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Michael S. Zerban - Foto © O-Ton

Zeit des Erwachens

Die Westdeutsche Zeitung hat die Schließung ihrer Lokal­re­daktion in Düsseldorf angekündigt. Jetzt haben die Kultur­in­sti­tu­tionen und Festivals der Landes­haupt­stadt auf den Beschluss des Girardet Verlags reagiert. Sie haben einen offenen Brief an den Geschäfts­führer der WZ geschrieben, um die gesell­schaft­lichen Auswir­kungen dieses Schritts deutlich zu machen und ihn zu ermutigen, „Alter­na­tiven zu denken“. 

Der 22. Januar dieses Jahres war ein schwarzer Tag für Düsseldorf. An diesem Mittwoch gab die Geschäfts­leitung der Westdeut­schen Zeitung (WZ) in einer Perso­nal­ver­sammlung am Standort Wuppertal bekannt, die Mitar­bei­terzahl am Redak­ti­ons­standort an der Königs­allee in Düsseldorf drastisch reduzieren zu wollen. Das bedeutet de facto die Schließung der Lokal­re­daktion. Auch wenn die Geschäfts­leitung es gleich mit dem Taschen­spie­ler­trick versucht, der inzwi­schen bei Verlagen zur Basis­kom­mu­ni­kation gehört. Die Lokal­ausgabe Düsseldorf bleibe erhalten, heißt es aus der Zentrale. Die lokalen Inhalte würden wie auch die überre­gio­nalen Artikel zugeliefert. Wer da in Zukunft liefern soll, wollte die Geschäfts­führung noch nicht bekannt­geben. Da es dann aber nur noch eine halbwegs seriöse Lokal­re­daktion geben wird, ist nicht schwer zu erraten, dass Düssel­dorfer demnächst die Artikel der Rheini­schen Post auch in der WZ zu lesen bekommen.

Das ist eine völlig irrationale unter­neh­me­rische Entscheidung, die aber schon seit Jahren bei den Verlagen prakti­ziert wird. Es ist kein Geheimnis, dass das größte Potenzial der Tages­zei­tungen in den Lokal­aus­gaben liegt. Überre­gionale Nachrichten bezieht der überwie­gende Teil der Bevöl­kerung längst aus dem Internet, spätestens aber aus den Nachrich­ten­sen­dungen des Fernsehens. Trotzdem werden im ganzen Land die Lokal­re­dak­tionen ausge­dünnt oder gleich ganz geschlossen. Dank der Verschleie­rungs­tak­tiken der Verlage ein eher schlei­chender Prozess. Darauf hatten wohl auch die Verant­wort­lichen der WZ gehofft.

Es gibt aller­dings zwei Probleme. Die Medien­vielfalt geht zugrunde, der Nachrich­ten­mo­no­po­li­sierung werden Tür und Tor geöffnet. Damit entfällt auch jedes Korrektiv für eine seriöse Bericht­erstattung. Für die Kultur­schaf­fenden einer Stadt aller­dings bedeutet es auch, dass sie die Bürger nicht mehr erreichen. Und dass die Bürger nicht mehr oder nur noch stark einge­schränkt über ihre Leistungen erfahren. In Düsseldorf hat es die Kultur­in­sti­tu­tionen und Festivals offenbar kalt erwischt. Zwar hätte sie ein Blick auf die seit Jahren sinkenden Aufla­gen­zahlen der Tages­zei­tungen warnen müssen, und man muss auch kein Medien­wis­sen­schaftler sein, um die negativen Entwick­lungen der gedruckten Presse hinsichtlich Monopo­li­sierung und Qualität zu erkennen. Aber offenbar hat das niemanden beein­drucken können.

Jetzt versuchen die Kultur­schaf­fenden, die Reißleine zu ziehen und haben einen offenen Brief an den Geschäfts­führer der WZ, Oliver Moll, gerichtet. Darin wird Moll aufge­fordert, nach Alter­na­tiven zur Schließung der Lokal­re­daktion zu suchen. Gleich­zeitig bieten sie an, Gespräche darüber zu führen, wie das kultu­relle Leben in Düsseldorf zukünftig abgebildet werden könne. Zunächst einmal ist es schön, dass die Kultur­schaf­fenden einer Stadt zu einer solch konzer­tierten Aktion in der Lage sind.

Wenn aller­dings ein Verlag im Vorfeld nicht in der Lage war, die fatalen Konse­quenzen seiner Entscheidung zu überschauen, erscheint die Verhand­lungs­masse danach denkbar klein. Zumal die Funke-Gruppe schon mal in anderen Städten vorge­macht hat, wie die Zukunft gedruckter Zeitungen noch für kurze Zeit aussehen wird. Da wird ein Artikel unter vielen verschie­denen Zeitungs­titeln verkauft. Zwei Aspekte werden diesen Spuk bald beenden. Die Bürger mögen es nicht, beschummelt zu werden; das bestä­tigen weiterhin sinkende Aufla­gen­zahlen. Und die nachrü­ckenden Genera­tionen werden Printer­zeug­nisse schon unter Umwelt­aspekten ablehnen und ins Internet abwandern.

Stichwort Internet. Auch Kultur­schaf­fende müssen nun endlich zur Kenntnis nehmen, dass die „gute, alte Zeit“ vorbei ist, in der man sich bevorzugt mit dem Lokal­re­dakteur gutstellen musste. Und sie sollten sich umschauen, welche Alter­na­tiven es im Internet gibt. In Düsseldorf gibt es mindestens zwei Adressen – und nein, hier ist nicht O‑Ton gemeint, das ja überwiegend überre­gional berichtet, auch wenn der Redak­ti­onssitz Düsseldorf ist – von denen man glauben kann, dass sich hier Gespräche sehr viel eher lohnen als mit Verlagen, deren Zeit immer deutlicher abgelaufen ist. Auch solche lokalen Internet-Magazine sind in der Lage, Vorbe­richte, Rezen­sionen, Veran­stal­tungs­hin­weise und allge­meine Beiträge zu erstellen. Man muss sie nur mal lassen. Eine Tatsache, die von den Kultur­schaf­fenden bislang sträflich vernach­lässigt wurde. Übrigens nicht nur in Düsseldorf. Es wird Zeit, dass sich auch Kultur­ver­ant­wort­liche mit der lokalen Bericht­erstattung im Internet ausein­an­der­setzen. Denn hier gibt es echte Perspek­tiven. Und wenn solche Magazine zum Beispiel durch Werbe­ein­nahmen endlich ausrei­chend finan­ziell ausge­stattet werden, könnten sie auch die Kultur­be­richt­erstatter übernehmen, die die herkömm­lichen Verlage aus einer längst vergan­genen Zeit gerade entlassen.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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