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Michael S. Zerban - Foto © O-Ton

Schmutzkampagne geht weiter

Plácido Domingo muss sich weiteren Anwürfen aussetzen lassen. Nach einer ersten Kampagne haben elf weitere Frauen Vorwürfe gegenüber Associated Press geäußert. Eine Sängerin fühlte sich gar an die Brust gefasst. Vor zehn Jahren. Allmählich nimmt der Vorgang groteske Züge an. Und die Medien zeigen kein Erbarmen.

Plácido Domingo in jüngeren Jahren – Foto © Condor Press

Damit wir uns gleich richtig verstehen: Ich kenne Herrn Domingo nicht persönlich. Das heißt, ich habe weder etwas für ihn noch gegen ihn. Ohne Frage hat er große Verdienste erworben, was mich aber nicht sonderlich beein­druckt. Er ist dafür reich entlohnt worden. Hat ein Leben in Saus und Braus geführt, weil ihn die Reichen umgarnt haben. Und es ist auch kein „Männerding“ zwischen uns. Dazu sind unsere Welten vielleicht doch ein wenig zu weit ausein­ander. Wir reden hier über einen Mann, den die Frauen umschwärmt haben wie die Motten das Licht. Ich bin ja immer schon froh, wenn Frauen noch mit mir sprechen.

In den vergan­genen Wochen veröf­fent­lichte Operalia, der Gesangs­wett­bewerb von Domingo, etliche Solida­ri­täts­adressen. In Salzburg gab es bei der Aufführung von Luisa Miller, an der der Sänger, dessen Stimme offenbar allmählich den Zenit überschritten hat, teilnahm, einen riesigen Solida­ri­täts­beifall. All das mag wenig bedeuten, außer, dass es bestimmte Menschen offen­sichtlich in ihrer Wut beflü­gelte. Nach einer ersten Schmutz­kam­pagne, von der außer heißer Luft nichts blieb, legen jetzt elf Frauen nach.

Erwar­tungs­gemäß steigerten sich die Vorwürfe. Da habe der Sänger vor zehn Jahren, bitte, vor zehn Jahren, einer Sängerin auf der Bühne an die Brust gegriffen. Außer einem Mord und Schulden beim Finanzamt dürfte nach dieser Zeit so ziemlich alles verjährt und abseits aller seriösen Bericht­erstattung sein. Wir brauchen also überhaupt nicht darüber zu reden, ob etwas tatsächlich statt­ge­funden hat. Es ist verjährt. Da ist die Justiz gnädiger als die Journaille. Und das ist unseriös. Mal ganz abgesehen davon, dass die Auftritte des Sängers gnadenlos mitge­filmt werden und also eine solche Anschul­digung ja wohl leicht durch ein Video zu belegen wäre. Wo ist das Video? In den Archiven verschimmelt? Ich habe gerade Kinder­bilder von mir einge­scannt. Deren Entstehung liegt mehr als fünf Jahrzehnte zurück. Und nichts davon ist dem Alterungs­prozess anheimgefallen.

Dass AP damit groß aufmacht, spricht nicht für die ameri­ka­nische Bericht­erstattung. Dass deutsch­spra­chige Medien und insbe­sondere öffentlich-recht­liche Sender die Nachricht aufgreifen, ist mehr als verwerflich. Da schürft jeder kleine Redakteur Katzengold.

Noch einmal: Plácido Domingo ist mir so was von egal. Dass aber einem Menschen aufgrund von Hören­sagen sein Lebenswerk in Abrede gestellt wird, zeugt von einer Respekt­lo­sigkeit, die moralisch in einer Gesell­schaft, in der Rücksichts­lo­sigkeit und Frechheit zu siegen scheinen, angebracht erscheint. Die Frage ist, ob wir eine solche Gesell­schaft wollen. In der wir große Leistungen mit Schmutz bewerfen, in der Hoffnung, einer größeren Sache zu dienen. Der Sache der Frauen. Elf Frauen haben jetzt haltlose Anschul­di­gungen in die Welt gehauen. Die Schmutz­kam­pagne geht weiter. Und wenn Domingo schlau ist, wird er sie rechtlich wegen Verleumdung verfolgen lassen. Offenbar geht es anders nicht. Die Me-Too-Bewegung erhält gerade ihren Todesstoß.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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