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Michael S. Zerban - Foto © Michaela Büttgen

Fragwürdiger Paukenschlag

Was ist der Beschluss eines Stadtrats wert? Wer die Ereig­nisse zum Neubau der Düssel­dorfer Oper verfolgt, kommt schnell zu dem Schluss: Eigentlich nichts. Im vergan­genen Jahr beschlossen die Stadt­oberen, den Neubau an derselben Stelle zu errichten wie die alte Oper. Am 24. Juni dieses Jahres verkündete der Oberbür­ger­meister den „Beschluss“, die Oper werde nun doch an einen anderen Standort verlegt. Es gibt dazu keinen Beschluss. Ob es überhaupt eine neue Oper geben wird, steht derweil in den Sternen.

Oper Düsseldorf – Foto © O‑Ton

Das Opernhaus der Landes­haupt­stadt Düsseldorf ist baufällig. Gutachten zeigen, dass eine Sanierung nicht in Frage kommt. Bis hierhin besteht Einigkeit. Und eigentlich gibt es einen Ratsbe­schluss vom Juni vergan­genen Jahres, der besagt, dass das Haus abgerissen und am Standort des alten Opern­hauses neu gebaut wird. Es gehört ja zum Trend der „neuen Zeit“, Fakten zu ignorieren und lieber etwas zu unter­nehmen, was einem mehr Spaß bereitet. Nach dem gefassten Beschluss fiel den „Grünen“ ein, dass die Stadt Düsseldorf dringend Geld für Klima­schutz und Radwege brauche, also eigentlich kein Geld für eine neue Oper vorhanden sei. „Baumschützer“ haben inzwi­schen eine Petition einge­reicht, um alte Baumbe­stände im Hofgarten, einem Park, der unmit­telbar neben der alten Oper liegt, zu schützen. Schließlich drohten bei einem Neubau Baumfäl­lungen. Gut, das weiß noch gar keiner, weil es keinen gültigen Entwurf eines Neubaus gibt. Aber sicher ist sicher. Und die SPD wäre zwar prinzi­piell mit einem Neubau einver­standen, verlangt aber, dass im Gegenzug 8.000 neue Wohnungen in Düsseldorf entstehen müssen. Die Diskus­sionen über alter­native Standorte ebben nicht ab. Gern schüren die Tages­zei­tungen vor Ort das Feuer. Am 27. Juni soll der Stadtrat nichts­des­to­trotz über die Ausschreibung des Archi­tek­ten­wett­be­werbs beschließen.

So war zumindest der Stand der Dinge bis zum 24. Juni. An diesem Montag verkündete Oberbür­ger­meister Stephan Keller einen neuen „Beschluss“. Die Oper werde nun am Wehrhahn gebaut. Einen Beschluss gibt es nicht, es kann allen­falls von einer Idee des Oberbür­ger­meisters die Rede sein. Der Wehrhahn liegt am östlichen Rand der Innen­stadt und war einer der möglichen Standorte in der Diskussion, weil dort ein Kaufhaus geschlossen werden musste und jetzt leer steht. Nun hat die Stadt das Grund­stück offenbar zum Kauf angeboten bekommen. Man höre und staune: für einen „niedrigen dreistel­ligen Millio­nen­betrag“. Und schon ist zu hören, dass dadurch die Kosten für eine Interims­spiel­stätte wegfielen, die beim Neubau an alter Stelle notwendig wäre. Die Kosten wurden mit 75 Millionen Euro veran­schlagt. Lobend erwähnt wird auch, dass am Wehrhahn 9.000 statt am Hofgarten 5.300 Quadrat­meter zur Verfügung stünden, die bebaut werden könnten. Im Falle eines Neubaus am Wehrhahn kämen aller­dings noch beträcht­liche Instand­set­zungs­kosten für das alte Opernhaus hinzu. Jetzt sind die Mathe­ma­tiker gefragt, wie man das schön­rechnen kann.

Es gab gute Gründe im letzten Jahr, warum man sich für den alten Standort und gegen mögliche „Alter­na­tiven“, darunter den Wehrhahn, entschieden hat. Gilt jetzt für den OB plötzlich nicht mehr. Wir machen ja die Welt, wie sie uns gefällt. In den vergan­genen Jahren hat die Gegend um den Wehrhahn enorm an Attrak­ti­vität verloren. Zwei Kaufhäuser haben geschlossen, Ein-Euro-Läden sind eröffnet worden, Parkraum wurde verknappt und so verteuert, dass er für den Durch­schnitts­ver­diener kaum mehr erschwinglich ist. Es gibt eigentlich keinen Grund mehr, sich in die Gegend zu begeben. Ein Opern­neubau, so ist in einem Archi­tek­ten­entwurf zu lesen, könne die Gegend wieder beleben und aufwerten. Im selben Entwurf steht dann auch, dass die Oper eine Tiefgarage und einen direkten U‑Bahn-Zugang bekommen könne. Wie genau sorgen solche Maßnahmen für die Belebung eines Viertels? Wenn Opern­be­sucher in den Abend­stunden möglichst unbehelligt an- und abreisen können? Der Laie geht ja eher davon aus, dass man zur Belebung eines Stadt­viertels günstigen Wohnraum braucht, der neue Bewohner anlockt.

Diskussion und Ereig­nisse sorgen für ungläu­biges Kopfschütteln. Und ein gesundes Misstrauen über die tatsäch­lichen Beweg­gründe der Akteure. Denn bis heute ist nichts davon zu hören, was aus dem Filet-Grund­stück der jetzigen Oper werden soll, wenn die Oper unbedingt einen anderen Standort bekommen muss. Dass es renatu­riert werden wird, um den Hofgarten zu erweitern – daran glaubt wohl nicht einmal der Redakteur einer Düssel­dorfer Tages­zeitung, der allen Ernstes in seinem Kommentar die Notwen­digkeit einer Oper in einer Landes­haupt­stadt negiert. Wenn die Diskussion dieses Niveau erreicht, müssen die Kultur­ver­ant­wort­lichen der Stadt es allmählich mit der Angst um den Erhalt der Oper zu tun bekommen. Wie wäre es eigentlich, wenn der Stadtrat und mit ihm der Oberbür­ger­meister sich einfach an die geltenden Beschlüsse halten? Das Grund­stück kann die Stadt ja trotzdem aufkaufen. Um beispiels­weise für bezahl­baren Wohnraum in der Innen­stadt zu sorgen. Zugegeben, eine ungewöhn­liche, wenn nicht unspek­ta­kuläre Idee – aber im Sinne der Bürger. Kommt ja nicht mehr so oft vor.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung  des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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