Im großen Stil

Es gibt Menschen, die können nicht singen, wollen keine Regie führen und können schon gar nicht im Orches­ter­graben sitzen, weil sie dazu ein Instrument beherr­schen müssten. Trotzdem lieben sie Oper und Ballett über alles. Und sie haben noch etwas anderes: Sie verfügen über Geld. Das geben sie aus, um die Hochkultur weiter­zu­ent­wi­ckeln. Fedora sammelt solche Menschen ein. Und feiert sie, wie jetzt bei der Preis­ver­leihung im Rahmen der Salzburger Festspiele. 

Foto © Andreas Kolanik

Wir leisten unseren Beitrag, Oper und Ballett in ihrer Erneuerung zu unter­stützen”, heißt es auf der Fedora-Website. Fedora ist ein privat finan­zierter, gemein­nüt­ziger Verein von ausge­wählten und finanz­kräf­tigen Philan­thropen, insbe­sondere von Oper- und Ballett­lieb­habern, der sich zum Ziel gesetzt hat, künst­le­risch einzig­artige Produk­tionen von zeitge­nös­si­scher Musik und jungen aufstre­benden Künst­ler­ta­lenten großzügig zu unter­stützen. Die Gründung geht auf den Kompo­nisten und Opern­di­rektor Rolf Liebermann zurück und wurde 2014 insbe­sondere durch die Gesell­schaft der Freunde der Pariser Oper wieder­belebt. Präsident der illustren Gesell­schaft ist Jérôme-François Zieseniss. Mittler­weile konnten 79 kultu­relle Insti­tu­tionen wie Festspiele, Theater und Opern­be­triebe in über 20 Ländern als Mitglieder gewonnen werden, die jährlich eine Produktion aus dem Genre Ballett oder Oper dem Verein Fedora und der einge­rich­teten Jury für die hoch dotierten Preise vorschlagen dürfen.

Daneben wird vom Vereins­vor­stand und dem Management-Team von Fedora tatkräftig und erfolg­reich nach Sponsoren und Partnern gesucht. Das vergleichbar hohe Preisgeld von 100.000 Euro für die Ballett­pro­duktion und von 150.000 Euro für die Oper ist an konkret ausfor­mu­lierte Kriterien wie Innova­ti­ons­kraft, Kreati­vität, Gestal­tungs­kraft, neue Künst­ler­per­sön­lich­keiten, Inter­na­tio­na­lität in Gestalt von mindestens drei Kopro­du­zenten und Visibi­lität gebunden. Da es sich bei den Preis­trägern um noch nicht aufge­führte, sondern in der Entstehung befind­liche Produk­tionen handeln muss, ist das eine besondere Heraus­for­derung für die aus inter­na­tional anerkannten Kultur­ma­nagern und Journa­listen zusam­men­ge­setzte Jury, die künst­le­ri­schen Kriterien der Neuar­tigkeit herauszuarbeiten.

Subven­tio­nierte Kopro­duktion fördert Verbreitung

Gerade das liegt den Organi­sa­toren am Herzen, um die gesell­schaft­liche Bedeutung von Kultur nachhaltig sicher­zu­stellen und die zeitgemäße Weiter­ent­wicklung des Kultur­lebens und der Kultur­be­triebe sicher­zu­stellen. Durch die Forderung der Kopro­duktion wird das unter­stützt, damit die Verbreitung, der Bekannt­heitsgrad und die überre­gionale Aufmerk­samkeit der Projekte besser ausge­schöpft werden. Mit dem Preisgeld sollen Anreize an die Reali­sierung als auch inter­na­tionale Präsen­tation in Form einer Frühpha­sen­fi­nan­zierung geschaffen werden, die die Auffüh­rungs­praxis zeitge­nös­si­scher Musik oder neuartige Klassik­formate voran­treiben soll.

Bei den diesjäh­rigen Gewinnern handelt es sich um die Ballett­pro­duktion von Lev, einer Ballett­com­pagnie aus Tel Aviv, geführt von Sharon Eyal und Gai Behar mit dem Titel Love Chapter 2, die beim Tanzfes­tival in Montpellier im Juli 2017 ihre Urauf­führung erleben wird. Ihr ganzes Leben und ihre Existenz drehen sich täglich 24 Stunden seit Jahren um dieses Projekt, gesteht das Künst­lerduo sichtlich gerührt unter Freuden­tränen. Routi­nierter gelassen nimmt der Vertreter der Wide Open Opera aus Irland den Preis für deren Opern­pro­duktion The Second Violinist entgegen, die Ende Juli im Rahmen des Galway Festival ihre Urauf­führung erleben wird.

Mit Stolz liegt am Ende die Erfolgs­folie Fedoras auf dem Projektor – mit 8 Preis­trägern in den letzten Jahren konnten 50 Kopro­du­zenten in 14 Ländern und 200 Auffüh­rungen unter­stützt werden, die von mehr als 100.000 Kindern besucht wurden. Eine statt­liche Leistung und ein wichtiger Beitrag zur gesell­schaft­lichen Verant­wortung und künst­le­ri­schen Weiter­ent­wicklung. Alles privates Mäzena­tentum darf aller­dings nicht darüber hinweg­täu­schen, dass die eigent­liche Förderung der Hochkultur Aufgabe der öffent­lichen Haushalte ist. Und hier gibt es bis heute Defizite, die selbst Fedora nicht einmal annähernd ausgleichen kann.

Helmut Pitsch

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