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Am 11. März fand in den Kammerspielen Bad Godesberg das erste Treffen der Theatermacherinnen statt. Über 350 Frauen trafen sich unter Ausschluss der – männlichen – Öffentlichkeit, um über „brennende Themen“ zu reden. Bedarf gibt es offensichtlich. Und wie man hört, war es auch ein schöner Tag. Nur die Ergebnisliste fällt ein wenig dürftig aus.

Nein, ich bin kein Frauenversteher. Und wenn ich den Begriff Emanzipation höre, denke ich in letzter Zeit immer häufiger an Männer als an Frauen. In Parkhäusern besetze ich lustvoll und provokativ die Parkplätze, die mit dem diskriminierenden Begriff Frauenparkplatz gekennzeichnet sind. Warum also sollte ich mich in ein Thema einmischen, das mich „nichts angeht“? Nun, schon diese Prämisse ist falsch. Wenn es Missstände in deutschen Theatern gibt, ist das kein Frauenproblem, sondern ein gesellschaftlicher Zustand, der uns alle angeht. Das sieht im Prinzip auch die Bonner Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp so. Trotzdem war sie mit Lisa Jopt, Ensemblemitglied am Bochumer Schauspielhaus, der Auffassung, dass sich zunächst einmal die Frauen aus den Theatern finden, vernetzen und ihre Probleme formulieren müssten, ehe sie in den gesellschaftlichen Diskurs eintreten könnten. Also ergriffen sie die Initiative und riefen für den 11. März das erste Treffen der Theatermacherinnen in den Kammerspielen Bad Godesberg aus. Die Resonanz war groß und darf durchaus als massiver Gesprächsbedarf der Macherinnen aller Berufssparten im Theater betrachtet werden. Es kamen weitaus mehr Anmeldungen, als räumlich bedingt Plätze vorhanden waren.
Nach einem Tag voller Impulsvorträge, Diskussionen in Kleingruppen und im Auditorium, zeigen sich die Initiatorinnen zufrieden mit dem ersten Ergebnis. „Dies war ein weiterer wichtiger Schritt für alle Menschen – Männer wie Frauen – die Interesse an einem Paradigmenwechsel im Theater haben. Wenn die Ergebnisse der Konferenz schnell umgesetzt werden, bedeutet dies unmittelbare Konsequenzen für die Lebensqualität und künstlerische Exzellenz aller Beteiligten“, resümiert Jopt ein wenig euphorisch und dementsprechend übereilt. Ein einzelner Kongress hat noch nie die Welt bewegt. Aber oft genug haben solche Begegnungen den Anstoß zu umwälzenden Entwicklungen gegeben. Und das wäre ja auch schon ein großartiges Ergebnis. „Wir haben mit Burning Issues einen kräftigen Aufschlag gemacht und sind überwältigt von der Energie der teilnehmenden Frauen. Es wird definitiv eine Folgeveranstaltung und weitere Arbeitsgruppen geben. Es wurde deutlich, dass die Frauen bereit sind, ihre Themen mit Nachdruck zu verfolgen“, formuliert es denn auch Bramkamp etwas wirklichkeitsnäher. Ganz so spektakulär, wie es sich anhört, sind die Ergebnisse dieses Treffens freilich nicht. Und frauenspezifisch schon gar nicht. In sechs Themenschwerpunkte wurden die Ergebnisse am Ende des Tages gegossen.
Die Abschaffung der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen, die Schaffung von familienfreundlicheren Strukturen an den Theatern, die Erhöhung des Anteils von Frauen in allen Ressorts, die Ahndung von Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen, die Reform von vorherrschend patriarchal orientierten Führungsstrukturen und der Wunsch nach mehr Diversität, Inklusion und Solidarität. Sagen Sie mir, was daran in einer modernen Gesellschaft frauenspezifisch oder auch nur theaterspezifisch ist. Abgesehen davon, dass es sich hier, positiv ausgedrückt, allenfalls um Strategieziele handelt, was aber nach nur einem Tag mehr als verzeihlich ist. Aber es klingt nach einer Aufgabenliste für die Betriebe in den kommenden Jahren, völlig unabhängig vom Geschlecht. Oder, um es produktiver auszudrücken: Nur, wenn Männer und Frauen hier zusammenarbeiten, werden sich die Strukturen verändern lassen. Was ist beispielsweise damit erreicht, wenn eine Intendantin mit monatlich 15.000 Euro nach Hause geht, weil der Intendant eines anderen Hauses das Gleiche verdient, die Sängerinnen und Sänger der Häuser aber weiter am Existenzminimum herumknappsen, egal, ob sie das Gleiche verdienen oder nicht? Und wie lange dauert es, bis die gleiche Bezahlung von Schauspielern und Schauspielerinnen genutzt wird, um sie gegeneinander auszuspielen, etwa, wenn den Frauen vorgehalten wird, dass nun mehr Stellen gekürzt werden müssen, weil sie auf ein paar Euro mehr bestanden haben? Hier hülfe nur noch die Solidarität beider Geschlechter.
Nur, wenn Frauen und Männer gemeinsam an diesen Aufgaben arbeiten, wird es vernünftige Lösungen geben. Beispiel Machtmissbrauch. Heute schon real existierend: Die Intendantin, die ihre Macht missbraucht, um Mitarbeiter beiderlei Geschlechts zu schikanieren und drangsalieren. Sicher nicht das klassische Besetzungssofa-Beispiel, betrifft aber dafür gleich hunderte von Mitarbeitern. Wie gehen Frauen damit um? Das kann ich Ihnen sagen. Nicht anders als Männer. Beide suchen verzweifelt nach Auswegen. Übrigens heute schon gemeinsam und das bislang erfolglos.
Ich hätte mir als Fazit dieses Tages eine Solidaritätsadresse der Frauen an die Männer gewünscht, ganz platt: Gemeinsam sind wir stark. Das wäre sicher das stärkere Ergebnis gewesen. Wissen Sie, was eine Forderung nach familienfreundlicheren Strukturen an den Theatern ist? In diesem Zusammenhang verkrustetes Emanzendenken der 1980-er Jahre. Das ist doch längst keine Forderung von Frauen mehr. Das betrifft Männer und Frauen gleichermaßen. Und glücklicherweise gibt es längst Häuser, an denen daran gearbeitet wird, vollkommen unabhängig davon, ob es sich um Verbesserungen für Mütter oder Väter oder beide handelt.
Ich gönne den Frauen ihr Freundinnentreffen. Freue mich, dass sie alle viel Spaß hatten. Und macht gerne so was noch mal. Aber möglicherweise ist ja schon der Punkt überschritten, an dem viele Gleichbehandlung mit Bevorzugung verwechseln. Diskutiert das doch gern mal unter Euch beim nächsten Treffen. Bis dahin sei mir noch eine Bitte gestattet: Lasst das Deutsche weg. Die Neigung ins andere Extrem hat noch nie genutzt. Und wenn wir jetzt ernsthaft anfangen, Stücke und Werke im emanzipatorischen Proporz aufzuführen, gehen wir jämmerlichen Zeiten und einer kulturellen Verflachung entgegen, die niemandem nutzen kann. Wir Männer wollen weder Otelline noch Donna Carla auf den Bühnen sehen, nur, weil damit eine Quote bei den Titelhelden, pardon, Titelheldinnen erfüllt wird. Bei allem anderen können wir gemeinsam sicher viel schaffen.
Michael S. Zerban