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Wenn zwischen erwachsenen Menschen Konflikte entstehen, dann treffen sie sich, um sie im Gespräch zu lösen. Die Binsenweisheit scheint ja auf der ganzen Welt nicht mehr zu funktionieren, warum also sollte es ausgerechnet in Hessen so sein? Da streiten sich jetzt Träger und Intendanz des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden wie die Kesselflicker auf offener Bühne. Der Schlussapplaus wird karg ausfallen.

Dass sich der Intendant und der Kaufmännische Leiter eines Theaters nicht grün sind, liegt in der Natur der Sache. Während die künstlerische Leitung stets auf große Erfolge aus ist, muss der Budgetverwalter die Ausgaben im Rahmen halten. Wenn es da zu Reibereien kommt, gehört das eher zum Alltag eines künstlerischen Betriebs und ist allenfalls für den Kulturredakteur einer Tageszeitung vor Ort von Interesse. Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ist das schon seit einiger Zeit anders. Das mag zum einen daran liegen, dass dort Uwe Eric Laufenberg Intendant ist, der schon immer gern Konflikte in möglichst großer Öffentlichkeit austrägt, zum andern, dass es dort Holger von Berg als Kaufmännischen Direktor gibt, der, um es vorsichtig auszudrücken, durch intransparente, wenn nicht widersprüchliche Kommunikation auffällt, was die Finanzverwaltung wie die Mitarbeiterführung angeht. Intendant und Mitarbeiter wurden, so hat es den Anschein, von den Trägern des Theaters, also der Stadt Wiesbaden und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, mit ihren Sorgen und Nöten um das Gebaren des Kaufmanns auch dann allein gelassen, als sie sich an die Öffentlichkeit wandten.
Man braucht sich gar nicht auf die Einzelheiten der Streitigkeiten einzulassen, denn von Berg schaffte Fakten. Per Dienstanweisung strich er im Oktober vergangenen Jahres für 2024 acht Produktionen und meldete sich anschließend krank. Von den Trägern wurden zwei Stellvertreter benannt, die die Geschäfte weiterzuführen hatten. Offenbar war man sich weder bei der Stadt noch im Ministerium über die Rolle von Stellvertretern im Klaren. Ein Stellvertreter ist in den seltensten Fällen und schon gar nicht im öffentlichen Dienst der Held der Stunde, sondern jemand, der nach Möglichkeit mit einem geringstmöglichen Aufwand an Entscheidungen versucht, die Zeit bis zum Wiedereintritt des eigentlichen Funktionsträgers zu überbrücken. Nicht einmal in einem echten Theaterstück fielen solche Mitarbeiter durch Eigenschaften auf, die das Theater über einen Minimalbetrieb hinaus aufrechterhielten. Weil dann die dramatische Entwicklung des Stücks ja auch ziemlich schnell zu Ende wäre. Auch im wahren Leben nimmt die Posse um Führungsschwäche und Verantwortungsflucht jetzt richtig Fahrt auf.
Pressemitteilung statt Diensteifer

Verschiedene Quellen berichten glaubhaft und plausibel, dass der Betrieb nicht mehr weitergeführt werden kann, weil beispielsweise Verträge für künftige Aufführungen nicht abgeschlossen werden. Nachdem Laufenberg öffentlich auf die Missstände aufmerksam machte und ankündigte, dass der Spielbetrieb gefährdet sei, reagiert das Ministerium völlig überraschend. Es beruft nicht etwa eine Krisensitzung im Theater ein, erteilt dem Intendanten einen Ordnungsruf und beginnt, nach einer Lösung zu suchen. Das Ministerium gibt – und das Publikum in einem imaginären Theatersaal hätte dafür nicht mehr als ein verärgertes Kopfschütteln übrig, weil die Wendung vollkommen wirklichkeitsfremd wäre – eine Pressemitteilung heraus, die den Begriff nicht verdient. Subalterne Mitarbeiter – Staatssekretärin Ayse Asar und Kulturdezernent Hendrik Schmehl – weisen den Intendanten zurecht. „Auch die künstlerische Leitungsebene eines Theaters hat sich an Recht und Gesetz zu halten – diese Selbstverständlichkeit scheint nicht allen am Theater klar zu sein. Das Theater ist voll handlungsfähig, die Vertretungsregeln für den Geschäftsführenden Direktor greifen“, wird da wider besseres Wissen behauptet. Bis heute sind die Verträge für die Künstler, die an der Wiederaufnahme des Rings des Nibelungen Ende Januar teilnehmen sollen, nicht unterzeichnet. Auch für Künstler gilt übrigens: Ohne Vertrag kein Auftritt.
Vorsorglich nehmen Asar und Schmehl auch gleich eine Schuldzuweisung vor, schließlich ist einem letztlich der eigene Job wichtiger als irgendein zu lösender Konflikt: „Für den Schaden, der durch ihr Verhalten dem Theater entsteht – sowohl im Ansehen als auch finanziell – trägt die künstlerische Leitung die volle und alleinige Verantwortung.“ Eine solche unbewiesene Verlautbarung in einer amtlichen Stellungnahme eines Ministeriums zu lesen, überschreitet jedes Vorstellungsvermögen. Da kommt keine Schmierenkomödie mehr mit.
Das unwürdige Spiel geht weiter. Es ist Laufenberg nicht zu verdenken, dass er umgehend und öffentlich antwortet, wenngleich nicht zielführend. Der Schaden ist schon jetzt immens. Das Publikum ist verunsichert, die Folgen sind gar nicht absehbar. Was aber sehr wohl deutlich ist: Wenn Kulturarbeiter bis auf Ministeriumsebene sich dermaßen unprofessionell und jenseits aller Regeln verhalten, werden die Konsequenzen nicht auf Wiesbaden beschränkt bleiben. Das kann Auswirkungen auf die gesamte Republik haben. Auch das könnten sich die Protagonisten dieses Hauen und Stechens vor Augen führen, zügig an den runden Tisch zurückkehren und nach konstruktiven Lösungen suchen. Damit am Ende dieses Dramas wenigstens ein zaghafter Applaus übrigbleibt.
Michael S. Zerban