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Georg Beck - Foto © Alexander Basta

К сожалению, нет. Leider, nein.

Der Fall Intrada oder: Warum ein russi­scher Chor kein Konzert auf der Wartburg geben kann, was das mit den Sanktionen des Westens zu tun hat und weshalb das Plädoyer von Kulturstaats­ministerin Claudia Roth für die russische Kultur Lippen­be­kenntnis bleibt.

Ekaterina Antonenko leitet den Chor Intrada – Foto © Ira Polyarnaya

Kürzlich, im Interview der Augsburger Allge­meinen, hat Kultur­staats­mi­nis­terin Claudia Roth die „großartige russische Kultur“ gelobt, im gleichen Atemzug deren aktuellen Boykott beklagt, ja für „völlig falsch“ befunden und zwar mit dem nicht ganz von der Hand zu weisenden Argument, dass es ja oft die russi­schen Künstler seien, „die versuchen, die letzten Freiräume aufrecht­zuerhalten“. Um einmal die Probe aufs Exempel zu machen, wäre inter­essant, zu erfahren, ob Roth den Moskauer Chor Intrada kennt, ob sie Ekaterina Antonenko, die Gründungs­di­ri­gentin des Chors kennt? Und ob sie weiß, wie die von ihrer Bundes­re­gierung verhängten Sanktionen die russi­schen Künstler von Intrada jetzt an der Kunst-Ausübung erfolg­reich gehindert, die beschwo­renen Freiräume verun­mög­licht haben? Wohl gemerkt: Nicht Putin, die Sanktionen haben das geschafft.

Eigentlich hätte Intrada am 23. Juli ein von Deutsch­landfunk Kultur veranstal­tetes Konzert auf der Wartburg geben sollen. Man hätte die hierzu­lande selten zu erlebende Chrysostomos-Liturgie von Sergej Rachma­ninow hören können, in der Ausführung eines russi­schen Spitzen­en­sembles – denn nichts weniger ist Intrada, ein durch und durch profes­sionell aufge­stelltes Ensemble. Wer dort eintritt, kommt mit einer ausge­bil­deten Stimme, hat in nicht wenigen Fällen selbst chorische Leitungs­er­fahrung. „Genau jetzt“, sagt Leiterin Antonenko im Interview Mitte Juli, „singt und spielt ein Quartett von meinen Sängern in der Premiere von Kirill Serebren­nikows Der schwarze Mönch nach Tschechow in Avignon“. Unter Antonenko, die an der Kölner Musik­hoch­schule ein Studium beim inter­na­tional renom­mierten Dirigenten Markus Creed absol­viert hat, hat sich Intrada von der Alten Musik fortbewegt, hat sich verschie­denen Stilrich­tungen des 19. und 20. Jahrhun­derts geöffnet und hat, es ist der Künst­lerin wichtig, „neues Reper­toire aus der russisch-ukrai­ni­schen Barock­musik“ erschlossen, wozu man passen­der­weise ergänzen darf, dass nicht wenige Intrada-Mitglieder Verwandte in der Ukraine haben.

Was die Ziele angeht, die die exzellent deutsch­spre­chende Antonenko mit ihrem Chor verfolgt, so sind diese ausnahmslos künst­le­rische. Es geht ihr nicht um Folklore, schon gar nicht um verkappten Natio­na­lismus. Und auch hinsichtlich der ökonomi­schen Basis setzt man auf Unabhän­gigkeit, finan­ziert sich über die Konzerte, die man gibt, und die Förde­rungen, die man einwirbt. Bevor­zugte Intrada-Partner sind die in Moskau ansäs­sigen diplo­ma­ti­schen Vertre­tungen, Deutsche, Britische, Franzö­sische, Schwei­ze­rische Botschaft.

Womit wir wieder bei der Politik angelangt wären, in diesem Fall bei der Sperrung des EU-Luftraums für russische Airlines und deren Auswir­kungen für die von Claudia Roth so freundlich apostro­phierten „russi­schen Künstler und Künst­le­rinnen“. Antonenko rechnet vor: „Wenn man jetzt nach Deutschland reisen möchte, kann man entweder via Türkei über Istanbul oder Antalya oder via Usbekistan nach Deutschland fliegen. Die Dauer ist unter­schiedlich, der Preis liegt bei wenigstens 1600 Euro pro Person.“ Übernachtungs‑, weitere Reise­kosten kämen hinzu. Bei einer Chorgröße von 24 Mitgliedern lässt sich leicht ausrechnen, in welche Dimen­sionen man hier eintritt. Apropos. Abgeleitet ist Intrada aus dem italie­ni­schen entrata – etwas, was dem Chor gerade jetzt unmöglich gemacht wird: Eintreten nämlich und Kunst machen. – Was geht da in einem vor? Unmöglich kann Ekaterina Antonenko ihre Enttäu­schung kaschieren. „Die Tatsache, dass Intrada in Russland überhaupt existiert, ist ein Wunder. Wir bieten etwas ganz Neues – neuen Klang, neues Reper­toire, neue Sicht­weise. Für uns wäre es sehr wichtig gewesen, genau in dieser Zeit auf der Wartburg ein Meisterwerk von Rachma­ninow aufzuführen.“

Nicht nur für die Intrada-Choristen, darf man hinzu­fügen. Auch für uns wäre es in dieser Zeit einiger­maßen wichtig gewesen. Natürlich wegen, um noch einmal Claudia Roth zu zitieren, einem Stück „großar­tiger russi­scher Kultur“. Und überhaupt wegen den „aufrecht­zuerhaltenden Freiräumen“, wegen des Zeichens, das von einem solchen Konzert aus- und ins Land gegangen wäre. – Zum Schluss hatte Antonenko übrigens noch die Deutsche Botschaft in Moskau um Unter­stützung angefragt. К сожалению, нет. Leider, nein.

Was uns der Fall Intrada lehrt? – Zumindest doch dies, dass, sofern es nicht bei einem Lippen­be­kenntnis der Kultur­staats­mi­nis­terin bleiben soll, die Regierung in der Pflicht steht, für andere Lösungen zu sorgen. Sanktionen nach dem Rasen­mäher-Prinzip sind jeden­falls keine.

Georg Beck

Kommentare geben die persönliche Meinung  des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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