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Es gibt Menschen, die können nicht singen, wollen keine Regie führen und können schon gar nicht im Orchestergraben sitzen, weil sie dazu ein Instrument beherrschen müssten. Trotzdem lieben sie Oper und Ballett über alles. Und sie haben noch etwas anderes: Sie verfügen über Geld. Das geben sie aus, um die Hochkultur weiterzuentwickeln. Fedora sammelt solche Menschen ein. Und feiert sie, wie jetzt bei der Preisverleihung im Rahmen der Salzburger Festspiele.

Wir leisten unseren Beitrag, Oper und Ballett in ihrer Erneuerung zu unterstützen”, heißt es auf der Fedora-Website. Fedora ist ein privat finanzierter, gemeinnütziger Verein von ausgewählten und finanzkräftigen Philanthropen, insbesondere von Oper- und Ballettliebhabern, der sich zum Ziel gesetzt hat, künstlerisch einzigartige Produktionen von zeitgenössischer Musik und jungen aufstrebenden Künstlertalenten großzügig zu unterstützen. Die Gründung geht auf den Komponisten und Operndirektor Rolf Liebermann zurück und wurde 2014 insbesondere durch die Gesellschaft der Freunde der Pariser Oper wiederbelebt. Präsident der illustren Gesellschaft ist Jérôme-François Zieseniss. Mittlerweile konnten 79 kulturelle Institutionen wie Festspiele, Theater und Opernbetriebe in über 20 Ländern als Mitglieder gewonnen werden, die jährlich eine Produktion aus dem Genre Ballett oder Oper dem Verein Fedora und der eingerichteten Jury für die hoch dotierten Preise vorschlagen dürfen.
Daneben wird vom Vereinsvorstand und dem Management-Team von Fedora tatkräftig und erfolgreich nach Sponsoren und Partnern gesucht. Das vergleichbar hohe Preisgeld von 100.000 Euro für die Ballettproduktion und von 150.000 Euro für die Oper ist an konkret ausformulierte Kriterien wie Innovationskraft, Kreativität, Gestaltungskraft, neue Künstlerpersönlichkeiten, Internationalität in Gestalt von mindestens drei Koproduzenten und Visibilität gebunden. Da es sich bei den Preisträgern um noch nicht aufgeführte, sondern in der Entstehung befindliche Produktionen handeln muss, ist das eine besondere Herausforderung für die aus international anerkannten Kulturmanagern und Journalisten zusammengesetzte Jury, die künstlerischen Kriterien der Neuartigkeit herauszuarbeiten.
Subventionierte Koproduktion fördert Verbreitung
Gerade das liegt den Organisatoren am Herzen, um die gesellschaftliche Bedeutung von Kultur nachhaltig sicherzustellen und die zeitgemäße Weiterentwicklung des Kulturlebens und der Kulturbetriebe sicherzustellen. Durch die Forderung der Koproduktion wird das unterstützt, damit die Verbreitung, der Bekanntheitsgrad und die überregionale Aufmerksamkeit der Projekte besser ausgeschöpft werden. Mit dem Preisgeld sollen Anreize an die Realisierung als auch internationale Präsentation in Form einer Frühphasenfinanzierung geschaffen werden, die die Aufführungspraxis zeitgenössischer Musik oder neuartige Klassikformate vorantreiben soll.
Bei den diesjährigen Gewinnern handelt es sich um die Ballettproduktion von Lev, einer Ballettcompagnie aus Tel Aviv, geführt von Sharon Eyal und Gai Behar mit dem Titel Love Chapter 2, die beim Tanzfestival in Montpellier im Juli 2017 ihre Uraufführung erleben wird. Ihr ganzes Leben und ihre Existenz drehen sich täglich 24 Stunden seit Jahren um dieses Projekt, gesteht das Künstlerduo sichtlich gerührt unter Freudentränen. Routinierter gelassen nimmt der Vertreter der Wide Open Opera aus Irland den Preis für deren Opernproduktion The Second Violinist entgegen, die Ende Juli im Rahmen des Galway Festival ihre Uraufführung erleben wird.
Mit Stolz liegt am Ende die Erfolgsfolie Fedoras auf dem Projektor – mit 8 Preisträgern in den letzten Jahren konnten 50 Koproduzenten in 14 Ländern und 200 Aufführungen unterstützt werden, die von mehr als 100.000 Kindern besucht wurden. Eine stattliche Leistung und ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung und künstlerischen Weiterentwicklung. Alles privates Mäzenatentum darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die eigentliche Förderung der Hochkultur Aufgabe der öffentlichen Haushalte ist. Und hier gibt es bis heute Defizite, die selbst Fedora nicht einmal annähernd ausgleichen kann.
Helmut Pitsch