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Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
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Als in der Schweiz beschlossen wurde, Veranstaltungen zu streichen, bei denen mehr als 1.000 Besucher zu erwarten wären, lächelten deutsche Kulturschaffende. Muss man es denn gleich übertreiben? Seit dem 10. März brechen in Deutschland die Dämme, und nun lächelt niemand mehr. Weil einem Minister nichts Besseres einfällt, übernimmt er kurzerhand die Regelung. Ungeachtet der Konsequenzen, die erheblich schlimmer ausfallen könnten als ein paar ausgefallene Vorstellungen.
Die Deutschen haben das Händewaschen als zivilisatorische Errungenschaft entdeckt. Sehr schön. Dass es sich bei diesem Volk um eine Horde von Taugenichtsen handelt, die aus Krankenhäusern nicht nur Desinfektionsmittel, sondern gleich die Spender mit dazu stehlen, ist eine neue Erkenntnis. Hamsterkäufe wurden wenigstens von einem Teil der Bevölkerung noch belächelt. Aber die Panik nimmt zu vor einem Virus, von dem anzunehmen ist, dass er nicht annähernd so aggressiv ist wie der Grippe-Virus. Die Medien eilen sensationslüstern von Hype zu Hype, erwecken eine Weltuntergangsstimmung, und der Politik fällt nichts weiter ein, als die totale soziale Isolation anzustreben.
Ende vorletzter Woche verkündete die Schweiz, keine Veranstaltungen mehr zuzulassen, bei der mehr als 1.000 Zuschauer zugegen sind. In der Schweiz gab es viel Spott ob dieser Entscheidung. In Deutschland lächelte man über die Eidgenossen. Das hat sich jetzt geändert. Der Gesundheitsminister, fachliche Kompetenz wird ihm hier ausdrücklich abgesprochen, hat entschieden, die gleiche Regelung in Deutschland vorzuschlagen. Nicht einen Deut hat er anscheinend über die Konsequenzen nachgedacht.
Die offenbaren sich schneller, als ihm lieb ist. Große, staatlich unterstützte Theater-Häuser, die sich kaum Gedanken über Verdienstausfälle oder Ähnliches machen müssen, stellen ihren Betrieb ab dem 10. März ein. In Nürnberg, Augsburg, Berlin und anderswo machen diese Institutionen mal eben einen Monat – oder länger – dicht. Andere begrenzen die Zuschauerzahlen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Tatsächlich trifft es aber nicht diese Häuser, sondern einmal mehr geht es um die Kleinen, die sich im Kulturbetrieb oft kaum über Wasser halten können.
Denn natürlich leuchtet es jedem ein, dass der Virus nicht erkennt, ob in einem Raum 999 Personen oder 40 Personen versammelt sind. Und so ist es ja auch in den so genannten Sozialen Medien als Stimmungsbild zu erkennen. Schon stöhnen die kleinen Bühnen, dass die Besucherzahlen zurückgehen. Ob sie die Krise durchstehen, wird man sehen. Bislang sieht nicht viel danach aus. Und inwieweit solche für die Kultur überlebenswichtigen Gruppen von Kulturschaffenden ihr Überleben schaffen, obwohl die Besucher vorsorglich zu Hause bleiben, wird man sehen. Die Regierung hüllt sich über solche Kleinigkeiten in Schweigen.
Viele Bürger empfinden die getroffenen Maßnahmen als Hysterie, auch wenn sie in den Medien tagtäglich als richtig empfohlen werden. Man könne so die Ansteckungsgefahr nicht schmälern, aber abfedern, ist überall zu hören und zu lesen. Und das sei evident. Wenn man es nur laut und lange genug behauptet, wird es schon geglaubt. Dabei ist es so blödsinnig wie die Hamsterkäufe von Mehl, Nudeln und Toilettenpapier.
Wenn die großen Häuser ihre Pforten schließen, ist das ihre Sache. Wenn aber die Bürger daraus schließen, dass es generell gefährlich sei, Aufführungen zu besuchen, wird das in der Kultur einen Erdrutsch verursachen. Das gilt es, im Sinne unserer kulturellen Freiheit zu verhindern. Ich fordere Sie, liebe Besucher von O‑Ton, ausdrücklich auf, den kleineren Veranstaltern in dieser Zeit den Rücken zu stärken. Gehen Sie zu Veranstaltungen der so genannten Freien Szene, gehen Sie ins Kabarett, gehen Sie überall hin, wo Kulturschaffende durchhalten. Es geht nicht mehr darum, Unterhaltung oder Erkenntnis geboten zu bekommen, sondern unsere wertvolle Kulturlandschaft zu erhalten.
Die Zielgruppen des Virus‘ sind bekannt. Alte Menschen, Kinder und Menschen mit chronischen Erkrankungen müssen sich wohl potenziell bedroht fühlen. Alle anderen können jetzt die Künstler unterstützen, die alternativ versuchen, Kultur zu vermitteln. Nutzen Sie jetzt die Möglichkeit, Ihre Solidarität unter Beweis zu stellen. Damit es „die Kleinen“ auch morgen noch gibt, die uns – oft auch nur in Stadtteilen – die Kultur liefern, die wir zum Leben brauchen.
Es gibt noch eine andere Gruppe von Menschen, die an den unüberlegten Ideen der Regierung Schaden nehmen könnte. Das sind nämlich die Menschen, die über die kulturellen Ereignisse in Deutschland berichten. Ihnen wird plötzlich die Grundlage ihrer Berichterstattung entzogen. Was erst mal nicht so wichtig klingt, wird sich in den kommenden Monaten zu einem grundlegenden Problem ausweiten. Auch bei O‑Ton wird es Änderungen geben. Wir werden unsere Berichterstattung der geänderten Sachlage anpassen. Aber nicht vermindern. Im Gegenteil werden wir mit geschärftem Blick über diejenigen Kulturschaffenden berichten, die „den Betrieb aufrechterhalten“. Um ihnen Mut zu machen, Ihnen Alternativen aufzuzeigen und somit mithelfen, einen Kulturbetrieb aufrechtzuerhalten, den die Regierung allzu leichtfertig aufgibt.
Michael S. Zerban