O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Am liebsten alt

Auf der Plattform Operabase, die sich am liebsten mit Zahlen und Daten rund um die Oper beschäftigt, ist eine Auffüh­rungs­sta­tistik für die Spielzeit 201516 veröf­fent­licht. Absolut betrachtet ist Deutschland Weltspitze. Erst im Vergleich zeigt sich: Es geht bergab mit der Opern­be­geis­terung. Und modern darf Oper schon gar nicht sein.

Kompo­nistin Elisabeth Naske schafft es mit Kinder­opern auf Platz 108 der Auffüh­rungs­sta­tistik. – Foto © privat

Bezogen auf den Einzelfall, ist ein Spitzen­ranking wenig aussa­ge­kräftig. Trotzdem sind die Zahlen, die die Inter­net­plattform Operabase seit vielen Spiel­zeiten zusam­men­stellt, hilfreich. Weil sie Trends aufzeigen und bei genauerer Betrachtung doch den einen oder anderen Super­lativ relati­vieren können. So zum Beispiel diesen hier: Deutschland ist Weltspitze, was die absolute Zahl an Opern­auf­füh­rungen in der Spielzeit 201516 angeht. 6795 Mal gingen die Bühnen­lichter an. Es folgen die USA mit gerade mal 1657 Auffüh­rungen. Bei der Zahl der öffentlich geför­derten Opern­häuser in Deutschland leuchtet die Zahl ein. Betrachtet man sie aller­dings im Vergleich zu den fünf zurück­lie­genden Spiel­zeiten, wird erschre­ckend klar, was die Zahl tatsächlich bedeutet. Erstmals sind nämlich die Auffüh­rungen deutlich unter 7000 gefallen. Im Vergleich zum Vorjahr heißt das schlicht mehr als 500 Auffüh­rungen weniger. Wendete man den Verlust auf das Operabase-Ranking an, würde ab Platz 11 – Ungarn mit 521 Auffüh­rungen – in den Ländern gar keine Oper mehr gezeigt.

Der politische Kürzungswahn bei der Finan­zierung von Kultur in Deutschland zeigt also Wirkung. Und dabei kann von einer Überver­sorgung der Bevöl­kerung mit kultu­rellen Angeboten keine Rede sein. Schaut man sich die Werte im Bezug zu den Bevöl­ke­rungs­zahlen an, hat sich das mit der Weltspitze bereits wieder erledigt. Da stehen Öster­reich und die Schweiz ganz vorn. Öster­reich übrigens mit deutlichem Abstand. Auch hier zeigt der Trend für Deutschland im Vergleich der zurück­lie­genden Spiel­zeiten nach unten.

Wirft man einen Blick auf die absoluten Zahlen einzelner Städte, liegt Moskau mit 582 noch vor Wien mit 535 Auffüh­rungen. In Deutschland liegen auf den ersten 20 Plätzen – in der Reihen­folge – Berlin, Hamburg, Dresden, München, Frankfurt, Stuttgart und Hannover. Das Opernhaus der Landes­haupt­stadt des größten Bundes­landes fehlt hier ebenso wie die Oper, die sich noch vor einigen Jahren auf die Fahnen geschrieben hatte, auf europäi­schem Niveau mitspielen zu wollen. Köln spielt hier keine Rolle.

Neben dem perma­nenten Kapital­entzug gibt es aller­dings ein weitaus größeres Problem. Die Oper scheint nicht in der Lage, sich zu erneuern. In der Gesamt­be­trachtung der vergan­genen fünf Spiel­zeiten heißen die drei meist­auf­ge­führten Kompo­nisten Verdi, Mozart und Puccini. Mit deutlichem Abstand gefolgt von Rossini, Wagner und Donizetti. Der erste lebende Komponist erscheint in der Liste auf Platz 41 und ist Philipp Glass. Die erste lebende Kompo­nistin heißt übrigens Elisabeth Naske, stammt aus Öster­reich und rangiert auf Position 108.

Wollen Sie noch weiter in das Keller­ge­schoss des Opern­mu­seums? Die meist­ge­spielten Opern sind La Traviata, Die Zauber­flöte und Carmen. Sie werden in der Liste der Operabase auf den ersten 25 Plätzen nichts anderes finden als alte, sattge­hörte Opern. Und die Opern­häuser können noch so berühmte Regis­seure aufwarten, es bleiben die alten Parti­turen, die immer und immer wieder aufge­wärmt werden. Soweit die Bestands­auf­nahme, die die Fakten hergeben.

Und natürlich sind es nur einige Faktoren, die wenig über das gegen­wärtige Opern­ge­schehen hergeben. Trotzdem reichen sie, um festzu­halten: Trotz intensiv gestei­gerter Bemühungen der Theater­ver­mittlung nimmt die Opern­be­geis­terung ab. Wenn wir über die zeitge­nös­sische Oper sprechen, reden wir über in der Regel mehr als 50 Jahre alte Werke. Urauf­füh­rungen finden in einer statis­tisch nicht erfass­baren Größen­ordnung statt. Ins Reper­toire werden Urauf­füh­rungen in den aller­we­nigsten Fällen übernommen. Erleben wir also gerade den Ausverkauf der Oper. Ein letztes Aufbäumen mit Ausgra­bungen, Alter Musik und Neuer Musik, von der wir uns immer wieder vorhalten lassen müssen, wir müssten sie erst lernen? Wir müssten uns offen zeigen für neue Klänge.

Wie offen muss das Publikum sein für die immer gleichen sphäri­schen Geräusche, breite Klang­flächen statt instru­men­taler Feinsin­nig­keiten, atonale Widrig­keiten und viel, viel Schlagwerk? Längst hat die Filmmusik die Musik von Opern­kom­po­nisten an Qualität überholt. Es steht viel auf dem Spiel. Wenn die Oper keine Wege der Erneuerung findet, wird sie weiter an Attrak­ti­vität verlieren. Ob alter­native Projekte, die immer häufiger die Menschen begeistern, das Bedürfnis für das Musik­theater auffangen können, scheint angesichts der Zuschau­er­zahlen auf diesem Gebiet fraglich.

Gefragt sind mögli­cher­weise Inten­danten, die mehr Mut als bisher beweisen, und Kompo­nisten, die den großen Wurf abseits der allge­meinen Kompo­si­ti­ons­lehre wagen. Wo sind die Köpfe, die uns aus dieser Sackgasse wieder heraus­führen? In Sicht jeden­falls nicht. Sagt die Statistik.

Michael S. Zerban

Teilen Sie sich mit: