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Die Westdeutsche Zeitung hat die Schließung ihrer Lokalredaktion in Düsseldorf angekündigt. Jetzt haben die Kulturinstitutionen und Festivals der Landeshauptstadt auf den Beschluss des Girardet Verlags reagiert. Sie haben einen offenen Brief an den Geschäftsführer der WZ geschrieben, um die gesellschaftlichen Auswirkungen dieses Schritts deutlich zu machen und ihn zu ermutigen, „Alternativen zu denken“.
Der 22. Januar dieses Jahres war ein schwarzer Tag für Düsseldorf. An diesem Mittwoch gab die Geschäftsleitung der Westdeutschen Zeitung (WZ) in einer Personalversammlung am Standort Wuppertal bekannt, die Mitarbeiterzahl am Redaktionsstandort an der Königsallee in Düsseldorf drastisch reduzieren zu wollen. Das bedeutet de facto die Schließung der Lokalredaktion. Auch wenn die Geschäftsleitung es gleich mit dem Taschenspielertrick versucht, der inzwischen bei Verlagen zur Basiskommunikation gehört. Die Lokalausgabe Düsseldorf bleibe erhalten, heißt es aus der Zentrale. Die lokalen Inhalte würden wie auch die überregionalen Artikel zugeliefert. Wer da in Zukunft liefern soll, wollte die Geschäftsführung noch nicht bekanntgeben. Da es dann aber nur noch eine halbwegs seriöse Lokalredaktion geben wird, ist nicht schwer zu erraten, dass Düsseldorfer demnächst die Artikel der Rheinischen Post auch in der WZ zu lesen bekommen.
Das ist eine völlig irrationale unternehmerische Entscheidung, die aber schon seit Jahren bei den Verlagen praktiziert wird. Es ist kein Geheimnis, dass das größte Potenzial der Tageszeitungen in den Lokalausgaben liegt. Überregionale Nachrichten bezieht der überwiegende Teil der Bevölkerung längst aus dem Internet, spätestens aber aus den Nachrichtensendungen des Fernsehens. Trotzdem werden im ganzen Land die Lokalredaktionen ausgedünnt oder gleich ganz geschlossen. Dank der Verschleierungstaktiken der Verlage ein eher schleichender Prozess. Darauf hatten wohl auch die Verantwortlichen der WZ gehofft.
Es gibt allerdings zwei Probleme. Die Medienvielfalt geht zugrunde, der Nachrichtenmonopolisierung werden Tür und Tor geöffnet. Damit entfällt auch jedes Korrektiv für eine seriöse Berichterstattung. Für die Kulturschaffenden einer Stadt allerdings bedeutet es auch, dass sie die Bürger nicht mehr erreichen. Und dass die Bürger nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt über ihre Leistungen erfahren. In Düsseldorf hat es die Kulturinstitutionen und Festivals offenbar kalt erwischt. Zwar hätte sie ein Blick auf die seit Jahren sinkenden Auflagenzahlen der Tageszeitungen warnen müssen, und man muss auch kein Medienwissenschaftler sein, um die negativen Entwicklungen der gedruckten Presse hinsichtlich Monopolisierung und Qualität zu erkennen. Aber offenbar hat das niemanden beeindrucken können.
Jetzt versuchen die Kulturschaffenden, die Reißleine zu ziehen und haben einen offenen Brief an den Geschäftsführer der WZ, Oliver Moll, gerichtet. Darin wird Moll aufgefordert, nach Alternativen zur Schließung der Lokalredaktion zu suchen. Gleichzeitig bieten sie an, Gespräche darüber zu führen, wie das kulturelle Leben in Düsseldorf zukünftig abgebildet werden könne. Zunächst einmal ist es schön, dass die Kulturschaffenden einer Stadt zu einer solch konzertierten Aktion in der Lage sind.
Wenn allerdings ein Verlag im Vorfeld nicht in der Lage war, die fatalen Konsequenzen seiner Entscheidung zu überschauen, erscheint die Verhandlungsmasse danach denkbar klein. Zumal die Funke-Gruppe schon mal in anderen Städten vorgemacht hat, wie die Zukunft gedruckter Zeitungen noch für kurze Zeit aussehen wird. Da wird ein Artikel unter vielen verschiedenen Zeitungstiteln verkauft. Zwei Aspekte werden diesen Spuk bald beenden. Die Bürger mögen es nicht, beschummelt zu werden; das bestätigen weiterhin sinkende Auflagenzahlen. Und die nachrückenden Generationen werden Printerzeugnisse schon unter Umweltaspekten ablehnen und ins Internet abwandern.
Stichwort Internet. Auch Kulturschaffende müssen nun endlich zur Kenntnis nehmen, dass die „gute, alte Zeit“ vorbei ist, in der man sich bevorzugt mit dem Lokalredakteur gutstellen musste. Und sie sollten sich umschauen, welche Alternativen es im Internet gibt. In Düsseldorf gibt es mindestens zwei Adressen – und nein, hier ist nicht O‑Ton gemeint, das ja überwiegend überregional berichtet, auch wenn der Redaktionssitz Düsseldorf ist – von denen man glauben kann, dass sich hier Gespräche sehr viel eher lohnen als mit Verlagen, deren Zeit immer deutlicher abgelaufen ist. Auch solche lokalen Internet-Magazine sind in der Lage, Vorberichte, Rezensionen, Veranstaltungshinweise und allgemeine Beiträge zu erstellen. Man muss sie nur mal lassen. Eine Tatsache, die von den Kulturschaffenden bislang sträflich vernachlässigt wurde. Übrigens nicht nur in Düsseldorf. Es wird Zeit, dass sich auch Kulturverantwortliche mit der lokalen Berichterstattung im Internet auseinandersetzen. Denn hier gibt es echte Perspektiven. Und wenn solche Magazine zum Beispiel durch Werbeeinnahmen endlich ausreichend finanziell ausgestattet werden, könnten sie auch die Kulturberichterstatter übernehmen, die die herkömmlichen Verlage aus einer längst vergangenen Zeit gerade entlassen.
Michael S. Zerban