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Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Missglückte Seilschaft

Vor Kurzem fand in Köln ein normaler Verwal­tungsakt statt. Die Oberbür­ger­meis­terin teilte der Inten­dantin der Oper mit, dass ihr Vertrag nach zehn Jahren nicht verlängert werde. Jetzt überrascht die Deutsch­spra­chige Opern­kon­ferenz mit einem offenen Brief an die Oberbür­ger­meis­terin. Diese Aktion ist alles andere als normal. Da lohnt dann doch ein Blick in den Brief und auf die Begleitumstände.

Oberbür­ger­meis­terin Henriette Reker, Köln, bekommt Tipps zu Perso­nal­fragen – Foto © Jens Koch

Verträge zwischen Städten und ihren Opern­in­ten­danten werden in der Regel über fünf Jahre abgeschlossen. Zeigt sich die Führungs­kraft in dieser Zeit genehm, was üblicher­weise bedeutet, dass sie das Haus so führt, dass es der Politik nicht weiter auffällt, wird der Vertrag gern auch ein oder zwei Mal verlängert. So war es auch bei Birgit Meyer in Köln. 2022 wird sie zehn Jahre lang der Kölner Oper vorge­standen haben. Eine ausrei­chend lange Zeit, befand Oberbür­ger­meis­terin Henriette Reker vor Kurzem und beschied der Inten­dantin im persön­lichen Gespräch, dass sie nicht beabsichtige, den Vertrag ein weiteres Mal zu verlängern. So weit, so normal. Konkrete Gründe dafür nannte die Oberbür­ger­meis­terin nicht, weil sie es gar nicht musste. Dem Vernehmen nach sprach sie davon, frischen Wind in die Oper bekommen zu wollen.

Wird das Verfalls­datum einer Intendanz bekannt, beginnt die Legen­den­bildung. Da ist plötzlich von Dingen zu lesen und zu hören, die man in den vergan­genen acht Jahren gar nicht mitbe­kommen hat. So auch bei Meyer. Vergessen wird offenbar gern, dass auch an der Kölner Oper längst nicht alles Gold war, was glänzt. Nein, hier soll nicht nachge­kartet werden, aber von einer glanz­vollen Intendanz, die womöglich noch großartige Perspek­tiven für die Zukunft entwi­ckelt hat, ist das Haus weit entfernt. Da überrascht, dass die Deutsch­spra­chige Opern­kon­ferenz, nach eigenen Angaben ein Zusam­men­schluss von Inten­danten, Geschäfts­führern und Opern­di­rek­toren der dreizehn größten Opern­häuser Deutsch­lands, Öster­reichs und der Schweiz, vertreten durch den Vorsit­zenden Bernd Loebe, Intendant und Geschäfts­führer der Oper Frankfurt am Main, sich in einem offenen Brief an die Oberbür­ger­meis­terin Kölns wendet, um einen Verwal­tungsakt zu kommen­tieren. Überra­schend ist, dass hier eine Seilschaft, die sich ansonsten lieber verschlossen gegenüber der Öffent­lichkeit zeigt, so offen für eine Vertrags­ver­län­gerung der Inten­dantin eintritt. Sollte das der Beginn eines neuen Betäti­gungs­feldes der Deutsch­spra­chigen Opern­kon­ferenz sein, hat sie sich viel vorge­nommen. Denn Inten­dan­ten­wechsel finden doch recht häufig statt.

Inhaltlich ist der Brief merkwürdig dünn, ja, faden­scheinig. Man kann schon fast den Eindruck gewinnen, dass hier mit Blend­gra­naten geworfen und Reker für ziemlich dumm gehalten wird. Da erzählen die Herren Inten­danten, die sich so für ihre einzige Kollegin in der Runde in die Bresche werfen, was sie eigentlich allesamt besser wissen müssten. „Einen möglichen Nachfolger 2021 mit der Planung für 2022 zu beauf­tragen, wird nach unseren Erfah­rungen zu keinem künst­le­risch befrie­di­genden Ergebnis führen“, heißt es in dem Schreiben. Das müsste aber bedeuten, dass Meyer ihre Hausauf­gaben nicht erledigen wollte, denn selbst­ver­ständlich sollte zum Zeitpunkt der Amtsübergabe bereits eine zweijährige Planung stehen, die der neue Intendant zunächst übernehmen kann. Das ist Usus und sollte den Herren der Konferenz sehr wohl bekannt sein. Aber es wird noch kruder.

Die Oberbür­ger­meis­terin habe zu bedenken, heißt es da weiter, dass „die dispo­si­to­ri­schen und organi­sa­to­ri­schen Abläufe für den Spiel­be­trieb in diesem Provi­sorium äußerst komplex sind“. Die Abläufe sind in jedem Opern­be­trieb äußerst komplex. Das Staatenhaus als Ersatz­spiel­stätte wird seit vielen Jahren bespielt und verfügt über ein Team, das sich mit den Beson­der­heiten der Spiel­stätte bestens auskennt. Der Nachfolger von Meyer trifft also auf die gleichen Heraus­for­de­rungen wie an jedem anderen Haus auch. Und das Staatenhaus wird nicht in Staub und Asche zerfallen, wenn der Vertrag der Inten­dantin nicht verlängert wird.

Wünschen darf man sich ja mal was, werden sich die Herren gedacht haben, auch wenn es unsinnig ist. „Es wäre unser Wunsch, diese Leistung dadurch anzuer­kennen, dass Frau Meyer nicht nur den äußerst komplexen Spiel­be­trieb in der Ersatz­spiel­stätte bis zum Ende begleitet, sondern auch das sanierte Opernhaus eröffnen kann.“ Weil die Inten­dantin ihre Arbeit erledigt hat, soll sie jetzt zur Belohnung zusätzlich eine Vertrags­ver­län­gerung bekommen? Oder doch deshalb, weil Meyer „momentan übrigens die einzige Frau in der Runde der Inten­danten des DOK“ ist? Das ist kein Grund, ihren Vertrag in Köln zu verlängern, sehr wohl aber Anlass für die Inten­danten, den Erfolg der eigenen Lobby­arbeit zu überdenken. Und zwar dringend.

Was aus dem Brief klar hervorgeht, ist, dass es tatsächlich keinen Grund zu einer Vertrags­ver­län­gerung für Meyer zu geben scheint. Wirklich braucht Reker für den Wieder­einzug in das Opernhaus einen kommu­ni­ka­ti­ons­freu­digen Menschen, der, statt durch­schnitt­liche Marketing-Pläne abzuar­beiten, mit großer Begeis­te­rungs­fä­higkeit und einem aufre­genden Spielplan die Menschen wieder in den Riphahnbau am Offen­bach­platz holt. Eine heraus­for­dernde Aufgabe, für die es mehr braucht, als sich im Staatenhaus einzu­igeln und sein gestörtes Verhältnis zur Presse zu pflegen.

Das ist mögli­cher­weise auch für die Inten­danten einsichtig. So dass sie nicht mehr Zeit dafür aufwenden müssen, ihre Seilschaften zu sichern. Man kann sich ja durchaus vorstellen, dass es in diesen Zeiten für hochbe­zahlte Spitzen­kräfte der Kultur wichtigere Aufgaben gibt, als die Perso­nal­ent­schei­dungen der Kölner Oberbür­ger­meis­terin in Frage zu stellen. Vor der wiederum liegt nun der weitaus schwie­rigere Teil der Aufgabe, dem Opernhaus in der Innen­stadt beizeiten wieder Leben einzu­hauchen. Denn einfach wird es sicher nicht, eine charis­ma­tische Person mit ausrei­chender Quali­fi­kation zu finden, die bereit ist, an die Oper Köln zu gehen. Und Birgit Meyer? Der wird sicher ihre Seilschaft helfen, eine neue Stelle zu finden, die ihren Fähig­keiten entspricht.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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