O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Vorsicht, Falle!

In den so genannten Sozialen Medien wird die Forderung einzelner Künstler laut, in der Zeit des Shutdowns zu schweigen.  Wohl, um der Gesell­schaft mal zu zeigen, wie still es ohne ihre Kunst wird. Auch der Sticker „Ohne Kunst wird’s still“ ist vermehrt zu sehen. Da kommt viel Wunsch­denken zum Ausdruck, das hoffentlich nicht in eine Sackgasse führt, aus der es dann auch kein Zurück mehr gibt.

Unter­hal­tungs­an­gebote gibt es überall in Hülle und Fülle – Foto © Hasan Kaval

Ich sitze am Schreib­tisch und lasse mich vom öffentlich-recht­lichen Rundfunk mit den schönsten Aufnahmen bespielen, die überhaupt auf CD zu finden sind. So lange ich will. Zwischen­durch höre ich Beiträge von freien Autoren, von denen ich weiß, dass sie zu den Kreativen gehören, die also noch ein bisschen Geld verdienen. Das ist zumindest ein Trost­pflaster. Ab kommender Woche brauche ich nicht mehr vor die Tür zu gehen, denn es wird keine Auffüh­rungen mehr geben. Statt­dessen werde ich den Fernseher einschalten, mich ein wenig über das weiter sinkende Niveau ärgern, versuchen, den Kopf freizu­halten von den Manipu­la­tionen der Nachrich­ten­sen­dungen, und ich werde mich auch daran gewöhnen. Vielleicht schalte ich auch lieber zu den privaten Fernseh­sendern, dann erspare ich mir das tägliche Elend der Nachrichten auch gleich. Schließlich liefern meine „Freunde“ in den so genannten Sozialen Medien schon alles, was ich wissen muss, um auf dem Laufenden zu bleiben. Für dieses Verhalten werde ich von der Regierung belohnt, weil ich sie schalten und walten lasse. Zu unser aller Wohl, selbstverständlich.

In früheren Jahren war ich bei Wind und Wetter unterwegs. Ist jetzt auch nicht mehr notwendig. Tatsächlich fühle ich mich so auch ein Stückchen sicherer. Und die Überlegung kommt immer häufiger, ob ich mir das überhaupt noch mal antun soll. Ab dem Frühjahr – bei besserem Wetter – werde ich wieder in den Park gehen können, im Sommer überdies zum Grillen; da treffe ich dann auch Leute, mit denen ich mich austau­schen kann. Nein, in meinem Leben wird sich nichts verschlechtern, im Gegenteil. Ein bisschen blöd ist vielleicht, dass die Fitness-Studios geschlossen haben. Ich denke mal wieder über den Kauf eines Hometrainers nach. Man wird sehen.

Nebenbei entdecke ich bei einer dieser Platt­formen wie Facebook die Nachrichten von Künstlern, die dazu aufrufen, während des Shutdowns zu schweigen. Wohl, um der Gesell­schaft zu zeigen, wie still es ohne sie werden würde. Ich verstehe nicht recht, was sie damit meinen. Nach einem Monat werde ich gar nicht mehr an sie denken, sondern mir ein Lexikon des Films gekauft haben, um die richtigen Spiel­filme bei Strea­ming­diensten auszu­suchen. Nein, ich habe nichts gegen diese Künstler. Aber auch für mich gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn. Es ist bestimmt schade, wenn man den einen oder anderen nicht mehr sieht oder hört. Aber zur Unter­haltung habe ich ausrei­chend andere Möglich­keiten, die ich mit weniger Aufwand wählen kann. Und die Politiker, die es wissen müssen, haben ja auch gesagt, dass Theater Freizeit­ein­rich­tungen sind. Da werde ich bei dem reich­hal­tigen Alter­na­tiv­pro­gramm nichts vermissen. Wie schön.

Liebe Kultur­schaf­fende, man muss kein Experte sein, um zu wissen, dass ihr mit jedem Tag, an dem ihr nicht auftretet, Euch aktiv ins Bewusstsein der Menschen rückt, unsicht­barer werdet. Wer das will, darf sich natürlich verdün­ni­sieren. Den Beruf wechseln. So, wie es jetzt schon viele Künstler in Erwägung ziehen müssen, wenn sie weiterhin ihren Lebens­un­terhalt verdienen wollen. Und genau wie die könnt ihr ja später mal euren früheren Beruf zum Hobby machen. Dann hat das Studium doch was gebracht. Wenn euer Hobby dann noch jemand sehen will. Für alle anderen gilt: Wenn ihr sichtbar bleiben wollt, zeigt euch gerade in Zeiten des Shutdowns. Ihr ermög­licht damit vielen Menschen, ihre Solida­rität zu zeigen, indem sie euch auf all den Platt­formen im Internet folgen und treu bleiben. Wenn ihr ihnen sagt und zeigt, dass ihr in dieser schwie­rigen Lage durch­haltet, nötigt das mehr Respekt ab, als sich beleidigt von der Oberfläche zu verziehen. Und dieser Respekt wird es sein, der die Menschen – irgendwann – wieder in die Spiel­stätten zurück­locken wird. Gebt Laut, zeigt, dass ihr da seid, zeigt, dass ihr auch im Internet origi­nelle Lösungen findet. Jetzt könnt ihr an eurer Zukunft arbeiten, sofern sie denn noch auf oder hinter einer Bühne statt­finden soll.

Wie schon im März wird das Kultur­ma­gazin O‑Ton auch jetzt weiter berichten, um möglichst vielen Künstlern ein Medium zu bieten. Und O‑Ton wird weiterhin kostenlos bleiben, damit möglichst viele Menschen dieses Medium nutzen können, um über euch etwas zu erfahren. Und gerne würden wir auch über die Menschen berichten, die den Klageweg einschlagen, um Deutschland wieder zur Rechts­staat­lichkeit zu bringen – und euch, liebe Kultur­schaf­fende, damit zurück auf und hinter die Bühnen. Und nein, ihr zeigt keine Solida­rität mit der Gesell­schaft, wenn ihr euch anstandslos wegsperren lasst. Solida­rität habt ihr in den letzten Monaten gezeigt, indem ihr mit ausrei­chenden Sicher­heits­kon­zepten weiter aufge­treten seid, um die Kultur in Deutschland aufrecht­zu­er­halten. Und das ist auch und gerade jetzt euer Auftrag. Wer schweigt, gibt die falschen Antworten.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

Teilen Sie sich mit: