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Pedro Obiera - Foto © O-Ton

Hilfen für Karrieren im Schweinsgalopp

Die Vergabe des Herbert-von-Karajan-Preises an den jungen Klavierstar Daniil Trifonov wirft Fragen auf. Das Festkonzert mit einem jungen, ebenfalls preis­ge­krönten Dirigenten weckte noch größere Zweifel an den Sinn und Unsinn der heutigen Preisfluten.

Eliette von Karajan und Daniil Trifonov – Foto © Franz Neumayr

Seit 2003 wurde alljährlich der Herbert-von-Karajan-Preis an heraus­ra­gende Künstler in Baden-Baden vergeben. In diesem Jahr wird er erstmalig in Salzburg überreicht. Das jetzt von Eliette von Karajan gestiftete Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro ist zweck­ge­bunden für die Nachwuchs­arbeit einzu­setzen. Da macht es auch Sinn, wenn ausschließlich etablierte Stars die Auszeichnung erhalten, die das Geld sinnvoll in Förder­pro­jekte inves­tieren können. In den letzten vier Jahren kamen Thomas Hengel­brock, die Wiener Philhar­mo­niker, Edita Gruberová und Cecilia Bartoli in den Genuss der Ehrung. Und in der Vergan­genheit fehlte von Anne-Sophie Mutter bis Daniel Barenboim kaum ein Name von Rang.

Wurde der Preis bisher im Festspielhaus Baden-Baden überreicht, nahm in diesem Jahr der russische Pianist Daniil Trifonov die Auszeichnung aus den Händen der Karajan-Witwe erstmals im Großen Festspielhaus Salzburg entgegen. Eine Referenz an das 50-jährige Bestehen der 1967 von Herbert von Karajan gegrün­deten Oster­fest­spiele. Dass Trifonov selbst noch zum Nachwuchs zu zählen ist, auch wenn er aufgrund seines Markt­wertes auf Preis­gelder nicht mehr angewiesen, ist ein Novum, das angesichts vieler diskus­si­ons­wür­diger Preis­ver­gaben im inter­na­tio­nalen Auszeich­nungs­zirkus nicht weiter auffallen würde.

Inter­essant ist es schon, wenn die Wahl auf einen jungen Mann fällt, der zugleich als „Artist in Residence“ der Sächsi­schen Staats­ka­pelle Dresden gefördert wird. Und, welch Zufall, die Sächsische Staats­ka­pelle ist das Hausor­chester der Oster­fest­spiele und ihr Chef Christian Thielemann ihr künst­le­ri­scher Leiter. So konnten sich Orchester, Dirigent und Preis­träger im ausver­kauften Preis­trä­ger­konzert einträchtig mit einer soliden Inter­pre­tation von Mozarts Klavier­konzert in C‑Dur BWV 467 bedanken. Nicht unbedingt die Domäne dieser Künstler, aber dennoch ein festspiel­wür­diger Akt.

Noch inter­es­santer, aber auch noch fragwür­diger wurde es nach der Pause mit dem Auftritt des 26-jährigen Dirigenten Lorenzo Viotti, der 2015 den Nestlé and Salzburg Young Conductors Award gewonnen hat. Sein Auftritt ließ Zweifel aufkommen, ob man blutjungen Dirigenten einen Gefallen damit tut, sie früh mit zu großen Aufgaben zu betrauen. Gerade an der Wirkungs­stätte Herbert von Karajans, der nicht als Pultstar geboren wurde, sondern sich die Karriere auf einer Ochsentour durch tiefste Provinzen erarbeitet hat. Und das mit nachhal­tigem Erfolg, der hochge­puschten Talenten ohne Gelegenheit, in Ruhe Erfah­rungen sammeln und ihre Fähig­keiten entwi­ckeln zu können, nicht garan­tiert werden kann. Die Dresdner Profis folgten Viottis Leitung von Ernest Chaussons Wagner-durch­tränkter Symphonie in B‑Dur zwar aufmerksam. In Ravels Bolero schlichen sich jedoch deutliche Unsicher­heiten ein. Intona­ti­ons­t­rü­bungen und Fehlein­sätze überraschten, weniger dagegen die Unfähigkeit des Dirigenten, das viertel­stündige Orchester-Crescendo linear und bruchlos anwachsen zu lassen. Das ist schwer, setzt aber eben jene handwerk­liche Meister­schaft voraus, die auf Erfahrung basiert und nicht auf mediale Trommelwirbel.

Pedro Obiera

Kommentare geben die persön­liche Meinung der Verfas­serin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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