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Michael S. Zerban - Foto © O-Ton

Sie können es nicht lassen

Nachdem Gustav Kuhn nun seinen Sessel als Künst­le­ri­scher Leiter – vorüber­gehend – geräumt hat, wird Andreas Leisner interi­mis­ti­scher Leiter der Tiroler Festspiele Erl. So, hat man gedacht, kommt nun Ruhe in die Angele­genheit, um die Vorwürfe gegen Kuhn abseits des Festspiel­ge­schehens unter­suchen zu können. Aber schon einen Tag nach der „Selbst-Suspen­dierung“ stellt sich die Frage, ob es sich hier nicht eher um einen weiteren Winkelzug handelt.

In Erl gibt es wenig zu lachen. – Foto © Xiomara Bender

Die Erleich­terung war auf allen Seiten spürbar, als Gustav Kuhn, Dirigent und Künst­le­ri­scher Leiter der Tiroler Festspiele Erl, endlich erklärte, sein Amt ruhen zu lassen, bis die Vorwürfe wegen des sexuellen Missbrauchs gegen ihn aufge­klärt seien. Dass er weiterhin erklärte, es handele sich bei diesem Entschluss nicht um ein Schuld­ein­ge­ständnis, versteht jeder genauso wie den Grund seines Handelns: Er wolle Schaden von den Festspielen abwenden. Ebenso verständlich die Bekanntgabe, dass sein Stell­ver­treter, Andreas Leisner, nun seine Funktion vorüber­gehend übernehmen werde. Dass der studierte Opern­re­gisseur, der nach eigenen Angaben das Dirigen­ten­handwerk von Kuhn gelernt hat, seit zwölf Jahren enger Vertrauter Kuhns ist, muss man wohl in Kauf nehmen, jeden­falls können so die Geschäfte reibungslos weiterlaufen.

Und auch sonst scheint jetzt manches in geregel­teren Bahnen zu laufen. Die merkwürdige Konstel­lation, dass ein Rechts­anwalt gleich drei Parteien vertritt, ist inzwi­schen aufgelöst. Ex-Justiz­mi­nister Michael Krüger kümmert sich nun ausschließlich um die Angele­gen­heiten Kuhns. Die Staats­an­walt­schaft ist mit der straf­recht­lichen Prüfung der lautge­wor­denen Vorwürfe beauf­tragt, auch wenn jetzt schon klar sein dürfte, dass diese Ermitt­lungen im Sande verlaufen werden, weil die bekannten Tatsachen vermutlich längst verjährt sein werden. Inter­es­santer wird die Unter­su­chung der Gleich­be­hand­lungs­kom­mission beim Bundes­kanz­leramt, die nun auf Betreiben des Vorstandes der Stiftung in die Wege geleitet wird. Ombudsfrau Christine Baur, die bereits mit Aufkommen der ersten Vorwürfe einge­setzt wurde, weiß, dass eine solche Unter­su­chung „zwischen sechs Monaten und einem Jahr dauern“ kann. Da Gustav Kuhn vor Beendigung dieser Unter­su­chung nicht als Künst­le­ri­scher Leiter nach Erl zurück­kehren wird, sollte man annehmen, dass er dort in diesem Jahr nicht mehr in Erscheinung tritt. Weit gefehlt.

„Wir planen das weitere Programm ab kommendem Herbst mit Kuhn am Dirigen­tenpult“, erklärt Leisner quasi als erste Amtshandlung gegenüber einer Tages­zeitung. Da bleibt einem die Spucke weg. Es bleibt also alles, wie es ist, nur der Dirigent hat nicht mehr Künst­le­ri­scher Leiter auf seiner Visiten­karte stehen? Glaubt der alte Mann allen Ernstes, mit einem solchen Winkelzug die Öffent­lichkeit täuschen zu können? Es ist absurd. Bezieht sich doch ein Teil der Vorwürfe gerade auf diesen Bereich seiner bishe­rigen Arbeit. Sollten sich die Vorwürfe als wahr erweisen, bedeutete das nichts anderes, als dass Belei­di­gungen und Grapsche­reien nun nicht mehr im Büro des Künst­le­ri­schen Leiters, sondern nur noch im Probenraum stattfinden.

Bleibt nur zu hoffen, dass Leisner bis zum Herbst seine offenbar falsch verstandene Loyalität über Bord wirft und sich darauf besinnt, was seine eigent­liche Aufgabe ist: Die künst­le­rische Leitung des Festspiel­hauses wahrzu­nehmen und Schaden von ihm abzuwenden. Allein so könnte er sich für nachfol­gende Positionen empfehlen. Denn dass er die Nachfolge Kuhns nach dessen offizi­ellem Ausscheiden spätestens 2020 antreten könnte, ist bereits jetzt ausge­schlossen. „Festspiel­prä­sident Hans Peter Hasel­steiner hat mir zu verstehen gegeben, dass man einen Neustart anstrebt mit einer Persön­lichkeit, die nicht in Erl groß geworden ist“, sagt Leisner. Es muss also in seinem eigenen Interesse liegen, Kuhns öffentlich angekün­digte „Selbst-Suspen­dierung“ ernst zu nehmen und sich nicht auf sprach­liche Winkelzüge einzu­lassen. Der Image-Schaden – nicht nur für das Festspielhaus – wäre sonst gewaltig.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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