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Zwei Jahre lang lässt die Leitung des Theater Aachens ihr Publikum in dem Glauben, der Generalmusikdirektor Kazem Abdullah höre auf „eigenen Wunsch“ auf. Jetzt stellt sich heraus, dass das nicht stimmt. Anstatt die Gründe für ein solches Verhalten zu nennen, schweigt der Intendant weiter.

Den Generalmusikdirektor auf Lebenszeit wie zu Karajans Zeiten gibt es nicht mehr. Das ist auch gut so. Dass Verträge nicht verlängert werden, sei es von Betroffenen oder von der Stadt, gehört zum Alltag unserer schnelllebigen Zeit. Merkwürdig jedoch, wenn sich sowohl ein Orchester als auch die Stadt gegen die Vertragsverlängerung ihres Musikchefs aussprechen, aber die Öffentlichkeit zwei Jahre lang im Glauben lassen, der Dirigent wolle sein Amt aus eigenem Willen aufgeben.
Genau dieses Szenario führt derzeit in Aachen zu heißen Diskussionen. Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, der im Sommer nach Ablauf seines fünfjährigen Vertrags Aachen verlassen wird, habe bereits im Herbst 2015 signalisiert, dass er an einer Verlängerung nicht interessiert sei. So hieß es in Verlautbarungen der Stadt und des Theaters. Abdullah selbst hat jede Antwort auf die Frage nach den Gründen verweigert und auf später verwiesen. Jetzt, kurz vor Abdullahs Abgang, hat Bernd Mathieu, der Chefredakteur der Aachener Zeitung und der Aachener Nachrichten, Wind von den tatsächlichen Vorgängen bekommen und sich persönlich kundig gemacht. Kompliment für einen heutigen Chefredakteur, der sich noch so vehement kulturellen Fragen widmet. Jetzt heißt es plötzlich, dass Abdullah im Herbst 2015, er war da gerade drei Jahre im Amt, signalisiert wurde, dass die Stadt nicht beabsichtige, seinen jetzt auslaufenden Vertrag verlängern. Das ist Tatsache, wie Reaktionen aus Stadt und der Theaterleitung erkennen lassen. Dass sich auch das Orchester gegen Abdullah ausgesprochen haben soll, wird behauptet, kursiert aber immer noch als „offenbare“ Vermutung. Dass die Öffentlichkeit, die schließlich als Steuerzahler und Besucher den Betrieb bezahlt, zwei Jahre lang belogen wurde und ein Anrecht auf eine letzte Klärung dieser unappetitlichen Vorgänge hat, scheint niemanden in den Führungsetagen zu interessieren. Auch der Orchestervorstand hält sich zurück. Dabei dürfen sich Turbulenzen wie zu Zeiten Elio Boncompagnis und Elmar Ottenthals in den 1990-er Jahren, die zu massiven Einbrüchen der Besucherzahlen und einem fast ruinösen Qualitätsabfall des Orchesters und des Theaters geführt haben, nicht wiederholen. Mit viel Einsatz hat Marcus Bosch das Niveau des Orchesters und das Vertrauen des Publikums wiedergewinnen können. Eine Basis, die Kazem Abdullah mit Erfolg für eine Stabilisierung der Verhältnisse nutzte und die jetzt wieder gefährdet ist. Dass Abdullah nicht ganz so virtuos und direkt mit dem Publikum kommunizieren konnte wie Bosch, haben die Aachener akzeptiert. Dass sie freilich belogen werden auf Kosten eines Mannes, dessen Leistungsbilanz bis jetzt stimmt, könnte zu bösen Reaktionen führen.
Was hat man sich von diesem Versteckspiel eigentlich erhofft? Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck deutet an, man habe Abdullah „schützen und mit Blick auf seine Bewerbungen vor allem in Deutschland nicht beschädigen“ wollen. Erst einen Tritt vors Schienbein und danach tröstendes Streicheln: Kann man jemanden noch stärker demütigen? Abdullah ist jedenfalls maßlos enttäuscht von dem Procedere, bei dem ihm selbst kaum Gelegenheit gegeben wurde, ausführlich Stellung nehmen zu können. Das haben weder Abdullah noch das Theater und erst recht nicht das Publikum verdient.
Pedro Obiera
Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.