O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Nachdem Gustav Kuhn nun seinen Sessel als Künstlerischer Leiter – vorübergehend – geräumt hat, wird Andreas Leisner interimistischer Leiter der Tiroler Festspiele Erl. So, hat man gedacht, kommt nun Ruhe in die Angelegenheit, um die Vorwürfe gegen Kuhn abseits des Festspielgeschehens untersuchen zu können. Aber schon einen Tag nach der „Selbst-Suspendierung“ stellt sich die Frage, ob es sich hier nicht eher um einen weiteren Winkelzug handelt.

Die Erleichterung war auf allen Seiten spürbar, als Gustav Kuhn, Dirigent und Künstlerischer Leiter der Tiroler Festspiele Erl, endlich erklärte, sein Amt ruhen zu lassen, bis die Vorwürfe wegen des sexuellen Missbrauchs gegen ihn aufgeklärt seien. Dass er weiterhin erklärte, es handele sich bei diesem Entschluss nicht um ein Schuldeingeständnis, versteht jeder genauso wie den Grund seines Handelns: Er wolle Schaden von den Festspielen abwenden. Ebenso verständlich die Bekanntgabe, dass sein Stellvertreter, Andreas Leisner, nun seine Funktion vorübergehend übernehmen werde. Dass der studierte Opernregisseur, der nach eigenen Angaben das Dirigentenhandwerk von Kuhn gelernt hat, seit zwölf Jahren enger Vertrauter Kuhns ist, muss man wohl in Kauf nehmen, jedenfalls können so die Geschäfte reibungslos weiterlaufen.
Und auch sonst scheint jetzt manches in geregelteren Bahnen zu laufen. Die merkwürdige Konstellation, dass ein Rechtsanwalt gleich drei Parteien vertritt, ist inzwischen aufgelöst. Ex-Justizminister Michael Krüger kümmert sich nun ausschließlich um die Angelegenheiten Kuhns. Die Staatsanwaltschaft ist mit der strafrechtlichen Prüfung der lautgewordenen Vorwürfe beauftragt, auch wenn jetzt schon klar sein dürfte, dass diese Ermittlungen im Sande verlaufen werden, weil die bekannten Tatsachen vermutlich längst verjährt sein werden. Interessanter wird die Untersuchung der Gleichbehandlungskommission beim Bundeskanzleramt, die nun auf Betreiben des Vorstandes der Stiftung in die Wege geleitet wird. Ombudsfrau Christine Baur, die bereits mit Aufkommen der ersten Vorwürfe eingesetzt wurde, weiß, dass eine solche Untersuchung „zwischen sechs Monaten und einem Jahr dauern“ kann. Da Gustav Kuhn vor Beendigung dieser Untersuchung nicht als Künstlerischer Leiter nach Erl zurückkehren wird, sollte man annehmen, dass er dort in diesem Jahr nicht mehr in Erscheinung tritt. Weit gefehlt.
„Wir planen das weitere Programm ab kommendem Herbst mit Kuhn am Dirigentenpult“, erklärt Leisner quasi als erste Amtshandlung gegenüber einer Tageszeitung. Da bleibt einem die Spucke weg. Es bleibt also alles, wie es ist, nur der Dirigent hat nicht mehr Künstlerischer Leiter auf seiner Visitenkarte stehen? Glaubt der alte Mann allen Ernstes, mit einem solchen Winkelzug die Öffentlichkeit täuschen zu können? Es ist absurd. Bezieht sich doch ein Teil der Vorwürfe gerade auf diesen Bereich seiner bisherigen Arbeit. Sollten sich die Vorwürfe als wahr erweisen, bedeutete das nichts anderes, als dass Beleidigungen und Grapschereien nun nicht mehr im Büro des Künstlerischen Leiters, sondern nur noch im Probenraum stattfinden.
Bleibt nur zu hoffen, dass Leisner bis zum Herbst seine offenbar falsch verstandene Loyalität über Bord wirft und sich darauf besinnt, was seine eigentliche Aufgabe ist: Die künstlerische Leitung des Festspielhauses wahrzunehmen und Schaden von ihm abzuwenden. Allein so könnte er sich für nachfolgende Positionen empfehlen. Denn dass er die Nachfolge Kuhns nach dessen offiziellem Ausscheiden spätestens 2020 antreten könnte, ist bereits jetzt ausgeschlossen. „Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner hat mir zu verstehen gegeben, dass man einen Neustart anstrebt mit einer Persönlichkeit, die nicht in Erl groß geworden ist“, sagt Leisner. Es muss also in seinem eigenen Interesse liegen, Kuhns öffentlich angekündigte „Selbst-Suspendierung“ ernst zu nehmen und sich nicht auf sprachliche Winkelzüge einzulassen. Der Image-Schaden – nicht nur für das Festspielhaus – wäre sonst gewaltig.
Michael S. Zerban