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Das Interesse an kulturellen Veranstaltungen ist groß - Foto © Julia Reschucha

Kultur hat Gewicht

Immer noch ist die Kultur in weiten Bereichen vollkommen unter­fi­nan­ziert. Die Schäden des Raubbaus an den Budgets vor allem in Theatern und Orchestern der vergan­genen Jahre sind noch gar nicht abzusehen. Aber ein Blick auf die aktuellen Zahlen, die das Statis­tische Bundesamt in seinem Sparten­be­richt Musik Anfang Februar veröf­fent­lichte, macht Hoffnung auf eine Kehrtwende.

Gerald Mertens – Foto © Martin Hufner

Wer glaubt, das Statis­tische Bundesamt Wiesbaden sammle und sortiere nur trockene Zahlen, wird schnell eines Besseren belehrt. Sobald man sich traut und zumutet, sich einmal in solche Zahlen und Tabellen zu vertiefen, beginnt man zu staunen. Und die Alltags­re­levanz und kultur­po­li­tische Bedeutung dieser Zahlen wird offenkundig.

Mit seinem Sparten­be­richt Musik liefert das Statis­tische Bundesamt Anfang Februar 2019 nach längerer Pause endlich wieder Zahlen­ma­terial zum Musik­be­reich von Profis und Laien. Gerald Mertens, Geschäfts­führer der Deutschen Orches­ter­ver­ei­nigung, sieht darin einen wichtigen Schritt, „um die Diskus­sionen und Argumen­ta­tionen in vielen Bereichen der Kultur­po­litik zu versach­lichen.“ Die Kultur­aus­gaben des Bundes und der Länder, also auf der staat­lichen Ebene, die 2015 zusammen 5,7 Milli­arden Euro ausmachten, stiegen nach vorläu­figen Berech­nungen bis 2017 auf 6,4 Milli­arden Euro. Die Gemeinden bestritten mit 4,7 Milli­arden Euro, das entspricht 45 Prozent, den größten Teil der öffent­lichen Kultur­aus­gaben im Jahr 2015. Die Länder finan­zierten den Kultur­be­reich mit 4,2 Milli­arden Euro, also 40 Prozent, und der Bund mit 1,5 Milli­arden Euro, was 15 Prozent ausmacht.

Insgesamt gaben Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2015 10,4 Milli­arden Euro für den gesamten Kultur­sektor aus, eine Steigerung von 1,7 Prozent gegenüber 2014. 2017 waren es 6,4 Milli­arden. Der größte Anteil der öffent­lichen Ausgaben für Kultur entfiel mit 35 Prozent auf Theater und Musik, gefolgt von Museen, Sammlungen, Ausstel­lungen mit 18 Prozent und Biblio­theken mit 14 Prozent. Zu den Gesamt­mitteln des Bundes für Kultur gehören auch 36 Prozent für kultu­relle Angele­gen­heiten im Ausland wie beispiels­weise das Goethe-Institut. Bei den Ländern und Gemeinden lagen die Ausgaben für Theater und Musik mit 39 respektive 43 Prozent an vorderster Stelle.

Spannend werden diese Zahlen der Ausgaben, wenn man sie auf den einzelnen Bewohner herunter rechnet: Bund, Länder und Gemeinden gaben 2015 insgesamt 127 Euro pro Bürger für Kultur aus, dies sind gerade mal 0,34 Prozent des Brutto­in­land­pro­duktes. Da fallen einem im Vergleich sofort die Zahlen des Sozial- und des Vertei­di­gungs­etats ein …

Die Konzerte der öffentlich finan­zierten Orchester zogen 201314 mehr als 5,2 Millionen Zuhörer an, zusätzlich waren die über 500 Musik­fes­tivals für über 32 Millionen Besucher attraktiv. Die öffentlich geför­derten Theater konnten gut 30 Millionen Besucher, die privaten Theater mehr als 11 Millionen Besucher zählen. Die hier wieder gegebenen Zahlen stammen aus dem Kultur­fi­nanz­be­richt 2018, der einen Überblick über die öffent­liche Finan­zierung von Kultur und kultur­nahen Bereichen gibt.

Ein gesell­schaft­licher Bereich, der über 40 Millionen Besucher pro Jahr bewegt und anspricht, braucht sich politisch nicht zu verstecken. Den Vergleich mit den Parteien hält er locker aus. Aber es ist immer noch schwierig, die für den Kultur­sektor notwen­digen Haushalts­mittel locker zu machen und vom Odium der „unren­tablen Neben­kosten“ zu befreien. Und Politiker, die eine politische Karriere aus dem Kultur­sektor heraus gestartet haben, muss man immer noch mit der Lupe suchen. „Hier ist ein Umdenken dringend nötig“, sagt Mertens. – Mit diesen Zahlen im Hinter­grund kann jeder Kultur­po­li­tiker mit viel Selbst­be­wusstsein in die nächsten Haushalts­be­ra­tungen gehen.

Horst Dichanz

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