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Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
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In den so genannten Sozialen Medien wird die Forderung einzelner Künstler laut, in der Zeit des Shutdowns zu schweigen. Wohl, um der Gesellschaft mal zu zeigen, wie still es ohne ihre Kunst wird. Auch der Sticker „Ohne Kunst wird’s still“ ist vermehrt zu sehen. Da kommt viel Wunschdenken zum Ausdruck, das hoffentlich nicht in eine Sackgasse führt, aus der es dann auch kein Zurück mehr gibt.

Ich sitze am Schreibtisch und lasse mich vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit den schönsten Aufnahmen bespielen, die überhaupt auf CD zu finden sind. So lange ich will. Zwischendurch höre ich Beiträge von freien Autoren, von denen ich weiß, dass sie zu den Kreativen gehören, die also noch ein bisschen Geld verdienen. Das ist zumindest ein Trostpflaster. Ab kommender Woche brauche ich nicht mehr vor die Tür zu gehen, denn es wird keine Aufführungen mehr geben. Stattdessen werde ich den Fernseher einschalten, mich ein wenig über das weiter sinkende Niveau ärgern, versuchen, den Kopf freizuhalten von den Manipulationen der Nachrichtensendungen, und ich werde mich auch daran gewöhnen. Vielleicht schalte ich auch lieber zu den privaten Fernsehsendern, dann erspare ich mir das tägliche Elend der Nachrichten auch gleich. Schließlich liefern meine „Freunde“ in den so genannten Sozialen Medien schon alles, was ich wissen muss, um auf dem Laufenden zu bleiben. Für dieses Verhalten werde ich von der Regierung belohnt, weil ich sie schalten und walten lasse. Zu unser aller Wohl, selbstverständlich.
In früheren Jahren war ich bei Wind und Wetter unterwegs. Ist jetzt auch nicht mehr notwendig. Tatsächlich fühle ich mich so auch ein Stückchen sicherer. Und die Überlegung kommt immer häufiger, ob ich mir das überhaupt noch mal antun soll. Ab dem Frühjahr – bei besserem Wetter – werde ich wieder in den Park gehen können, im Sommer überdies zum Grillen; da treffe ich dann auch Leute, mit denen ich mich austauschen kann. Nein, in meinem Leben wird sich nichts verschlechtern, im Gegenteil. Ein bisschen blöd ist vielleicht, dass die Fitness-Studios geschlossen haben. Ich denke mal wieder über den Kauf eines Hometrainers nach. Man wird sehen.
Nebenbei entdecke ich bei einer dieser Plattformen wie Facebook die Nachrichten von Künstlern, die dazu aufrufen, während des Shutdowns zu schweigen. Wohl, um der Gesellschaft zu zeigen, wie still es ohne sie werden würde. Ich verstehe nicht recht, was sie damit meinen. Nach einem Monat werde ich gar nicht mehr an sie denken, sondern mir ein Lexikon des Films gekauft haben, um die richtigen Spielfilme bei Streamingdiensten auszusuchen. Nein, ich habe nichts gegen diese Künstler. Aber auch für mich gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn. Es ist bestimmt schade, wenn man den einen oder anderen nicht mehr sieht oder hört. Aber zur Unterhaltung habe ich ausreichend andere Möglichkeiten, die ich mit weniger Aufwand wählen kann. Und die Politiker, die es wissen müssen, haben ja auch gesagt, dass Theater Freizeiteinrichtungen sind. Da werde ich bei dem reichhaltigen Alternativprogramm nichts vermissen. Wie schön.
Liebe Kulturschaffende, man muss kein Experte sein, um zu wissen, dass ihr mit jedem Tag, an dem ihr nicht auftretet, Euch aktiv ins Bewusstsein der Menschen rückt, unsichtbarer werdet. Wer das will, darf sich natürlich verdünnisieren. Den Beruf wechseln. So, wie es jetzt schon viele Künstler in Erwägung ziehen müssen, wenn sie weiterhin ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. Und genau wie die könnt ihr ja später mal euren früheren Beruf zum Hobby machen. Dann hat das Studium doch was gebracht. Wenn euer Hobby dann noch jemand sehen will. Für alle anderen gilt: Wenn ihr sichtbar bleiben wollt, zeigt euch gerade in Zeiten des Shutdowns. Ihr ermöglicht damit vielen Menschen, ihre Solidarität zu zeigen, indem sie euch auf all den Plattformen im Internet folgen und treu bleiben. Wenn ihr ihnen sagt und zeigt, dass ihr in dieser schwierigen Lage durchhaltet, nötigt das mehr Respekt ab, als sich beleidigt von der Oberfläche zu verziehen. Und dieser Respekt wird es sein, der die Menschen – irgendwann – wieder in die Spielstätten zurücklocken wird. Gebt Laut, zeigt, dass ihr da seid, zeigt, dass ihr auch im Internet originelle Lösungen findet. Jetzt könnt ihr an eurer Zukunft arbeiten, sofern sie denn noch auf oder hinter einer Bühne stattfinden soll.
Wie schon im März wird das Kulturmagazin O‑Ton auch jetzt weiter berichten, um möglichst vielen Künstlern ein Medium zu bieten. Und O‑Ton wird weiterhin kostenlos bleiben, damit möglichst viele Menschen dieses Medium nutzen können, um über euch etwas zu erfahren. Und gerne würden wir auch über die Menschen berichten, die den Klageweg einschlagen, um Deutschland wieder zur Rechtsstaatlichkeit zu bringen – und euch, liebe Kulturschaffende, damit zurück auf und hinter die Bühnen. Und nein, ihr zeigt keine Solidarität mit der Gesellschaft, wenn ihr euch anstandslos wegsperren lasst. Solidarität habt ihr in den letzten Monaten gezeigt, indem ihr mit ausreichenden Sicherheitskonzepten weiter aufgetreten seid, um die Kultur in Deutschland aufrechtzuerhalten. Und das ist auch und gerade jetzt euer Auftrag. Wer schweigt, gibt die falschen Antworten.
Michael S. Zerban