Wiener St. Peters-Kirche lebt sie munter weiter. Die beson­deren Auftritts­be­din­gungen sorgten von Beginn an für Begeis­terung bei Publikum und Akteuren. Dorothee Stanglmayr sieht das auch in Zukunft für ihre Oper in der Krypta, reagiert aber bis dahin mit Verständnis. Die Gesundheit geht vor.

Dorothee Stanglmayr – Foto © privat

Oper in der Krypta: Das klingt nach einer würdigen Begräb­nis­stätte für die so oft totge­sagte und derzeit in der Tat von den Corona-Maßnahmen lebens­be­drohend stran­gu­lierte Gattung. Von Endzeit­stimmung kann aller­dings in der Krypta der Wiener St.-Peters-Kirche nicht die Rede sein. Die Grabkammer der schönen Barock­kirche in der Wiener Innen­stadt, direkt am Graben unweit der Pestsäule gelegen, ist die Veran­stal­tungs­stätte der wohl kleinsten Opern­ge­sell­schaft Wiens, der Oper in der Krypta. 2014 gründete die Konzert- und Künst­ler­agentin Dorothee Stanglmayr das Unter­nehmen, das jährlich 160 Auffüh­rungen mit 100 Ausfüh­renden zeigt. Und das mit einem Reper­toire, das nahezu alle großen Opern des Reper­toires einschließt und sich in dieser Hinsicht nicht hinter dem Angebot der Staatsoper verstecken muss. Von Carmen bis zum Fliegenden Holländer: In der Krypta wird große Oper im kleinen Rahmen gezeigt. Und das meist in ungekürzten Fassungen. Zuletzt standen die Puccini-Klassiker Madama Butterfly und Tosca auf dem Programm, für den Dezember ist Verdis La Traviata geplant, Corona-bedingt aller­dings ausnahms­weise in gekürzter Version.

Großer Wert wird darauf gelegt, dass das Publikum, dem in normalen Zeiten 80 Plätze zur Verfügung stehen, den Sängern so nahe kommen kann wie sonst nirgends. Das sind natürlich keine idealen Voraus­set­zungen für ein Theater in Corona-Zeiten. Stanglmayr muss entspre­chend hart um den Erhalt der rein privat finan­zierten Compagnie kämpfen, was sie mit großem Optimismus und noch mehr Energie tut. Dorothee Stanglmayr: „Das Publikum wird exakt so geschützt wie meine Künstler. Ich liebe meine Künstler. Ich würde niemals um jeden Preis spielen. Aber mit Verstand, Wissen und Umsicht ist das möglich. Jeder Künstler muss sich sicher fühlen, um die Emotio­na­lität auf die Bühne bringen zu können, mit der sich das Publikum bezaubern lassen kann. Wir haben uns monatelang Gedanken darüber gemacht, wie man einen Spiel­be­trieb wieder auf die Bühne bringen kann. Wir haben mit ein paar Konzerten angefangen, die sehr gut gelaufen sind. Wir haben dann gesehen, wie begeistert das Publikum mitzieht. Die Menschen wollen, dass wir spielen“, schwärmt die Künst­le­rische Leiterin.

Und so werden Stanglmayr, ihr Mistreiter, der Bariton Florian Pejri­movsky, und Ekaterina Nokkert als künst­le­rische Leiterin den Spiel­be­trieb im Dezember im einge­schränkten Modus fortführen. Neben der Traviata und diversen Konzerten stehen auch zwei Kinder- und Famili­en­pro­jekte auf dem Spielplan. Im Bereich der Kinderoper schätzt sich die Oper in der Krypta als „europaweit größter Anbieter“ ein. Im Dezember wird eine Zauber­flöte für Kinder angeboten und als Famili­enoper Die Weihnachtshexe von Felix Mendelssohn Bartholdy. In der Vergan­genheit trat das Ensemble auf diesem Gebiet mit Raritäten wie Rotkäppchen von François-Daniel Auber, Der gestie­felte Kater von Josef Lanner, Rumpel­stilzchen von Béla Bartók und sogar mit einer Kinder­fassung von Richard Wagners Ring des Nibelungen hervor.

Ein beson­deres Anliegen dient der Unter­stützung junger Sänge­rinnen und Sänger, die sich in der Krypta in Ruhe und unter kompe­tenter Leitung auf große Rollen vorbe­reiten können. Aber auch schon inter­na­tional tätige Solisten wie die Sopra­nistin Magdalena Renwart-Kahry, die sich zum Publi­kums­liebling mauserte und auch die Traviata singen wird, finden ein Podium, wenn es die Pandemie zulässt.

Doch Dorothee Stanglmayr blickt optimis­tisch in die Zukunft, auch wenn ihrer Oper die Corona-Krise wirtschaftlich stark zusetzt. Was die Sicherheit angeht, kennt sie aller­dings keine Kompro­misse: „Es geht ja immer noch um den Schutz von allen Menschen. Mein Credo ist: Niemals um jeden Preis. Wir achten wirklich dezidiert drauf, dass niemandem etwas geschieht. Hätte ich den Eindruck, jemand fühlt sich nicht sicher, ich würde sofort reagieren. Egal, ob ein Künstler oder ein Gast. Ich denke, es geht weiter. Es war schließlich nicht der erste Virus, und es wird nicht der letzte Virus sein.“

Pedro Obiera

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